Der schwarze Lord: Von erfüllten Träumen in dieser oder jener Welt

Der Traum vom Landleben wird zum Leben auf dem Land. Die Traumwelt wird zur echten Welt und die echte Welt zur Scheinwelt. Verkehrte Welt!

Von einem, der auszog, seine Träume zu verwirklichen und dabei in einer anderen Welt landete. Oder doch nicht? (mehr vom Schwarzen Lord findet ihr in seiner eigenen Kategorie hier im Blog, seine Vita ist hier „der schwarze Lord stellt sich vor“)

Der kleine Lord und seine Träume

Vor vielen Jahrzehnten war der Lord einmal der kleine Lord. Damals wusste er noch nicht viel vom Leben, hatte aber Träume. Nein, ein Prinz wollte er nie werden, war er doch schließlich schon ein Lord.

Einen Garten wollte er haben und versorgen. Garten war schon immer seine Leidenschaft. Andere Jungs spielten mit Autos oder Bällen. Er spielte mit Torfquelltöpfchen, die der letzte Schrei waren. Und mit Samen von Gurken und Tomaten oder Tagetes aus seinem Lieblings-Samenladen. Und ja, anders als in der komischen Werbung vom Lieblings-Karamell-Laden, gab es Samenläden tatsächlich einmal.

Später wollte er den Garten als Grundbesitz rund um ein kleines, romantisches, altes Landschlösschen. Na gut, eine alte Mühle, die damals wirklich in seiner Nähe zu haben war, hätte es auch getan. Dort könnte man Gemüse und Obst anbauen. Ernten und davon essen. Herrlich leben und mit Freunden im Garten feiern und tafeln.

Es gäbe einen Rosengarten mit herrlich duftenden alten Rosensorten, die er in einem Rosenbuch entdeckte. Springbrunnen und Wasserläufe hätten für Erfrischung gesorgt. Überall Blüten und Farbe und Duft. Staudenbeete wie in England, das er als das Traumland von Gartenmenschen wie er einer war, entdeckte. Schule war langweilig und alles unmöglich, aber Gartenbücher auf Englisch lesen, das war scheinbar gar keine Anstrengung. Stockrosenruten überragen die Menschen mit ihren Blüten, Fingerhüte wippen überall und dienen als Hüte für Elfen. Wicken und Levkojen beduften alles und jeden. Blauer Rittersporn und weiße Margareten zeugen vom Sommer auf dem Land.

Auf langen Tafeln aus groben Brettern trifft man sich im hohen Gras unter den blühenden Obstbäumen. Vasen voller Wiesenblumen schmücken die Tafel mit rustikalem Geschirr. Mit Freunden und der Familie sitzt man unter den Bäumen und lässt sich die vielen Köstlichkeiten schmecken, die es gibt. Er kennt sie aus diversen Landmagazinen, auch auf Englisch. Alles gleicht einem lockeren Picknick im Grünen.

Die Schuhe trägt er aus Leder, die Hose eher Cord als Jeans und die Farben sind nicht Neon, wie es damals modern war, sondern Erd- und Naturtöne.

Dass man mit diesen Träumen und Klamotten eher weniger Freunde hat, war sehr traurig, aber musste in Kauf genommen werden. Und an das Anders-Sein gewöhnt man sich nicht, man muss es sich hart erarbeiten.

Der Lord wird größer und seine Träume werden wahrer

Das Leben ging weiter, die Ausbildung war vorüber und eine kleine Wohnung konnte bezogen werden. Sein erstes Reich war kein Jagdschloss am Land sondern fünfzig schön geschnittene Quadratmeter im zweiten Stock über einer viel befahrenen Straße. Wenigstens blickte man Hinten hinaus über den kleinen Hof mit Lords Pflanzenschätzen in einen sehr großen, von außen nicht einsehbaren Garten. Mitten in der Stadt.

Dieses Reich sollte wenigstens ein wenig die Träume einfangen, weitere ermöglichen und so sein, wie er es wollte. „Anders“ eben, ganz nach dem Lebensmotto vom Lord.

Jedenfalls wurden alle Wände mit Putz überzogen und gestrichen. Tapeten waren fehl am Platz. Den Boden bildeten gewachste Fichtenbrettern. Bodenlange Vorhänge aus naturfarbenem Baumwollstoff hingen neben Holzlamellenjalousien, die ein unvergleichlich angenehmes Licht machten, wenn von Süden die Sonne in die Wohnung brennt.

