Das macht den Kohl auch nicht mehr fett…

“Das macht den Kohl auch nicht mehr fett” dachte ich, als sich ein warmer September für den Garten ankündigte. Oder kommt es doch anders als gedacht?

Mein September war anders als bei anderen.

Der September, so las ich, war mit nur durchschnittlich 35 l Niederschlag der trockenste September seit 15 Jahren.

35 l, na die sind gut, wenn das schon trocken ist, was soll dann ich sagen? Bei mir kamen 11 l herunter. Der September war schöner als der ganze Sommer. Warm, sonnig, nur leider eben fürchterlich trocken. Wo ich in die Erde stach, war es staubtrocken. Zum Kartoffelernten, wenn man denn überhaupt rein kam in die Erde, ist das angenehm, weil man nicht einmal schmutzige Finger bekommt. Zum Pflanzen ist es schlimm, weil man gießkannenweise Wasser ins Pflanzloch kippen muss, und das schon am Tag vorher und am Pflanztag wieder und dann täglich gießen.

Also mein September jedenfalls war trocken wie eh und je, auch wenn “alle Welt” mir erzählen wollte, wie nass es doch sei, da es so viel geregnet hat. Warum, so frage ich mich, glaubt mir niemand, dass es hier eben nicht regnet und ich alles andere als feuchten Boden habe? Dass die Bewässerungen regelmäßig laufen und das nur um den Boden leicht feucht zu bekommen?

Nun, sie glauben nicht, dass ich mit der Trockenheit zu kämpfen habe. Genauso glauben sie auch nicht, dass man so Gemüse anbauen kann, wie ich es tue. Nicht umgraben, viel Mulch, kein Kunstdünger und kein Gift etc. Und doch kann man es. Vielleicht sollte so manch einer mal überlegen, was er glaubt und was nicht….

Mal läuft’s, mal nicht.

Klar läuft bei mir auch nicht alles perfekt. Es gibt eben auch Misserfolge. Gäbe es sie nicht, würde es sich um ein Kunstprodukt und keinen Biogarten handeln. Sie müssen nur im berechenbaren Rahmen bleiben, die Misserfolge. Also pflanzt man etwas mehr und ist gewappnet, wenn Misserfolge kommen. Insgesamt sollten die Misserfolge dennoch im sehr kleinen Rahmen bleiben. Und das tun sie immer mehr, je konsequenter ich meinen Weg gehe.

Einer dieser Misserfolge ist der Butterkohl. Ein treuer Misserfolg, der sich jedes Jahr wiederholt. Nächstes Jahr allerdings wird das nicht mehr passieren. Ich baue dann keinen Butterkohl mehr an. Das ist auch eine Lösung. Im Biogarten auch eine wichtige Lösung. Wenn etwas einfach nicht gelingt, passen zu viele Voraussetzungen wie unter anderem Boden, Kleinklima, Wasser, Dünger, Klima und anderes einfach nicht. Es macht dann keinen Sinn, auf Biegen und Brechen genau das anbauen zu wollen was nicht wächst oder gar die Voraussetzungen mit großem Ressourceneinsatz künstlich zu schaffen.

Was ist mit dem Butterkohl? Er wächst nicht. Man sollte immer wieder schöne große Blätter von aussen her ernten können, also nicht unbedingt den ganzen “Kopf”. Aber die äußeren Blätter sind klein, hart, zäh, bitter und durchlöchert.

Es ist September und er steht seit dem Frühjahr im Beet, wächst aber nicht, jetzt holen ihn die Schädlinge. Ich habe einmal 2 Pflanzen abgemacht und gekocht. Sonderlich geschmeckt haben sie wirklich nicht. Kein zartes Kohlaroma. Nein der ist es mir nicht Wert, Platz und Arbeitszeit wieder und wieder zu investieren.

Dafür habe herrlichen Blumenkohl. In weiß und in lila. Schade, dass die herrlich schrille Farbe beim Kochen nicht erhalten bleibt. Sie verwäscht sich in ein blasses, schmutziges Grün. Schmecken tun beide aber sehr gut.

Der weiße heißt “Amabile” und der kräftig gefärbte ist “di sicilia violetto”. Herrlich feste Köpfe von köstlichem Aroma auf dem Teller.

