Der Oktober oder das Finale im Ziergarten

Der Garten könnte auch sagen, “das ist der Rest vom Schützenfest”. Viel ist nicht mehr da und auch nicht wirklich da gewesen in diesem komischen Jahr. Ein bisschen golden wird es dann aber doch.

Ist das ein anderer Herbst?

Im Gemüsegarten wird im Oktober geerntet. Im Ziergarten kommt noch einmal ein Leuchtfeuer an Farben. Meist gedeckt und doch leuchtend in den sprichwörtlichen Herbstfarben. Dazu gehört natürlich das gelb-orange-rote Spektrum der Blätter im Herbst.

Aber mal ehrlich, ist euch das auch aufgefallen? So viele Bäume und Sträucher wurden gar nicht richtig gelb. Viele Blätter blieben Grün und vielen dann, vom ersten Frost geschädigt, nach und nach grün oder nur verblasst ab. Dafür wieder blühten etliche Stauden deutlich früher als sonst. Nachdem sich im Frühjahr das ganze Wachstum wegen nicht enden wollender Fröste bis Mitte Mai nicht einstellen wollte, hätte ich angenommen, dass sich im Herbst dafür alles auch weiter nach hinten verschiebt. Kommt ein kalter Winter, wenn die Pflanzen so früh schon so viel Herbst und Rückzug signalisieren? Da bin ich wirklich gespannt.

Goldener Herbst und bunte Blüten

Nicht alles im Herbst zeigt diese Herbstfarben, blüht aber dennoch üppigst. Ich denke hier an die zuverlässige und sehr pflegeleichte Teppich-Myrtenaster. Und seht ihr sie, die vielen Schmetterlinge auf ihr? Überhaupt habe ich in heuer die Pfauenaugen in so großer Menge im Garten wie noch niemals zuvor. Da ist es gut, wenn sie ausreichend Nahrung auf all den Astern finden.

Schon herbstlicher in der Farbe zeigt sich die Herbstanemone. Die einzige, die mir noch geblieben ist. Nach vielen Aufforstungsversuchen mit immer neuen Stauden, gepflanzt im Herbst oder im Frühjahr, gab ich es auf. Sie sind sehr schön, passen zu meinem Garten, mögen ihn aber nicht. Der Grund bleibt mir leider unbekannt. Gut, die Weiße, die etliche Jahre neben der hier im Bild, stand, musste gehen, weil eine Wühlmaus sich von den vielen Katzen in meinem Garten nicht hat zurückdrängen lassen. Das Beet hat sie im letzten Winter mächtig umgegraben.

Unter der Anemone blüht noch immer der Natternkopf mit dem Basilikum.

In einer wirklich herbstlichen Farbe erfreuen mich meine Staudensonnenblumen Triomphe de Gand, über die ich kürzlich schon berichtete.

Und dieser Blumenstrauß im Beet, wenig aber immerhin, ist ja auch von eindeutig herbstlicher Ausstrahlung.

So komme ich auch schon zum goldenen Höhepunkt für diesen Herbst. Im Vorgarten der Poncirus, die winterharte Zitrone, zeigt, was “goldener Herbst” bedeutet. Sie hängt über und über voll mit goldenen Früchten (die ich auch zum Teil in der Küche verarbeite). Seine Blätter sind im Garten die einzigen, die sich wirklich aktiv und auffallend herbstlich verfärbt haben.

Pergola, Schotter und Wein

Unsere neue Pergola mit darunter liegendem mediterranen Schotterbeet gefällt uns vom ersten Tag an. Als hätte sie schon immer dort gestanden und, was mir besonders gefällt, als gehöre sie einfach dort hin. Jetzt weiß ich, was mir all die Jahre an der Stelle im Garten gefehlt hat.

Auch wie sich das Schotterband um den sonnenverwöhnten mediterranen Platz fort zieht, hat sich als sehr gut erwiesen. Und ich habe endlich ausreichend ( das ist aber immer relativ in einem Garten) Platz an der richtigen Stelle für all meine Küchenkräuter.

Im ersten Schottergarten (angelegt 2020) am Zaun im Vorgarten war auch mächtig was los. Jetzt ist fast alles verblüht.

Nur das spanische Gänseblümchen gibt weiter alles. Überall liest man, dass es sich sehr leicht selbst versamt, worauf ich noch vergebens warte. Ebenfalls zu lesen ist, dass es nicht sonderlich winterhart ist und nur durch diese Selbstaussaat überlebt. Nun auch das kann ich nicht bestätigen. Gleich der erste Winter brachte nicht nur knackigen Frost mit -20°C sondern auch sehr lange noch im Frühjahr Frost. Beides hat ihm nicht geschadet, dem rosa Blühwunder.