Die Schränke im Wohnzimmer und der Küche waren selbst gebaut aus Spanplatten und Ytonsteinen, verputzt mit dem üblichen Rauhputz der anderen Wände. Die offenen Regale darüber bestanden aus unbehandelten Brettern und trugen entweder die Büchersammlung im Wohnzimmer oder blau-weißes Porzellan und Dekoartikel in der Küche. Hinter der Spüle spiegelten dieses Muster Delfter-Fliesen wieder.

Der Boden in der Küche war, typisch für Landhäuser, aus terrakottafarbenen Fliesen. Faltrollos aus alten Stoffen entwarf der Lord selbst. Es war ein altes Haus. Aber leider nur einfach und alt, aber nicht richtig alt eben. Die Fenster aus billigen und maroden Holzrahmen ließen sich zum Putzen auseinanderklappen. Diese veraltete Technik von nicht isolierten Fenstern spielte dem Lord und seinen Träumen zu. Dünne Rechteckstäbe zu gittern verleimt und weiß lackiert spannte er zwischen die Scheiben. Schon hat jeder den Eindruck von Sprossenfenstern, wie in eben den erträumten Landimmobilien.

So jedenfalls lebt der Lord nun sein Leben und macht das Beste daraus. Er kommt ein wenig herum und landet wieder in seinem Landsitz im zweiten Stock. Ein Hund gesellt sich zu ihm. Das passt zum Landadel und schließlich hatten sie in der Familie schon immer Hunde.

Auf den Spaziergängen sammelt er Wildkräuter und Wildobst und verarbeitet es zu Hause. Holunderblütengelee, Holundersirup, Holunderbeerensaft. Die berüchtigte Friedhofsmarmelade aus Fichtentrieben und im Herbst Himbeeren werden gesammelt, Fallobst aufgelesen und so fort. Verarbeitet wird in der Küche mit Sprossenfenstern, Terrakottafliesen und dem Blick auf den großen, fremden Garten. In Gedanken versunken steht er in seiner Landküche und brodelt die köstlichsten Vorräte aus der Ernte seiner Ländereien.

Irgendwann kommt ein Stück mittlerweile verwildertes Feld, etliche Kilometer ausserhalb der Stadt, unter seine Fittiche. Jetzt hat er eigene Himbeeren, Johannisbeeren, Maulbeeren, Fichten, Holunder oder Äpfel und Birnen. Ja sogar goldene Quitten im Überfluss hängen jedes Jahr an den Bäumen. Etwas Wiese wird zu Gemüsefläche und Grünkohl oder Kartoffeln wachsen prächtig. Genau wie die eigenen Vorräte. Sie lagern im alten Schrank im Treppenhaus, hinter dessen Glasscheiben ein grün-karierter Baumwollstoff wieder alles ländlicher erscheinen lässt.

Die Jahre ziehen ins Land. Längst musste der Lord nicht mehr allein durchs Leben gehen. Ein Partner ward gefunden und die Liebe zog ein. Nun gab es nicht nur einen sondern zwei Hunde . Beide mussten für ihren Lebensunterhalt sorge. Sie waren eben in diesem Leben keine Landlords mit uraltem Familienvermögen. Man sah sich an den Wochenenden und unter der Woche nur kurz. Man richtete sich ein und genoss das Leben.

Wenn eine Chance, das Ende bedeutet

Das ging gut bis zu dem Zeitpunkt an dem alles anders wurde. Ein Ereignis änderte grundlegend das bisherige Leben.

Gleichzeitig bildete es den Grundstein für das fast vollständige Verwirklichen der Träume unseres Lords.

