Der schwarze Lord und das unheilvolle Virus.

In schwierigen Zeiten schlimme Träume haben, ergreift den schwarzen Lord ganz besonders. Wie ein unheilvolles Virus die Menschheit beinahe ausrottet und warum das Frühstücksbrötchen dann besonders gut geschmeckt hat, erfährt der Leser hier im neuen Bericht über den schwarzen Lord.

2020 das Jahr von bleibenden – schlechten – Erinnerungen

Es herrschen anstrengende Zeiten und 2020 wird mit Sicherheit nicht als das Jahr mit schönen Erinnerungen in eben diesen bleiben.

Es ist ein Jahr, schon jetzt geprägt von Abschied und Sorgen. Sorgen nicht nur um den vom Klimawandel gebeutelten Garten. Nein, Sorgen die tiefer gehen. Betroffen sind lieb gewonnene Aktivitäten und Gewohnheiten, sie können die berufliche Zukunft betreffen oder ganz reale Begleiter durchs Leben. Seien es nun Menschen oder Tiere. Die Endlichkeit in Allem begleitet den Lord in diesem Jahr auf erschreckend aufdringliche Weise.

Nach wieder so einer emotional anstrengenden Woche legte er sich Freitag Abend erschöpft ins Bett. Samstag morgen erwacht er, leider aber nicht erholt, sondern eher aufgewühlt . Ein Traum verhinderte die so ersehnte Erholung.

Ein wuchtiger, erschütternder Traum war es. Ein Traum von einem winzigen Virus das die gesamte Menschheit in ihrer Existenz bedrohte und auf drastische Weise in ihrer Anzahl minimierte.

Ein Virus beherrscht die Menschheit

Plötzlich war es da. Niemand konnte sagen, wo es her kam. Einige redeten von einer Mutation, andere vom Fingerzeig Gottes. Fakt war, es befiehl Getreide, blockte das Wachstum und lies die Pflanzen lange vor einer Ernte zu Staub zerfallen.

Sämtliche Spritzmittel waren machtlos. Auf der ganzen Welt war ein Getreideanbau undenkbar geworden. Die Ernten beliefen sich auf Null!

Im Jahr darauf war das Virus so weit mutiert, dass es neben dem Weizen auch Mais, Reis und Soja befiel. Es hatte eine schier unermessliche Spielwiese hier auf der Welt vorgefunden. Rund um den Globus säten ihm die Bauern einzig und allein seine Lieblingssorte. Die eine, die es eben noch gab und die es befallen konnte. Sie fütterten damit das Monster immer weiter und weiter. So lange jedenfalls, bis alle Saatgutvorräte eben der einen gentechnisch veränderten Sorte aufgebraucht waren.

Weltweit mussten alle Bauern dieses Saatgut kaufen. Anderes, von anderen Lieferanten gab es nicht. Selbst vermehren durften sie es nicht, was bei Todesstrafe verboten war. Andere Sorten, die sie, wie es die Väter taten, selbst hätten weiter vermehren und für die kommende Aussaat beiseite gelegt hätten, gab es nicht mehr. Sie wurden, wegen ihrer Gefahr für die Menschheit verboten, genau wie der der Handel damit oder der bloße Austausch.

Binnen eines Jahres verschwand über die Hälfte der Menschheit. Eine Hungersnot diesen globalen Ausmaßes kannte die Weltgeschichte bis dahin nicht.

Der Ausfall des Kulturgetreides allein reichte dem übel gesinnten Geist, der dieses Drama inszenierte, aber noch nicht. Er will die Menschen quälen, um jeden Preis, sie beuteln und vernichten.

Pollen des gentechnisch veränderten Kunst-Getreides flogen auch in die Natur um die Felder herum. Es kam zur Einkreuzung in Wildgräser. Mit dieser Einkreuzung gelangte auch die Wehrlosigkeit gegenüber genau diesem Virus in die Pflanzen der freien Natur. Auch dort starben große Teile der Gräser. Gräser die als Futter für Rinder, Schafe, Ziegen und Wildtiere dienten.

Die Erinnerung an alte, geheime Schätze – bringt das die Rettung?