Direkt daneben liegt der Weinberg am Süd-Westhang. Ich nenne die Lage immer scherzhaft “Bucher-Weiherblick” (Buch heißt unser Dorf). Weil der Rasen darunter ohnehin immer unansehnlich verbrannt und im Frühjahr vor dem Verbrennen schlecht mit dem Rasenmäher zu bearbeiten war, wurden wir aktiv. Der Schottergarten daneben hat sich gleich im ersten Jahr als so schön und erfolgreich erwiesen. Also schälte ich den Rasen unter dem Wein einfach ab und füllte mit Schotter auf.

Jetzt können sich die Pflanzen dort auch hin-sähen und ich werde noch ein paar bewusst pflanzen. Stickstoffsammelnden Hornklee und Hauhechel, die in den anderen Beeten schon wachsen.

Aber wie das im Garten leider immer wieder mal so ist, gerade mit anstrengenden Arbeiten, so wurde ich bis heute nicht fertig mit der Anlage des Schotterhanges. Wir müssen noch große Feld-Findlinge aus Sandstein besorgen, um den Hang zu terrassieren, was im nebenstehenden Schottergarten auch der Fall ist. Wir kamen einfach nicht dazu und so liegt der Schotter gerade noch eher Schotter-Horrorgarten-mäßig am Hang. Denn bevor diese Arbeiten nicht erledigt sind, brauche ich auch nichts zu pflanzen, was ich dann beim Schotterschieben wieder kaputt machen würde. Einzig ein Hornklee ist tatsächlich schon aufgegangen und kann bei den Arbeiten verschont werden.

Nächstes Frühjahr aber machen wir uns an die Vollendung dieses Gartenprojektes. Und wie man sieht liegt ein Stein ja schon dort…

Herbst eben

Auch wenn man nicht die ganz großen goldigen Auftritte erleben kann, findet man doch allerorten typische Herbstbilder im Garten. Meine Schattenstauden ziehen sich langsam zurück und bereiten sich auf die ruhigen Monate vor.

Herbst auch im Vorgarten. Das Vogelbad wird auch bei eisigen Temperaturen noch benutzt. Dennoch muss ich es so langsam still legen, damit der Kunststein nicht auffriert. Aber die Gefiederten bleiben weiter zahlreich an dieser Stelle im Garten. Sie werden sogar noch viel mehr und vielfältiger, denn auf dem Vogelbad wird wie jedes Jahr wieder das Futterhäuschen stehen.

Und ja der herbstliche Eindruck hier bleibt unberührt. Das bisschen Laub bleibt liegen, ich werde es weder wegkehren noch mit einem kürzlich gesehen Laub-Piekser einzeln aufgelesen. Wenn nicht mehr herum liegt schadet es dem Blumenrassen darunter nicht. Die Blätter liefern Dünger und, ganz wichtig sind voller Lebewesen, die es abbauen. Viele ganz winzig, wie eine befreundete Biologin in ihrem Blog kürzlich schrieb. Und ich habe noch eine Beobachtung gemacht, die mit bloßem Auge zu sehen ist. Die Amseln durchwühlen so kleine Laubansammlungen immer intensiv. Sicher sammeln sich darunter vermehrt Regenwürmer oder kleine Schnecken. Die fressen die zerfallenden Blätter und machen Dünger daraus. Genau auf diese aber ist ja die hungrige Amsel scharf. Und sie weiß, wo sie die finden kann.

Warum sollte ich also die Vögel durch einen hygienisch sauberen Garten (kein Laub, keine Samenstände verblühter Blumen, keine Läuse und vieles mehr) das ganze Jahr über schon vergraulen, um sie dann, weil ach so süß, im Winter mit teurem Futter an zu locken? Sie würden eh nicht kommen, weil sie nichts im Garten erwarteten. Bei mir sind sie aber immer da und begleiten mich äußerst zahlreich durch das Jahr.

Und in einem lebendigen Boden gibt es nun mal auch Pilze. Auch im Rasen. Pardon, Blumenrasen ist es. Auf diesen Unterschied lege ich großen Wert. Toter, von vielen geliebter Golfrasen und voller Leben steckender Blumenrasen sind ein Unterschied. Und ich habe einen Naturgarten , gewähre den Insekten und Lebewesen auf und unter der Erde Unterschlupf und störe mich nicht am natürlichen Auftreten von Pilzen im Rasen. Dort wo sie wachsen ist der Bewuchs jedenfalls immer deutlich grüner, saftiger und üppiger.