Dieses einschneidende Ereignis war ein Ereignis geschäftlicher Natur, eine Chance, wie man sie nicht öfter im Leben bekommt. Diese Chance bedeutete auch ein Ende seines Landsitzes im zweiten Stock, des Feldes mit Obst und Gemüse, seiner eigenen Geschäfte und Vereinstätigkeiten. Der Lord gab dafür all das auf, was er bisher geschaffen hatte, um das zu behalten, was auf seinem Wunschdossier ganz weit oben stand und ohne das alles andere auf der Liste nur noch Beiwerk gewesen wäre. Und ja, klar die beiden Hunde wurden natürlich auch nicht aufgegeben, auch wenn von denen gerade eben nicht die Rede war. Gemeint war die Liebe und der Partner.

und eine zweite Chance alle Träume verwirklicht

So zog man gemeinsam los, war jetzt rund um die Uhr und 7 Tage die Woche beisammen, baute sich etwas auf und verlies das Gewohnte und Vertraute. Es wurden anstrengende Zeiten, arbeitsreiche Zeiten, bis an die Grenzen belastende Zeiten. Heimat, Familie, Freunde und „das Land“ waren selten gesehene Zeitgenossen. Und wieder geschah etwas, das man nicht noch einmal angeboten bekommt vom Schicksal. Beide kamen an das kleine Häuschen mit riesigem Garten in einem Dörfchen am Land, dem Geburtsort vom Partner vom Lord. In der neuen Heimat, der geschäftlichen Heimat, hätten sie sich nicht einmal eine Wohnung oder nur ein Zimmer leisten können. Und jetzt das. Der Ort war perfekt, das Haus auch, die Zeit eher nicht. Denn genau die fehlte in aller höchstem Masse für alles, was dort nun möglich gewesen wäre.

Der Wille jedoch war da und so wurde die wenige Zeit voll gestopft mit den notwendigen Aktivitäten zur Renovierung und Belebung des neuen „Landsitzes“

Und was nicht alles in Haus und Garten gemacht wurde. Ein Paradies, wie es oft genannt wird, ist entstanden. Ein Traum. Sein Traum? Die Rosen gibt es mittlerweile und sie duften. Es gibt Springbrunnen im Garten, Buchshecken und Obstbäume. Margeriten blühen in der Wiese. Überhaupt blüht es überall im Garten und das während mindestens elf Monaten im Jahr. Die Vögel singen munter von früh bis spät. Sie planschen in allen Wannen und Brunnen und ziehen, weil es so schön ist hier, auch ihre Jungen im Garten groß. Überall auf und unter der Erde, den Hecken und Bäumen ist Leben und Weben, ist Brummen und Summen. Ist Wachsen und Vergehen. Jede Jahreszeit riecht anders, die Luft im Frühjahr ist eine andere wie zu Weihnachten. Das Licht im Sommer ist fundamental anders als im Herbst. Jede Zeit hat ihre Höhepunkte, ihre guten und weniger schönen Anteile. Es tobt das schiere Leben beim Lord.

Keine Zeit für die Träume?

Meist aber ohne den Lord, der entweder gerade nicht da ist oder mit dem Gesicht nach unten in den Beeten werkelt, weil die Arbeit schnell erledigt werden muss. Oder er steht schwitzend in der Küche und verarbeitet die Ernte, bevor es wieder fort geht. Von der Küche aus blickt er nun über seinen eigenen Garten. Zwar ohne Sprossenfenster, aber dafür sind die jetzt dicht und kein Luftzug bläst mehr die Kerzen davor aus. Die Ernte von Kulturpflanzen – Wildpflanzen sammelt er jetzt eher weniger – fällt reichlich aus und will verarbeitet werden. Das tägliche Essen wird stets frisch zubereitet. Daheim und in der „geschäftlichen Welt“ mit eigenen Vorräten und Ernteprodukten aus dem Reisegepäck. Handwerklich und ohne Convenience-Tütchen wird gekocht. Das echte Leben wird genossen. Oder besser sollte genossen werden! Doch, ja ihr ahnt es, die Zeit fehlt. Man ist schließlich nicht jeden Tag zu Hause. Die Geschäfte rufen. Die Wochenenden beginnen spät am Freitag in der Nacht und enden früh am Sonntag zum Nachmittag.

Streß durch verwirklichte Träume

Frust kommt auf. Der Stress, alles gut und richtig machen zu wollen, es aber aus Zeitgründen nicht zu können, nimmt immer mehr zu. Die Arbeit in und mit seinen „Landsitz“ hoch über dem Dorf und seinen Bewohnern, mit Blick auf den großen See, ist immens aber eigentlich das, was der Lord sich immer erträumt hatte. Fern ab davon in der Ferne erlebt er das alles wenigstens nochmal, wenn er seine Beiträge für den Blog schreibt.