Es gab aber Menschen, die erinnerten sich an geheime Saatgutkonserven. Tiefgekühlt und eingelagert, tief unter der Erde.

Sie suchten dort alte Getreidesorten, Meis oder Soja. Wie groß war die Freude, als sie fündig wurden. Diese Freude allerdings war nichts, war kaum der Rede wert. Denn wenige Monate nach diesem Fund kam die richtige Freude. Etliche der angebauten historischen Sorten kamen gesund zur Ernte. Das Virus hatte keine Chance bei ihnen.

Bis diese wenigen Körnchen der neuen Ernte allerdings so weit vermehrt sein werden, dass auf der Erde wieder geerntet werden kann, werden Jahre vergehen. Bis das Getreide sich an die einzelnen Bedingungen der Länder und Regionen in Klima und Boden angepasst haben wird, werden Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende vergehen.

Immerhin, es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und Hoffnung ist in Zeiten der Krise fast so nahrhaft wie Weizen oder Mais. Ein frisches Brötchen aus gesundem Weizen wird zum wertvollsten Produkt, das man sich vorstellen kann.

Was für ein unrealistisches, Angst einflößendes Szenario – gottseidank alles nur ein Traum?

Dieser Teil seines Traumes wir dem Lord gerade besonders bewusst. Der Duft von frisch Gebackenem findet den Weg in seine Nase. Nach dieser bedrückenden Nacht mit so schweren Träumen ist der Lord alles andere als erholt. Er wird heute sein Frühstücksbrötchen aber mit einem ganz andere Bewusstsein und mit allen Sinnen genießen.

Gottseidank, so denkt er sich, war das alles nur ein Traum. Realistisch im Erleben nur für ihn und nur für die Stunden der Nacht. Unrealistisch die Möglichkeit, dass sich ein einziges Virus heutzutage in unserer Welt mit all den Möglichkeiten der Forschung und Technik derart ungebremst vermehren und eine Spur der Verwüstung auf dem Weg rund um die Welt hinterlassen könnte.

Die Ladentür vom Bäckerladen geht auf und nun ist er endlich an der Reihe, den Laden betreten zu dürfen. Lange genug hat er jetzt, verloren in den Gedanken an die vergangen Nacht , draußen im Hof gestanden. Sein Atem lies die Brille über der Schutzmaske beschlagen. Das Atmen selbst fällt schwer mit dem Stoff im Gesicht und wegen dem großen Abstand, den die Menschen zueinander halten, fühlt man sich trotz Menschenschlange irgendwie allein. Man sieht keine Gefühle und Stimmungen mehr im Gesicht der anderen. Gespräche kommen nicht auf. Sonst hätte der Lord vielleicht sogar von seinem surrealen Albtraum und dem Horror-Virus der Nachbarin berichtet.

Schon heute Realität:

  • 5 Agrochemie- und Saatgut-Konzerne kontrollieren 60% des weltweiten Handels mit kommerziellem Saatgut
  • Die Konzerne haben Patente auf ihre gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Gewinnung von Saatgut (und damit auch die Weiterentwicklung und lokale Anpassung des Getreides) ist damit den Bauern unter empfindlichen Strafen verboten. Das kostet viel Geld, während das Zurücklegen des Saatgutes aus eigener Ernte natürlicher und deutlich kostengünstiger wäre.
  • Wer dieses Saatgut verwendet, muss ebenfalls die passenden Pestizide und andere Produkte wie spezielle Dünger kaufen und einsetzen.
  • Die Methoden der Agrokonzerne mit dem dem gentechnisch veränderten Saatgut fördern die industrielle Landwirtschaft mit all ihren schädlichen Einflüssen auf die Umwelt (Bodenverdichtung, Pestizideinsatz, ausgelaugte und tote Böden, Monokulturen riesigen Ausmasses, große Mengen Treibhausgas, Rückgang der Biodiversität in der Natur und auf den Feldern, Platz und Nahrung für Insekten und Wildtiere fehlen).
  • Forschungsgelder fließen in diese Gentechnik und fehlen der herkömmlichen Züchtung mit Augenmerk auf Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, lokaler Anpassung und Ertrag sowie Qualität der erzeugten Lebensmittel für den Menschen (Getreide wurde gezüchtet, um der industriellen Verarbeitung in Großbäckereien zu dienen, die Verträglichkeit des Mehls für den Menschen wurde dabei außer Acht gelassen).

