Eine Hand voll Mulch im Beet ist nicht wie eine Hand voll Kunstdünger an den Pflanzen.

Ein Mulch-Garten ist wie eine Lebensphilosophie. Man kann es nicht in zwei Sätzen erklären. Mulchen im Garten ist umfassend, komplex und doch so einfach. Aber: eine Hand voll Gras zu den Kartoffeln ist nicht wie eine Hand voll Blaukorn auf der Erde!

Mulchen ist Philosophie und ganzheitlich

Mulchen im Garten. Ich bin damit groß geworden. Die Idee und Erfahrungen von Pionieren und eingefleischten Fans sind weder neu noch einmal schnell niedergeschriebenes Halbwissen, weil Mulchen vielleicht gerade zeitgemäß ist. Dürren und Hitze im Sommer sei Dank, der Mulch-Garten kommt wieder ins Gespräch.

Und eigentlich ist es auch keine spezielle, von Menschen erdachte Technik im Gartenbau. Nein, es ist einfach nur der Natur abgeschaut, die auch nirgends freien Boden, unbedeckt und unbewachsen, duldet.

Den Begriff des Mulch-Gartens, also Mulch im ganzen Garten nicht nur bei ein paar Reihen Gemüse, habe ich ganz bewusst gerade im Einklang mit der Philosophie des Gärtnerns benutzt.

Wann wird Mulch zur Enttäuschung?

Wer sich noch nicht eingängig mit dem Sinn, der Wirkung und der Anwendung von Mulch befasst hat, kommt leicht auf die Idee, eben statt der Hand voll Blaukorn oder einem andere Kunstdünger einfach doch einmal eine Hand voll Rasenschnitt aufs Beet zu werfen. Das Mulch-Zeugs soll ja so toll sein und man muss weniger gießen damit.

Leider aber werden diese Menschen in ihrer tiefsitzenden Skepsis gegen das Mulchen durch diesen wenig ambitionierten Mulch-Versuch bestätigt werden. „Alles nur Humbug, es hat sogar noch Schnecken angelockt“, werden sie sagen. Und „mach das blos nicht, bringt eh nichts. “ werden die Schlussworte sein.

Warum die Hand-voll nichts bringen kann, versteht man erst, wenn man den Sinn und die Wirkung des Mulchens erfasst hat. Vielleicht kann mein Beitrag heute dazu beitragen.

Was passiert denn im Boden beim Mulchen?

Gemulcht wird mit organischem, also pflanzlichen Material. Das kann der Rasenschnitt sein oder Brennnesseln, Beinwellblätter bis hin zu Ernterückständen und vieles mehr. Allem gemein ist, es waren einmal (Teile von) Pflanzen. Liegen die nun am Boden, so zersetzen die unfassbar vielen und vielfältigen Organismen auf dem Boden und in den obersten Bodenschichten die Pflanzenteile. So wie wir den Salat essen, essen diese die als Mulch zurück gelassenen äußeren Blätter des Salatkopfes. Dabei wird der Salat wieder in das zerlegt, aus was er bestand. Stickstoff (bei uns Eiweiß), Phosphor, Kalium, Mineralien und Enzyme. Wir machen des Gleiche, wenn wir etwas essen. Die Lebewesen bauen eigene Körpersubstanz davon auf, ernähren sich davon, leben davon und scheiden Endprodukte wieder aus. Auch sterben sie irgendwann und ihre Körper wieder werden von den anderen Organismen, oft alles im mikroskopischen Bereich, zersetzt, zerlegt und umgearbeitet. Auch sie dienen wieder als Nahrung.