Der Lord hat vor vielen Jahren einmal zu Papier gebracht, was seine Träume sind und was er sich wünscht. Nein auf diesem noch immer vorhandenen Schrieb steht nicht: ein Landhaus, Gütereien und alles was dazu gehört. Auf dem Zettel stehen eher Dinge wie ein großer Garten direkt beim Haus, so dass man immer und jederzeit in jeder freien Minute gärtnern kann. Darauf liest man vom Kochen und Backen. Es steht das Land als Wohnort darauf und der Wunsch nach seiner großen Liebe. Derlei allgemeine und doch sehr konkrete Wünsche.

Der Ziele- und Wunschzettel der Glück und Zufriedenheit versprach, wird hervor gekramt und abgehakt. Fast überall, hinter jedem Wunsch kann ein Haken gemacht werden. Beinahe alles was sich der Lord erträumt hat ist erreicht und das mit einer erschreckenden Präzision.

Da muss er sich erst einmal setzen. Das hätte er nicht für möglich gehalten. Damals vor einigen Jahrzehnten. Beinahe heimlich und so nebenbei hat sich eines ums andere gefügt und verwirklicht. Er hatte sein Landleben in vollem Umfang, und so real.

Warum aber stellt sich dann das damit verbundene und erwartete Glücksgefühl nicht ein?

Träume brauchen Wahrnehmung und Zeit

Der Lord konnte das ja damals nicht ahnen, aber vielleicht hätte es einen kleinen Zusatz unter seiner Wunschliste gebraucht. Etwas wie: „und das alles würde ich gern voll und ganz leben dürfen“. Quasi als Gegensatz zum jetzigen Teilzeit-Erleben seiner Träume.

Man muss sich auch die Zeit dazu wünschen, die verwirklichten Träume zu genießen, wahr nehmen zu dürfen und in ihnen zu leben!

Das Leben wahrnehmen bringt Ruhe und Kraft

Das Wahrnehmen kann er, der Lord. Das hat er in seinem Garten gelernt. Es war nicht geplant oder gewünscht, sondern hat sich entwickelt. Wer in und für seinen Garten oder ein anderes Stück Land arbeitet und lebt, der spürt ihn irgendwann, den Rhythmus des Lebens und der Natur. Wir alle sind Natur! Wir sind ein Teil ihres Wachsens, Blühens und Vergehens. Glücklich sind all diejenigen, die das von innen heraus spüren dürfen und erkennen, welche Wohltat das ist. Das beruhigende Gefühl , sich dem Großen und Ganzen hingeben zu dürfen. Nicht gegen etwas an zu rennen, sondern mit etwas dahin zu gleiten. Eintauchen in das Leben mit all seinen Farben und Gerüchen und Sinneseindrücken. Wie die Spatzen im Sommer im Vogelbad einfach annehmen und geneßen, was da ist. Gleichzeitig Akzeptieren auch von Tod und Krankheit und eben der Endlichkeit unserer Episode mit dieser Natur. Der Endlichkeit von Episoden in unserem Leben. Manchmal herbeigesehnt und ein anderes Mal bis zum letzten Moment erlebt und ausgekostet.

Genau das fühlen und erleben zu dürfen, stand nicht auf der Wunschliste vom Lord. Das hat er vom Schicksal einfach so dazu geschenkt bekommen. Weil er sich eingelassen hat auf dieses.

Das Bewußtsein um all das gibt so viel innere Ruhe und Gewissheit, Kraft und Ausdauer wie sie kein teurer Kurs, Onlineratgeber, gemieteter Coach oder Speaker einem vermitteln können. Das muss man erleben. Und nur diese Kraft ermöglichte es bislang und ermöglicht es weiter, dass der Lord den Spagat schafft. Die Kluft überwindet von der Geschäftswelt in der Ferne, der echten Welt und seiner Traumwelt zu Hause. Die Verbundenheit mit der Natur, dem Garten und den Rhythmen machen es möglich. Das gelingt aber nicht jedem.

Wer vom Landleben träumt muss auch am Land leben

Wie der Lord seinerzeit träumen auch heute wieder viele Menschen vom Leben am Land. Wo es weniger hektisch sein soll als in der Stadt und gesünder. Sie träumen und lesen davon. Sie erzählen sich gegenseitig in den Kaffees der Stadt davon. Mittags in der Eisdiele während der Mittagspause. Sie schwärmen, wie sie im Garten säßen und über Felder spazieren würden. Die Landluft tief einatmend und die Ruhe aufsaugend.