7 Antworten auf „Der schwarze Lord und das unheilvolle Virus.“

  1. Lieber Achim,
    das ist wirklich erschreckend, was da in dieser Agroindustrie oder Agrochemie so vor sich geht. (Agro war übrigens auch ein Wort, das wir als Jugendliche verwendet haben, und es stand für Aggressiv. Meistens benutzten wir es als Aufforderung: „Sei doch nicht so Agro“ oder als Frage „Warum bist Du so Agro?“. Wobei uns die Schreibweise freilich nie interessiert hat, ein g oder zwei g? Wen stört das schon?)
    In dem Film Interstellar dient übrigens eine ganz ähnliche, nicht näher erklärte Katastrophe, als Ausgangspunkt für die Handlung des Films.
    Ich hoffe, es wird niemals so weit kommen.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  2. Hallo Achim,
    irgendwann wird es soweit kommen, wenn immer dieselben Sorten vermehrt werden. Man kann im eigenen Garten sicher viel mit alten Sorten auf Nummer sicher gehen, nur beim Getreide ist die Selbstversorgung schwierig, man denke nur an Mutterkorn. Da muss man sich auf die Biobauern verlassen…
    Viele Grüße
    Elke

    1. Hallo Elke, ja eben, wir im Kleinen machen ja was, um die genetische und abwehrtechnische Vielfalt zu erhalten. Aber wenig wissen, dass eben dieser Tausch der alten Sorten sogar eigentlich gesetzeswidrig ist oder wäre, würden nicht die paar hartesottenen nicht müde werden, das Recht hierauf zu verteidigen. Nicht eu-konform, nicht genehmigt, nicht geprüft und daher für die Menschheit gefährlich sind solche Saaten laut Saatgutfirmen, die ihre als Monopol darbieten wollen. Dann fragen Leute ,warum samenechte Sorten teurer sind, als F1 und andere. Ich habe keinen Vergleich, da ich so was niemals kaufe. Aber wenn es so wäre, dann doch auch nur, um die Leute zu F1 zu bekommen und wenn das dann alle haben, dann gehen die Preise und Bedingungen rauf. Wieder sagen die Leute, wie unwahrscheinlich und was ist Fakt in den armen Ländern und nicht nur dort. Wenn du dieses Gen-Saatgut von den dort schon existierenden Monopolisten kaufst (wenn man überhaupt anderes noch bekommt) muß man deren Dünger und deren Spritzmittel kaufen Und wenn einer von der Ernte wieder was säht ist er dran, die unvorstellbarsten Strafen für diese Menschen sind dann die REalität. Also wie weit ist mein Artikel noch weg von der Realität? Ach ja und das Virus. Es gab schon immer für den Menschen die Grippeviren und nun ist eines mutiert und wir haben Corona. Hätte ich so was vorhergesagt, hätten alle reagiert, wie wenn ich sage, dass F1 und Gen-Saatgut uns in Gefahr bringt. Für Getreide gibt es ebenso bereits jetzt Viren, die es schädigen und die Ernte ruinieren. Wer sagt mir, dass nicht eines mal mutiert? Hätten wir nur an der Widerstandsfähigkeit gearbeitet….

      Ja als Selbstversorger ist man natürlich abhängig von den Bauern, die Getreide anbauen. DAs kann man mangels Fläche nicht und mangels technischer Ausstasttung. Hoffen wir, dass die Biobauern weiter Biosaatgut bekommen und dass endlich mehr an Dingen gezüchtet wird, die uns helfen nicht den Saatgutfirmen. Wusstest du, dass Getreide die letzten Jahrzehnte darauf hin gezüchtet wurde, dass die Backeigenschaften für die Industrie passen (dass die Plätzchen immer exakt gleich groß werden , um in die exakt vorgeformten Kunststoffmulden passen oder für die Industriebäcker, dass die Brote alle gleich werden, aber nie für den Menschen, dass er es (wieder) besser verträgt. Das Gluten ist für den Bäcker gut, aber ja nicht unbedingt für uns Menschen. Warum arbeiten jetzt wieder Bäcker und Bauern oder Bäcker-Bauern, wie ich gesehen habe mit alten Sorten, die verträglicher sind, widerstandsfähiger am Feld? Naja wir können das hier nicht klären. Ich will nur anregen, da aufmerksamer zu werden, selber nach zu denken, auch mal Berichte zu lesen oder an zu sehen und nicht gleich weiter Blättern.