Und jetzt wird der Kohl doch noch fett.

Täglich erfreue ich mich an den gesunden und kräftige Pflanzen hier im Beet nach den Ackerbohnen. Red russian kale wächst mit gefransten Blättern wie Grünkohl und wird auch so verwendet. Er braucht und verträgt keine Frost, ist also im Herbst schon genießbar. Ich verwende die Blätter vor allem für die täglichen grünen Smoothies.

Dazwischen erkennt man jetzt bei der oder dem (?) Catalogna, warum er “italienischer Löwenzahn” heißt. Es ist ein Zicchorien, also weit entfernt davon, ein Löwenzahn zu sein. Die Blätter sehen dennoch so aus. Man kann ihn gedünstet verwenden oder roh. Er ist bitter und soll sehr bitter sein, was beim Garen geringer wird. Da ich ihn gar nicht so arg bitter empfinde und bitter sehr gesund ist, verwende ich ihn roh mit in den Smoothies und immer mal ein Blatt, klein geschnitten, in den Salat.

Ebenfalls hier stehen und wachsen prächtig die Kohlrüben Mairüben und Kohrabi. Jetzt, wo ich weiß, dass das Vorziehen der Rüben in Topfplatten gelingt, werde ich da nächstes Jahr zur rechten Zeit gleich so machen. Dieses Jahr habe ich wegen der wieder erfolglosen Versuche ihn gleich im Beet groß zu bekommen, eine Zeitverzug. Die Rüben werden nicht sonderlich groß werden. Zum Einlagern (was bei ihnen leicht gelingt) langt die Größe sicherlich und zum Kochen alle Mal. Die Mairüben verzehre ich roh.

Im Beet daneben stehen Kohlrabi und Radicchio, Winterrettich und Radieschen genau wie ein paar Mairüben. Weil gerade alles so prima wächst erkennt man hier gar keinen Übergang von einem zum anderen Beet mehr.

In einem anderen Beet wächst noch der Mangold, die Buschbohne und Gründünger, den ich nach dem Frühkohl dort sähte.

Der Mangold wird bald abgeerntet und eingefroren. Zwar könnte er noch lange im Beet stehen, auch über den Winter und im Frühjahr zeitig frisches Grün liefern. Dafür habe ich dann aber neu gepflanzten Mangold im Gewächshaus, der dort überwintert. Bei Entfernten des Mangolds kam mir dann die Idee, dass ich künftig lieber diese dicken Wurzeln ins Gewächshaus pflanzen sollte. Dort können sie wieder wurzeln und im Winter beziehungsweise zeitig im Frühjahr Grünes liefern. Einmal machte ich das schon versuchsweise und es hat geklappt. So spare ich mir die Arbeit, wieder junge Pflanzen heran ziehen zu müssen.

Den Platz hier im Beet benötige ich für die Wintersteckzwiebeln. Dafür sollten auch die längst abgeernteten Buschbohnen fort. Sie müssen aber noch stehen, weil ich ein paar Bohnen ausreifen lasse, damit ich auch im kommenden Jahr wieder eigene Samen habe.

Jetzt komme ich zu dem Beet mit der Rasenschnittsilage. Im Juli berichtete ich, über das Setzen der dortigen jungen Gemüsepflanzen. Im August konnte ich schon erste Fortschritte zeigen und nun im September ist es die reinste Augenweide für einen Gemüsegärtner.

Auf den ersten Blick zu erkennen ist der dunkle Palmkohl Nero di Toscana. Ihm zur Seite macht sich eine Zuckerhutsalat breit. Auf der anderen Seite thront der Endivien im Beet. Na, wenn DER Kohl nicht fett wurde…

Und noch immer hört es nicht auf mit Kohl. Der Rotkohl, über den ich auch schon seit Monaten berichte ist bald erntereif. Und wie klein waren die Pflänzchen, die ich im Juni direkt in den Gründünger pflanzte.

Im dritten Bild, direkt vor der Regentonne erkennt ihr auch einen Kohl. Der macht mir am wenigsten Arbeit, der ist eigentlich nur zum Ernten da. Es ist der immerwährende Kohl, der einige Jahre alt werden kann. Durch Stecklinge leicht zu vermehren und dann für sehr lange ohne weitere Arbeit, als im Frühjahr kräftig zurück zu schneiden, an der selben Stelle.