Vorbereitungen zum Winterschlaf

Meine Banane ist im Sommer immer der Hingucker. Eine Herbst-Pflanze ist sie optisch dafür wahrlich nicht. Nachdem der Frost die Blätter zerstört hat, schneide ich sie ab. Die armdicken, wassergefüllten und sehr schweren Stämme mit Blättern landen am Kompost. Ein paar Tage zum Abtrocknen gebe ich der Staude dann noch, bevor sie mit trockenem Haselnusslaub umhüllt, in den Winterschlaf gehen darf.

Das Gestell für ein weiteres, ganz neu konzipiertes und vom Schwager erschaffenes, Winterschlaf-Schutzzelt steht bereit. Ihr werdet bald sehen, was genau das jetzt wieder ist.

Es ist noch ganz schön was zu tun, bevor ich meine Hände in den Schoss legen und den Gärtner an den Nagel hängen darf. Oder besser den Topf auf die Gartentür? Packen wir’s an…

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4 Antworten auf „Der Oktober oder das Finale im Ziergarten“

  1. Hallo Achim,
    Du glaubst gar nicht wie erfreut ich war, als ich einen Kommentar von dir bei Urte gefunden habe…Sofort habe ich Deinen Namen angeklickt und bis tatsächlich auf Deinem Blog gelandet.
    Du wunderst Dich?! Nun ich habe vor Wochen und Monaten ungezählte Male versucht Deinen Blog anzuschauen…Es war nicht möglich…Ich habe mir ernsthafte Gedanken gemacht, aber leider nirgendwo einen Zugang gefunden…Ich hatte es fast aufgegeben, bis ich diesen Kommentar fand – super!
    Weißt Du, woran das lag?
    Jetzt habe ich mit trotz weit vorgerrückter Stunde, oh weh, es ist eigentlich schon früher Morgen…wenistens 2 Deiner Posts angeschaut – wie immer vermitteln sie Super-Eindrücke…Ich hoffe, das wird jetzt wieder so bleiben…
    Alles Liebe und bis bald
    Heidi

    1. Hallo Heidi,
      das freut mich wirklich sehr, dass du dich so freust, hier wieder was zu lesen und gleichzeitig tut es mir wirklich Leid, dir so viel Ungemach bereitet zu haben. Nein keine Bange hier ist alles in bester Ordnung und auch mit deinem Internet ist alles in Ordnung. Du konntest den blog nicht erreichen, da ich ihn vom Netz genommen hatte. Er war definitiv nicht erreichbar. Ja manchmal benötigt man einfach ein Pause, Abstand und muss nachdenken. Ich braucht dringend eine Blog-Pause, wollte auch sehen, ob ich ohne Bloggen auskomme, ob das noch was für mich ist. Und ja, ich brauche es, für mich, egal was andere sagen. Nun habe ich halt das Malheur viele Monate nachtragen zu müssen, aber ich bin schon sehr weit gekommen. Dann geht es wieder ganz normal weiter . Ich freue mich auf das Schreiben und am Schreiben und ganz arg freue ich mich über Kommentare. Schau dich ruhig mal auch tagsüber in einer ruhigen Minute hier um und sieh, was seit Mai alles geschehen ist.
      Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit, Freude am Garten und Bloggen und, ganz wichtig in diesen Zeiten, auch ganz viel Gesundheit.
      Viele Liebe Grüße, der Achim

  2. Hallo Achim,
    genau, ich finde im Laub auch Unmengen winziger Nacktschnecken. Die kann eine Amsel noch gut schlucken, ohne sich den Schnabel nach dem Verzehr stundenlang angewidert von Schneckenschleim befreien zu müssen wie bei den ausgewachsenen Exemplaren.
    Zum Absammeln, um der Schneckenplage nächstes Jahr zuvorzukommen, sind die wirklich zu klein, das muss bitte die Amsel machen.
    VG
    Elke

    1. Und der Igel frisst, wenn dann auch nur diese kleinen und nicht die wirklich bösen, großen Braunen. Und ich verstehe ihn sehr gut. Essen nicht Spitzmäuse auch diese Schnecken? Jedenfalls hat es hier sehr viele Spitzmäuse. Auf alle Fälle findet sich immer ein Abnehmer für das was an Leben kreucht und fleucht. Die ganze Welt im Unsichtbaren (Mikroskopischen) wie Sichtbaren ist auf dieses Prinzip aufgebaut. Und so gibt es auch die, die wiederum die Amsel lecker finden hier im Garten und doch stirbt nichts aus, wenn ICH mich richtig verhalte und nicht mit Giften massiv eingreife.
      Viele liebe Grüße und auf viele weitere mikroskopische Entdeckungen, der Achim

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