Hier und da verwirklicht dann der eine oder andere diese Träume. Es wird ein Haus auf dem Land gekauft. Geld ist vom gut bezahlten Job in der Stadt vorhanden. Die Koffer sind rasch gepackt und die Familie sitzt plötzlich am Land in ihrem neuen Haus. Der Job bringt echt gutrn Verdienst und muss beibehalten werden. Dazu fährt man dann oft täglich mehrere Stunden in die Stadt und zurück oder übernachtet in der Ferne. So wie der Lord das ja auch tat. Aber eines tun diese Menschen nicht. Sie träumen vom Land, haben aber Angst vor dem Leben und der Natur. Von Gerüchen, Geschmäckern und vor Dreck. Sie arbeiten nicht auf einem Stück Land. Sie lieben Land nur in den Magazinen und ihrer Phantasie. Sie kennen als Freizeitbeschäftigung nur Eisdiele oder kulturelle Veranstaltungen oder Shoppen. Dazu fährt man aber lange, sehr lange in die Stadt. Sie träumen vom Landleben , wollen aber nicht am Land LEBEN. Nicht am, nicht mit und nicht im Land und den Menschen dort. Frustriert und entsetzlich enttäuscht flüchten sie wieder in die Geborgenheit ihrer Stadt. Sie erzählen jedem, wie fürchterlich ein Leben mit der Natur ist und sind froh, wieder im richtigen Leben zu sein.

Menschen, die so empfinden, wie der Lord, die auf dem Land leben, flüchten dagegen nach jedem Aufenthalt in der richtigen Welt oder in der Stadt sofort wieder aufs Land, in ihre Welt. Eine Traumwelt weil traumhaft schön?

Vom Wahrnehmen können und Zeit für seine Träume haben, war gerade die Rede. Die Wahrnehmung passt, bleibt noch die Angelegenheit mit der Zeit. Ohne die schmerzt die Wahrnehmung nur noch mehr und alle Träume sind, real oder nicht, weiter nur Träume. Der Lord wird sich aus diesem Grund mehr und mehr aus dem Geschäftsleben zurück ziehen. Die Aufgaben werden anders verteilt und gebündelt. Und, sie werden nach Vorlieben sortiert. So macht der eine lieber die Ländereien und Vorratshaltung während der andere ohnehin lieber den geschäftlichen Belangen nach geht. Wenn man weiß, was die eigenen Träume und Ziele sind und diese kommuniziert und verfolgt, kommen Lösungen, an die man vielleicht gar nicht gedacht hatte.

Der Lord in der falschen Welt

Aber noch immer passt irgend etwas nicht mit den wahrgewordenen Träumen vom Lord. Es kommt ihm jedenfalls so vor, als wäre seine Welt eine Welt im Traum. Ein Zufluchtsort. Ein Ort zum Aufatmen und zur Ruhe kommen. Und doch ein für so viele so fremder, anderer Ort. Ein Ort der verängstigt, weil er voller Leben ist. Erfüllt von Naturgesetzen und der Realität. Hier lebt man mit der Natur und rettet sie nicht vom Sofa aus durch Klicks in sozialen Medien. Hier wird gehandelt und nicht nur diskutiert.

Der Lord hatte immer mehr das Gefühl, seine Träume zwar verwirklicht zu haben, aber dabei in eine andere Welt gerutscht zu sein. In eine Traumwelt. Wie bekommt er nun diese, seine Welt, wieder in die Richtige? Er will sie doch teilen mit anderen Menschen. Den Genuss vermitteln, die Freude, die mit der Natürlichkeit zusammen hängt und die besondere Art der Leichtigeit dieses Seins. Was ihm aber als äußerst schwierig, ja sogar unmöglich vor kommt. Irgendwie will das alles nicht passen, sich nicht fügen. Die Menschen in der richtigen Welt verstehen ihn nicht. Sie und diese andere Welt spreizen und verweigern sich. Das Unternehmen drohte zu scheitern. Die Welt vom Lord treibt sogar weiter und weiter ab von der richtigen Welt, genau wie Avalon einst in die Nebel verschwand und doch existierte.

Aber dann sah er noch einmal genauer hin und plötzlich entdeckte er den Fehler in seinen Gedanken. Auf einmal wurde es ihm klar. Gleich fügte sich alles und fühlt sich richtiger an.