Nun wird vielen bekannt sein, dass ein edles Pferd zum Beispiel Gras frisst, sich davon ernährt und seine Leistung generiert. Hinten beim Pferd kommt Mist raus, der hervorragender Dünger für die Pflanzen ist. Das weiß der Gärtner seit hunderten von Jahren. Genau das Gleiche gilt für den „Mist“, der aus dem Regenwurm heraus kommt. Alle Stoffwechselprodukte, allgemein gesagt von Lebewesen, wie eben auch, von Bakterien, Amöben, Algen, Hefen, Pilzen und und und sind wieder Nahrung für andere Lebewesen im Tier oder Pflanzenreich. All diese Organismen leben im Boden, ernähren sich vom Mulch und ernähren damit die Pflanzen.

Im Biogarten nährt man die Bodenlebewesen und nicht die Pflanzen.

Organischer Dünger, Biodünger eben, nährt die Bodenlebewesen und die dann die Pflanzen. Blaukorn und alle mineralischen oder Kunstdünger, nährt die Lebewesen nicht, sondern nur die Pflanzen. Diese aber so, wie die armen Gänse die für Stopfleber zwangsgemästet werden. Man bekommt aufgedunsene schwächliche und anfällige Gemüsepflanzen. Schmeißt große Mengen Blaukorn auf die Beete, verbrennen dabei sogar die Pflanzen.

Beim Mulch hat man nie eine Überdüngung. Der dabei entstandene Dünger wird nicht, wie beim Kunstdünger vom Regen ins Grundwasser gespült. Er ist zu keiner Zeit in der super leicht löslichen Form in größeren Mengen im Boden vorhanden.

Auf der Speisekarte: die Pflanzen bestellen bei den Bodenlebewesen, was sie essen wollen.

Viel mehr kommt ein weiterer sehr interessanter und kaum erforschter Umstand hinzu. Die Pflanzen kommunizieren mit den Bodenlebewesen. Sie „sagen“ ihnen, was sie gerade benötigen an Nährstoffen und Vitalstoffen oder Mineralien. Die Bodenlebewesen beschaffen es, geben es frei für die Pflanze. Diese revanchiert sich bei den Lebewesen durch die Abgabe von Glukose, die die Lebewesen im Boden selbst nicht erzeugen können. So werden dutzendweise Stoffe ganz gezielt und je nach Bedarf ausgetauscht. Über die Wurzeln und auch über Pilze im Boden kommunizieren auch Pflanzen untereinander, warnen sich vor Schädlingen oder tauschen Nährstoffe aus. Bei Bäumen wurde das schon beobachtet mit den eigenen Sämlingen, die mit versorgt werden.

In so einem gut genährten und reichhaltig bevölkerten Boden bekommen die Pflanzen alles, was sie benötigen um wachsen zu könne, Früchte zu tragen und gesund zu bleiben. Sie können sich gegen Schädlinge zur Wehr setzen. Alles was sie brauchen haben sie unterirdisch im Chemibaukasten vorrätig. Sie sind stark und stabil. Schädlinge haben wenig Angriffsmöglichkeiten.

Diese kleine Einblick finde ich, kann ansatzweise zeigen, warum eine Hand voll Mulch, die wie eine Hand voll Dünger mal schnell zu den Pflanzen geworfen wird, nicht die von den Mulch-Fans, wie mir, angepriesene Wirkung haben kann. Der Boden ist einfach nicht darauf vorbereitet, es fehlt an Organismen, die den Mulch ordentlich verarbeiten können. Auch die Pflanzen, die sonst nur Kunstdünger bekamen, sind gar nicht in der Lage, gleich auf Naturdünger um zu steigen. Sie sind auch, wie dargestellt von innen schwach und ein Leckerbissen für Schnecken. Die werden durch solche Pflanzen ohnehin angelockt und jetzt auch noch zusätzlich durch den herrlichen Geruch des abgeschnittenen Grases darunter. Ein herrlich gedeckter Tisch, wenn nicht konsequent und wissend gemulcht wird.

Was der Mulch mir in meinem Garten nützt:

Anhand ein paar Bildern aus meinem Mulch-Garten will ich noch weitere Wirkungen der permanenten, geschlossenen Mulchdecke erläutern.

