Das sensationelle Winterhochbeet – eine Buchbesprechung

Viele haben eines, alle anderen wollen eins. Das Hochbeet. Meist werden nur Tomaten und Zucchini angebaut. Das Buch zeigt Möglichkeiten, auch und gerade im Winter reichhaltige Ernten vom Hochbeet ein zu holen. Passende Kochrezepte werden gleich mit geliefert.

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Endlich wieder eine Buchbesprechung – aber muss es ein Hochbeetbuch sein?

Freudig öffnete ich die Mail vom Löwenzahnverlag. Meist bekomme ich in solchen Nachrichten die Möglichkeit, wieder einmal ein tolles Buch vom Löwenzahnverlag hier im Blog zu besprechen. Das mache ich gerne und las tatsächlich von einer Neuerscheinung.

Ein Hochbeet-Buch ist es diesmal. Nun, Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich nicht unbedingt zu den Fans dieser Anbauweise gehöre. Und wer mich noch nicht so gut kennt, kann gerne mal ein paar Gedanken zum Hochbeetgärtnern hier nachlesen.

Aber dann las ich den Titel genauer: „Das sensationelle Winterhochbeet“ von Doris Kampas.

Und schon war mein Interesse geweckt. Gemüse im Winter im Hochbeet, das finde ich gut. Ist doch einer meiner Kritikpunkte an der allgegenwärtigen Hochbeetlust, dass so viel Arbeit sich für ein paar Tomaten und Zucchini in den Sommermonaten nicht lohnt. Im Winter stehen die Beete leer. Zumindest alle, die ich je in Natura gesehen habe. Während ich im Februar oder März im Boden laufend Salate ernte, wächst in den Hochbeet nur Wildkraut.

Also ist das neue Buch doch genau in meiner Richtung. Im Winter Gemüse anbauen! Meine Leidenschaft seit noch nicht all zu langer Zeit. Ich war wirklich sehr gespannt auf das Buch.

Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt, das Buch zu lesen.

Worum geht es also im Buch und was macht es so besonders?

Das Buch von Doris Kampas, die bereits „Das unglaubliche Hochbeet“ geschrieben hat, zeigt, wie man im Winter im Hochbeet ernten kann. Sie nimmt den Leser buchstäblich an die Hand und erklärt ihm oder ihr wirklich alles, was an Wissen und Hintergrund zum Gemüseanbau im Herbst und Winter nötig ist. Für Garteneinsteiger genau das Richtige. Und für erfahrene Gärtner bestimmt auch interessant, weil sich mit der Wintergemüsekultur bisher nur wenige beschäftigt haben.

Aus dem Inhalt

Man erfährt, wie die Pflanzen den Frost überleben statt ab zu frieren. Was sie dabei unterstützt wird sehr gut beschrieben. Von der wärmenden Hochbeetauffüllung nach der Sommerernte über mögliche Schutzvorrichtungen die auch gar nicht viel kosten müssen, wenn man alte Gardinen und leere Flaschen und Zeitungspapier verwendet. Ideen werden in allen Bereichen jedenfalls genügend geliefert.

Wie zieht man Gemüsesämlingen selbst heran? Wann wird gesät und gepflanzt? Wer passt zu wem und wie viel passt ins Beet? Hier gibt es Antworten, auf Fragen, die selbst mir nicht sofort eingefallen wären.

Geschrieben ist das Buch in einem modernen, mir etwas zu positiv-euphorischen Schreibstil. Weil aber die Autorin sehr gut weiß, wovon sie spricht, werden Schädlinge, Krankheiten oder Fallen, in die ein Wintergärtner tappsen kann, sehr wohl angesprochen und Lösungen aufgezeigt.

Kluge Menschen machen nicht alle Fehler selber, sie geben auch anderen Menschen eine Chance, heißt es.

Nicht die Autorin dieses Buches. Sie gibt wirklich niemandem eine Chance – Fehler zu machen.

Ein Buch, geschrieben mit viel Sachverstand und Erfahrung

Das hilft dem Leser wirklich. Anders als in den Büchern, die so positiv gehalten sind, dass diese Aspekte nicht einmal erwähnt werden (oder der Autorin bekannt wären), vor lauter Blick auf Marketing, Publikumswirksamkeit und schönen Schein. Denn das interessiert glaube ich den Leser weniger, als den Autor.