Auch der Spätkohl, ebenfalls in Gründünger gesetzt ist diesem längst entwachsen. Der neue Gründünger auf dem ehemaligen Frühkartoffelbeet daneben steht kräftig im Beet.

Der Rosenkohl nimmt aber halt auch sehr viel Platz im begrenzten Gemüsegarten in Anspruch. Aber bei dem Ernteerfolg vergisst man das gerne.

Abernten zum Platz-schaffen

Was macht eigentlich mein Gewächshaus jetzt im September? Dort war ja seit langem nicht viel los. Den Paprika war der Frühsommer zu kalt und die Tomaten bekamen selbst im Gewächshaus bei immer geöffneter Tür und automatischen Fensteröffnern die Braunfäule. Eine Pflanze ging daran kaputt. Die Gurken waren hier, wie im Freiland, dieses Jahr ein Traum.

Dennoch das Zeug muss raus, der Boden muss bearbeitet werden und neue Pflanzen für die Winter- und Frühjahrssaison müssen an ihren Platz.

Also wird erst einmal der Rest abgeerntet.

Die Gurke blieb erst noch stehen und ein wenig Basilikum. Aber das musste dann auch weichen. Platz schaffen für Neues.

Am Boden entfernte ich die Bewässerungsschläuche, ging mit Grabegabel und Sauzahn durch den Boden. Eine ordentliche Ladung Kompost kam oben drauf. Dann noch Steinmehl und ein organischer Dünger. Schließlich deckt frischer Rasenschnitt alles ab.

Fertig zum Pflanzen. Fürs erste kommen die folgenden Wintergemüse in die Beete: der oben erwähnte neue Mangold, Radicchio, Winterkresse, Winterkopfsalat, Radieschen, Mairüben und Hirschhornwegerich.

Bei all meiner Arbeit im Gewächshaus bin ich nie allein. Der kleine grüne Gesellschaffter hat immer ein Auge auf mich. Und er ist ein geduldiger Zuhörer.

Im Frühbeet geht es ähnlich zu. Dort allerdings ohne Laubfrosch.

Und weil die Pflanzsaison jetzt erst richtig los geht, wird weiter gesät und vorgezogen.

Ich habe schon darüber gesprochen. Meine Himbeeren brauchen wohl nach 10 Jahren einen neuen Platz. Jedenfalls wollen sie dort, wo sie bis vor 3 Jahren so gut gediehen, einfach nicht mehr glücklich werden. Das neue Beet ist auserkoren und der Boden vorbereitet. Hier habe eine dicke Schicht Eichen-Laub-Kompost aufgetragen. Damit der nicht so ungeschützt da liegt, bis Himbeerpflanzen einziehen, wird gleich Gründünger ausgesät.

Die Wundertomaten

Jetzt bin ich mir sicher. Diese Tomatensorte werde ich wieder anbauen. 12 Sorten Tomaten waren es dieses Jahr. Wie berichtet und wohl auch in jedem Garten hatten sie schon lang die Braunfäule. Geerntet wurde so gut wie nichts. Die Stöcke sind schon lange in der Biotonne verschwunden. Alle Stöcke? Nein zwei wachsen und fruchten einfach weiter. Die Tomatenfrüchte bleiben gesund und werden reif. Schaut euch die Pflanzen an! Und auf der Samentüte stand gar nichts von Toleranz oder Resistenz gegenüber Braunfäule. Rings um sie tobte die Fäule, alles ging kaputt, nur die “Philamina” schert sich einen Dreck um die Fäule. Ich bin begeistert, diese Sorte auch angebaut zu haben.

Im Weinberg

Schwer hatte es heuer auch der Wein. Die Pflanzen im Weinberg wuchsen zum ersten Mal ohne Dürre und waren nie Welk. Die Blüten erfroren nicht, wie im letzten Jahr. Und dann kam im September doch noch eine Krankheit. Interessant dabei für mich ist die Beobachtung, wie unterschiedlich die einzelnen Sorten sich verhalten. Sechs Weinstöcke habe ich und sechs unterschiedliche Sorten.