So viele Welten und nur eine ist wahr

Nicht er lebt in der anderen, der Traumwelt. Nicht seine Welt muss wieder in die echte Welt und zu den andern Leuten transformiert werden. Vielmehr ist es es so, dass seine Welt das reale Leben ist, die unerbittliche Wirklichkeit. Es ist eher die andere Welt, die sich fort bewegt hat und weiter bewegt. Weg vom Leben und der Natur, weg von der Realität. Die andere Welt, in die er mit immer größerem Unbehagen wechselt, ist nicht die von ihm vermeintlich so bezeichnetet echte Welt. Nein sie ist in einer Blase, schottet sich ab vom Leben. Die andere Welt basiert so viel auf Schein und Trug. Nicht auf dem Echten und Tatsächlichen und Wirklichen. Er sieht es in den Menschen, ihren Ansichten und Äusserungen, in den Medien, auch in den sozialen Medien zu Garten und Natur und Leben. Da ist so viel so weit weg von der Natur und vom Leben.

Jetzt sieht er es immer deutlicher. Wer also auch das Leben spüren will, die Zufriedenheit und Dankbarkeit erfahren möchte, wer die „Ruhe des Lebens am Land“ atmen möchte, der muss sich lösen von Trug und Schein und Künstlichem. Das Land ist die Natur, ist die Realität oder das Leben oder die Wirklichkeit nach der sich also die Leute wirklich sehnen. Unbewusst und von ihnen nicht artikulierbar. Und der Lord ist das Sprachrohr, der Vermittler.

Sie müssen den Schritt wagen, den Schritt auf den Lord zu und das Leben annehmen, sich nicht ängstigen lassen davon. Und Angst ist leider heute ein sehr prägendes Moment in den Köpfen der Menschen. Nicht die Angst vor einem Virus aber vielmehr die gerade in der Welt des Internets so fleißig geschürte Angst vor allem Natürlichen. Man fürchtet sich vor dem Ursprünglichen und Natürlichen, ja dem Lebendigen im Leben, in der Natur oder nur im eigenen Garten und am Mittagstisch. Dabei sind wir ein Teil der Natur und unterliegen ihren Gesetzmäßigkeiten. Keine Blase und virtuelle Welt kann uns davor beschützen! Nichts von Menschen Gemachtes rettet uns vor den Naturgesetzen. Die heißen auch nicht umsonst „Gesetze“!

Jetzt weiß der Lord, was zu tun ist. Er möchte Menschen zu sich in seine echte und ursprüngliche Welt einladen. Real oder virtuell hier im Blog, beides ist möglich. Sie ihnen näher bringen, damit auch sie das Positive, Stärkende und Beruhigende darin erleben können. Die Ruhe und Kraft fühlen und das Unechte in der anderen Welt sehen lernen.

Der einzige noch offene Wunsch auf Lords Liste

Ein Traum von der Liste unseres Lords ist noch nicht abgehakt. Das ist der Wunsch, der wirklich auf der Liste steht, mit anderen Menschen, Freunden, das alles zu genießen, sich zu erfreuen und „das Landleben“ zu leben. In seiner, der echten Welt, unter seinen Obstbäumen in der Wiese zu sitzen. Erfrischende Getränke und labende Speisen stärken zu schier unendlichen Gesprächen über Wünsche, Pläne, Taten oder Träumereien und die Nachbarn. Oder ganz allgemein über das Leben in der echten und der anderen Welt. Wer möchte da gern dabei sein?

8 Antworten auf „Der schwarze Lord: Von erfüllten Träumen in dieser oder jener Welt“

  1. Moin Achim,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag! Dein Lord ist mir richtig ans Herz gewachsen.
    Wirst Du, werden wir es schaffen, dass wieder mehr Menschen im Einklang mit der Natur leben? Ich bin da eher pessimistisch. Aber auch wenn wir nicht die Welt retten können – jeder Schritt zählt. Und ich bin sehr glücklich, dass ich zumindest meine Kinder auf den richtigen Weg geführt habe: Sie sind auch begeisterte Gärtner.
    Viele Grüße
    Gerd

    1. Hallo Gerd,
      das freut mich ungemein, wenn dir mein Text gefallen hat. Ist ja immer so ein Ding mit solchen Beiträgen,nicht wirklich Mainstream sind…