Ebenso interessiert es Leser wohl, wie so ein Hochbeet aufgebaut sein sollte. Hier ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wirklich einmal erwähnt wird, wie hoch ein gutes Hochbeet ist. 85 cm und bei großen Menschen auch mal bis 100 cm. Das ist beachtlich und die Arbeit beim Befüllen wirklich enorm. Aber was nutzt schon ein aus Sparzwecken und Arbeitserleichterung angelegtes Hochbeet-chen mit 40 oder 50 cm Höhe. Die GärtnerInnen, die hier noch immer die ach so geniale Erleichterung für den Rücken beschwören, beweisen meines Erachtens nur eines, dass sie gar nicht wirklich im Beet arbeiten.

Hochbeetideen direkt aus dem Kochbuch

Eine lange Liste möglicher Pflanzen mit Kulturdauer, Frosthärte und (was nicht selbstverständlich aber beim Wintergemüse sehr wichtig ist) der genauen Sorte gibt es zum Ausklappen im Buch. Ja die Sorte ist wichtig, denn nicht jede ist wintertauglich und Lauch ist eben nicht gleich Lauch oder Salat nicht gleich Salat.

Begeistert wird der Leser in jedem Fall und bekommt sicher Lust los zu legen. Aber wie leicht sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Bei so einer großen Vielfalt möglicher Gemüse fällt die Auswahl gerne schwer. Leider aber ist für den Gärtner der Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht günstig gewählt. Jetzt ist es für das Meiste zu spät mit Sähen und Pflanzen. Wer im Winter ernten möchte, muss das ab Frühsommer vorbereiten.

Wer sich aber jetzt einliest oder das Buch für die kommende Geschenkeperiode des Jahres benutzt, kann dann gut vorbereitet im Frühjahr mit der Praxis starten. Bei großer Ungeduld auch noch eher. Im Buch wird schließlich sogar beschrieben, was man im Hochbeet noch so für leckeres Gemüse anbauen kann, bevor das eigentliche Wintergemüse hinein kommt. Wirklich, Gemüse rund ums Jahr. So wie ich es liebe.

Selbst hier liefert die Autorin Unterstützung für den geneigten Hochbeetgärtner.

Eine ganze Reihe an Themenhochbeeten schränkt die Vielfalt ein und erleichtert die Auswahl. Es gibt ein „Torten-Quiche und Strudel-Winterhochbeet“ oder ein „Kraut- und Rüben-Winterhochbeet“. Immer fröstelnde Naturen begeistern sich vielleicht für das „Warme-Suppen-Winterhochbeet“.

Also mir machen diese Themen noch mehr Lust aufs Wintergemüse. Man sieht doch gleich auch, was man mit der Ernte anfangen kann. Oder wählt gleich du den eigenen Präverenzen passenden Gemüsekombinationen.

Muss ich es extra erwähnen? Ja, auch bei der letztendlichen Verwendung der Ernte in der Küche legt Frau Kampas noch einen drauf, in Sachen „an-die-Hand-nehmen“ des Lesers. Rezeptideen für die einzelnen Hochbeete finden sich ebenfalls im Gartenbuch.

An die Hand nehmen und Schritt für Schritt zur Ernte führen.

Und jedes Hochbeet wird nicht nur in einer schönen Zeichnung mit Pflanzplan beschrieben. Nein. Jeder einzelne Schritt vom Sähen/Pflanzen über die Pflege bis zur Ernte. Mögliche Schädlinge oder Probleme und Lösungen. Alles wird genau und immer Schritt für Schritt beschrieben. Also da kann nun aber wirklich jeder im Winter etwas in seinem Hochbeet anbauen. Es gibt jetzt keine Ausrede mehr, wenn im Februar Unkraut statt Salat auf Hüfthöhe wächst.

Besonders begeistert hat mich die Gemüseauswahl. Lauter bodenständige, klassische und über Generationen erprobte regionale Gemüse. Kein schi schi oder sonst exotisches Modegemüse. Gleiches gilt für die zu kochenden Gerichte.