      Bis dann also, bleib gesund und freu dich des Lebens. Liebe Grüße, der Achim

  3. Hallo Achim,
    da bist Du ja wieder, ich hatte mir schon ernsthaft Sorgen gemacht. Schön, von Dir zu lesen, wenn der Text auch düster anmutet. Dein Traum mit dem Saatgut ist leider gar nicht mal so weit hergeholt.
    Momentan leben wir alle in einer komischen Dunstglocke, von der ich eigentlich auch hoffe, aufzuwachen und festzustellen, war alles nur ein böser Traum. Ist leider bittere Realität. In diesen üblen Zeiten gibt mir der Garten viel Halt. Dort sieht alles aus wie immer, sehr tröstlich.
    Wir müssen da alle zusammen irgendwie durch. Bleibt gesund!
    Liebe Grüße
    Karen

    1. Liebe Karen, ja der Garten gibt auch mir immer wieder und doch wieder Kraft. Der Text mag düster anmuten und soll es auch. Viel zu wenig ist uns bewußt, was wir stillschweigend hinnehmen und irgendwann kommt etwas, das niemand ??? vorhersagen konnte und mit dem niemand gerechnet hat. Immer wieder die Stimmen, dass das alles so unrealistisch ist und man lieber bequem weiter macht und die großen Saatgutmonopolisten, die ja nur Gutes versprechen, bedingungslos und ungehemmt weiter machen lässt. Was, wenn das Virus käme und fast all nur noch diese eine Sorte anbauen? Alles so unrealistisch, wie die Idee, dass ein Virus weltweit alles lahm legt, tausende und abertausende, zehntausende, hundertausende Tote verursacht, ohne dass der Mensch auch nur irgendwas dagegen machen könnte? Dass wir nicht mehr raus dürfen, die engsten Verwandten nicht mehr sehen dürfen, selbst wenn sie dabei sterben? Die Wirtschaft darniederliegt, auf der ganzen Welt. So unrealistisch wie diese Idee?????? DArum schrieb ich diesen Beitrag, der mir gerade in den Sinn kam.

      Dir wünsche ich viele schöne Stunden im Garten, liebe Grüße, der Achim

        1. Hallo Wolfgang, ja das Ganze dieses Jahr ist doch mehr als surreal und doch so real. Niemand hätte einem Roman geglaubt, der so was beschreibt. Hirngespinste etc. oder Mahner, die so was vorhergesagt hätten. Panikmache würde es heißen. Und was haben wir jetzt ? Genauso ist es mit dem Traum vom Lord. Wer garantiert uns, dass es so ein Virus nie geben wird? Und wie würde sich so ein Virus freuen, auf der ganzen Welt fast nur noch eine Sorte wieder zu finden? Und wie wenig wichtig ist eine echte, angepasste Vielfalt heute den Menschen? Alles überhaupt keine Gefahr, völlig unmöglich oder ähnlich wird gedacht. Und dabei gibt es jetzt schon Viren, die das Getreide zerstören, so wie es den Grippevirus auch schon vorher gab. Es kommt ja nicht aus dem Nichts, man ist ja eigentlich vorgewarnt. Zudem kreuzen sich wirklich Wildgräser und Getreide. So entstand ja zum Teil das Getreide. Warum sollte sich ein genverändertes Getreide dann nicht auch mit Wildgrad kreuzen. Was gibt es an dieses weiter?

          Nein unrealsistisch war der Traum nicht, daher um so beängstigender für jemand, der nicht abgestumpft ist und mit wachen Augen durchs Leben geht.

          Viele Grüße, der Achim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.