      Oh ja ich bin da wirklich leider auch sehr skeptisch, dass wir mehr Einklang mit der Natur finden werden. Zumindest, wenn man sieht, was auf FB in Gartengruppen an Diskussion ist. Jeder Funke an Interesse von Menschen,die sich dem Thema Garten nähern wollen, wird sofort aufs Agressivste von den super intolleranten Extremisten (ein Garten ist nur gut, wenn er von Brombeeren und Giersch überwuchert ist) todlamentiert. Die haben keinerlei Ahnung und Null Verständnis für Natur und Zusammenhängen und dem realen Leben, treten aber derart unverschämt auf, dass die wenigen Vernünftigen (mich eingeschlossen) nichts mehr dazu sagen, weil es sinnlos ist. Ich hoffe nur, dass ein paar Menschen, die sich einfach auch mal neugierig für Garten und Leben und Selbstversorger interessieren auf meinem Blog landen und sich dort ein realistisches Bild von der Sache machen können.
      Ich finde es schön, wenn du das Gärtnern weiter geben konntest. Jeder der da mit Herblut dabei ist , ist ein kleiner Beitrag für das Große Ganze. Für unsere Zukunft und wieder mehr Bewußt sein für das Leben und unsere Herkunft ( biologisch gesehen).

      Also dann auf ein gesundes, freudiges und realistisches 2021. Viele Grüße der Achim
      PS, soll dich auch recht schön vom Lord grüßen 😉

  2. Hallo Achim,
    ich habe Deine Schilderung sehr genossen und darin Stellen gefunden, über die wir uns schon mal ausgetauscht haben 🙂
    Wunderbar geschrieben, Daumen hoch!
    Ich bin gerne dabei, wenn wir tatsächlich mal wieder in Franken sind und der Lord sein Landparadies für Gäste öffnet 🙂
    Liebe Grüße vom Dorf
    Karen

    1. Hallo Karen,
      ja dem Lord sein Garten ist für interessierte und vor allem liebe Gäste immer geöffnet.Nur nach Voranmeldung natürlich. Du weißt ja warum. Aber wahrscheinlich ist dann noch mehr Lockdown und ich darf euch gar nicht empfangen. MannMannMann, wo das alles noch hinführt. Und was bin ich froh um den Garten, nicht so eingesperrt zu sein, mein Reich zu haben. Und alles wird besser und alles wird gut. Liebe Grüße und bleibt gesund, der Lord

  3. Hallo Achim,
    da würde ich auf jeden Fall gerne dabei sein, nur ist da immer dieses eine komplette Bundesland zwischen, das vollständig von Norden nach Süden durchquert werden muss. Und noch von zwei anderen Bundesländern ein bisschen. Aber irgendwann darf man auch wieder verreisen und dann wird das auch mal wieder was. Würde mich freuen!
    Viele Grüße aus der Stadtwelt
    Elke

    1. Hallo Elke, ja immer diese Entfernung, finde ich auch blöd. Aber ich , wir, genießen die Stunden, wenn wir uns sehen und die angeregte Unterhaltung und den Austausch. Ihr seid jederzeit wieder willkommen, wenn Corona vorbei ist ?!?!? und ihr mal den Campingplatz bei uns in der Nähe testet. Aber Achtung, dann am besten ausserhalb der Ferienzeit…..

      Liebe Grüße, der Achim

  4. Hallo Achim, wunderbar geschrieben, ich habe dich in der Story wieder etwas näher kennengelernt.
    Aber das mit dem Lord, warum du dich als Lord bezeichnest habe ich immer noch nicht verstanden.
    Leider fehlt uns immer die Zeit, wenn wir bei euch sind, dass wir uns länger mit dir und eurem Paradies beschäftigen.
    Es liegt aber auch nicht nur an uns,
    auch deine Zeit fehlt dir dann, um weiter in deinem Garten zu werkeln.
    Vielleicht ergibt es sich einmal, dass wir beide genügend Zeit haben.
    Bis bald hoffentlich ohne Corona.

    1. Hallo ihr beiden, danke für den Kommentar, hat mich sehr gefreut. Mit dem Lord… naja, vielleicht ist es ja der Lord und nicht ich? Wer weiß das schon so genau?

      Bleibt gesund und genießt eine ruhige Adventszeit. Liebe Grüße Achim

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