Auch das Kräuter-Winter-Hochbeet dient dem alltäglichen, laiblichen Genuß oder der Gesundheit mit all den würzigen Kräutern. Natürlich wird auch beschrieben, welches Kraut warum und wofür gesund ist. Es ist nicht, wie oft, dem Verschönern von Cocktails gewidmet. Von mir ein großer Pluspunkt dafür.

Tatsächlich habe ich doch gleich die Lauchlasagne ausprobiert. Es war gerade Lauch im Garten reif zur Ernte. Sehr lecker !

Wurzelsuppe, Quiche, Aufläufe oder Ofengemüse mit Zutaten, die normalerweise im Haushalt vorrätig sind und mit dem eigenen Gemüse. Ganz nach meinem Geschmack. Denn die wirkliche Küche ist die Alltagsküche, die man jeden Tag parat haben muß, will man sich und seine Lieben gesund und ausgewogen ernähren. Einfach und schnell, lecker und gesund mit frischem Gemüse. Mehr braucht es nicht.

Wer dieses Buch zur Hand hat, wird bedauern, dass der „Hochbeetwinter“ nur 4-5 Monate dauert. In jedem Fall gebe ich Frau Kampas recht. Das ist eine „ziemlich lange Zeitspanne, die zu kostbar ist, um ungenützt zu bleiben.“

Vorschlag für Menschen ohne Hochbeet im Garten

Ach so ja, und wem nicht nur der Hochbeetwinter zu kurz, sondern auch das Hochbeet im Garten zu klein wird (weil das Wintergemüse eben so lecker ist), der soll doch einfach einmal ganz mutig und innovativ sein. Dem rate ich: versuch doch einfach einmal das Gemüse direkt im Boden an zu bauen. Ganz ohne die Mühen und Kosten eines Hochbeetes.

Die Anleitung im Buch hilft auch hier und ich weiß es, Gemüse wächst wirklich auch direkt im Boden….

6 Antworten auf „Das sensationelle Winterhochbeet – eine Buchbesprechung“

  1. Lieber Achim,
    ich fand das Buch auch sehr interessant, und es war auch der Titel, der mich direkt angesprochen hat, auch wenn ich nicht soviel im Garten pflanze, was man essen kann. Wenn ich mal mehr Zeit habe, möchte ich doch mehr anpflanzen. Und dass man auch im Winter ernten kann, hat mich doch überrascht.
    Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Ja Wolfgang, du hattest ja auch drüber geschrieben. Ein sehr gutes Buch über das Gemüse im Winter im Allgemeinen ist auch das Original von Wolfgang Palme „Frisches Gemüse im Winter ernten“. Sehr zu empfehlen. Seit ich mich mit Wintergemüse befasse ernte ich wieder mehr. Im Sommer ist es bei mir einfach zu heiß und trocken. Wintergemüse geht bei mir viel besser.

      liebe Grüße, der Achim

  2. Hallo Achim,
    das ist aber auch ein Trendthema, das zeigt sich schon daran, dass es ja schon das 2. Hochbeetbuch ist. Um noch eines zu schreiben, muss man sich jetzt auf den Winter stürzen – das andere brandheiße Trendthema Wintergärtnern.
    Aber Sommergärtnern geht ja kaum noch so ohne Regen.
    VG
    Elke

    1. Das stimme, Elke, im Sommer Gemüse an zu bauen ist mittlerweile echt schwierig. Dann gehen da viele auch in Urlaub und können nicht gießen. Das macht kein Gemüse mit. Viel entspannter ist das im Winter, kann es jedem nur empfehlen.

      Liebe Grüße, der Achim

  3. Lieber Achim,
    das ist bestimmt ein interessantes Buch und
    hilft sicherlich auch Gärtnern ohne Hochbeet weiter.
    Naja, ich habe ja auch Hochbeete. Bin aber nicht mehr ganz so begeistert. Sie sind einfach so extrem begrenzt. Und ich buddele doch so gerne die Beete immer breiter (um mehr Platz zu haben) ohne dass meine fußballverückte Familie das merkt 😉
    Das geht bei Hochbeeten leider nicht wirklich.
    Am besten finde ich deinen letzten Satz!
    Gemüse wächst wirklich auch direkt im Boden 🙂
    Ganz viele liebe Grüße von der Urte

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