In einem aber geht es allen Weinstöcken gleich. Die Sonne fehlte und die Trauben werden nicht richtig reif. Wohl genießbar, aber süß ist anders.

Die fehlende Sonne und Wärme lässt auch meine Feigen nicht reifen. Die Ernte fällt heuer gänzlich aus.

Vorratshaltung und die Folgen

Auch wenn es im Garten noch einmal so richtig schön ist, alles wächst und gedeiht, kann man es nicht mehr leugnen. Der Herbst ist da und somit bald der Winter. Selbstversorger sind wir gottseidank nicht nur mit dem Gemüse sondern mit noch einer ganz wichtigen Zutat für unvorstellbar gemütliche Wintertage.

Meist haben wir ausreichend Erlenholz von den Unkraut-Erlen bei den Karpfenweihern. Diese Jahr ist aber der vor ein paar Jahren gefällte Walnussbaum dran. Bei den Erlen haben wir immer praktische, höchstens armdicke Holzstücke. Der Stamm vom Walnussbaum war dicker und wurde gespalten. Jetzt passt er nicht in die Kreissäge. Und beim Spalten mit der Axt will er oft nicht springen. Ich bin kein versierter Holzmacher und so kam uns der Gedanke, dass ja der Schwager einen elektrischen Holzspalter hat. Der wurde sofort ausgeliehen. Mit der Kettensäge zerkleinerten wir die dicken Stammteile und überließen dann den Rest dem Spalter. Zu zweit ging das dann doch recht zügig und der Wintervorrat ist gebrauchsfertig.

Und wenn man mit Leidenschaft Selbstversorger ist, nutzt man doch sicher auch den Wurzelstock vom gefällten Baum für den Küchengarten, oder? Klar tut man das. Wir sägten ihn bewusst etwas höher ab. Dann beimpfte ich ihn mit Stockschwämmchenbrut und deckte alles mit Baumstammscheiben ab. Schließlich blieb nur noch eines: Warten. Im Frühjahr schon und jetzt im Herbst wieder konnte geerntet werden. Köstliche Pilze sind das.

Man kann so einen Wurzelstock also einfach verrotten lassen, viele fräsen ihn heraus, versetzen ihn mit irgendwelchen Chemikalien, dass er zerfällt. Oder man macht es wie ich und hat Geduld und etwas Pilzbrut. Der Pilz kann hier noch ein paar Jahre vor sich hin wachsen.

Grundlage für ein erfolgreiches 2022

Nach dem Winter kommt dann das Frühjahr. Da brauche ich für “fetten Kohl” wieder so viel wie möglich vom Gärtnergold, meinem Kompost. Daher schlichte ich jetzt um, das ist der im Frühjahr gebrauchsfertige Kompost. Ein Deckel vom alten Regenfass deckt ihn schützend ab. Daneben halbfertiger Kompost und auch der Laubkompost vom letzten Herbst.

Die Paletten sind ebenfalls verrottet. Da muss zeitnah noch wieder neu gebaut werden. Bis dahin sammle ich die organischen “Abfälle” in einem Gitterkomposter.

4 Antworten auf „Das macht den Kohl auch nicht mehr fett…“

  1. Moin Achim, sehr schöne Bilder. Vor allem der violette Blumenkohl sieht Klasse aus. Obwohl der Sommer 2021 nicht der Hit war, sieht es bei dir im Garten einfach nur Grandios aus!

    LG, Dennis von Garten ganz nah

    1. Hallo Dennis,
      erst mal Danke für dein Kompliment. Und ja das Jahr war wirklich gartentechnisch nicht gut, tatsächlich gab mir erst der September und Oktober wieder Hoffnung da wuchs auf einmal alles ganz prächtig.
      Viele Grüße und viel Spass im Garten wünscht der Achim

    1. Stimmt Elke,
      immer erst sehr spät kommt das alles in die Puschen. So schön wie dieses Jahr allerdings hat sich vieles sonst nicht entwickelt. Der September war ein Wonnemonat, auch wenn es nicht regnete. Die Bewässerungen und der Mulch halfen dabei.
      Viele Grüße Achim

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