In meinem kleinen Grundstück am Dorfweiher verwende ich den Mulch ganz bewusst zur Unkrautunterdrückung. Jahrzehnte hat das Stückchen Land niemand bewirtschaftet. Es wuchs Wiese darauf, die in paar Mal im Jahr gemäht wurde. Ich habe es umgeackert und dann kam das Unkraut. Es erschien in nicht vorstellbaren Massen. Gut, dass ich dort hauptsächlich Kartoffeln, Zucchini, Kürbis oder Buschbohnen anbaute. Die kamen über das Unkraut hinüber. Zartere Gemüse wären schlicht untergegangen. Zuerst mulchte ich mit Stroh und dieses Jahr, weil durch hin und wieder fallenden Regen genügend vorhanden ist, nehme ich den eigenen Rasenschnitt. Stroh musste dagegen extern besorgt werden.

Ich habe die ganze Fläche dick mit Rasenschnitt bedeckt. Bald darauf lag es, zu Heu getrocknet und lückenhaft auf der Erde. Also gleich wieder Rasenschnitt darauf. Das Wetter war heiß und trocken. Nachbargärten mit bloßer Erde sahen schlimm aus: staubige Erde, rissige Erde, Trockenheit. Ich steckte meine Kartoffeln, in dem ich ein wenig Mulch beiseite schob. Mit der Handschaufel hob ich ein Loch aus, setzte die vorgekeimte Kartoffel hinein und füllte wieder auf. Gleich deckte ich die Stelle wieder mit Mulch ab. Bei mir war der Boden nicht trocken sonder leicht feucht, obwohl schon länger wieder kein Regen gefallen war.

Rasenschnitt-Mulch gegen Schnecken?

Der Rasenschnitt als Mulch trocknet im Sommer meist rasch zu einer Lage Heu. Abgesehen vom herrlich sommerlichen Heu-Duft hat das auch eine ganz praktische Wirkung. Schleimt sich eine Schnecke auf dem Weg zum Salat über all die kurzen Heu-Halme, so bleiben diese überall von oben bis unten und von vorne bis hinten an ihrem schleimigen Körper kleben. Das gefällt ihr so gar nicht und der Appetit auf Salat ist plötzlich nicht mehr so groß. So habe ich es gelesen, es klingt einleuchtend. Und was soll ich sagen. Ich jedenfalls habe keine ernst zu nehmenden Probleme mit Schnecken mehr im Gemüsegarten. Das jedenfalls steht fest. Ob es das Heu am Schleim-Körper ist oder der Umstand , dass ein humoser und von vielen Regenwürmern besiedelter Boden wenig von Schnecken besiedelt ist, weiß ich nicht. Beides allerdings ist nur durch den Mulch möglich, also sehe ich im Mulch kein Schnecken-Lockmittel sondern eine Schneckenabwehr.

Die Kartoffeln wuchsen rasch durch den Mulch hindurch. Kartoffeln mögen einen feuchten und frischen Boden. Also nicht heißt und nicht trocken. Würde ich sie anhäufeln und nicht mulchen, hätte ich zusätzlich für Dürre gesorgt und sie lägen unbequem in heißem Boden . Ich häufle seit Jahren nicht mehr an und ernte herrliche Kartoffeln, die uns dann wieder bis weit ins folgende Jahr ernähren.

Wieder ein Blick in Nachbargärten zeigt sehr stark verunkrautete Kartoffelbeete. So kannte ich es im ersten Jahr. Besonder schlimm sind die Ackerwinden. Aber auch die Heerscharen sich aussamender Beikräuter konkurrieren mit den Kartoffeln.

Bei mir ist flächendeckend gemulcht. Die Ackerwinden lassen sich durch den Mulch nicht am Wachsen abhalten. Weil aber sonst nichts weiter hoch kommt (außer die Überreste vom Topinambur des letzten Jahres) sehe ich sofort, wo sie sind und kann sie einmal die Woche abreißen.

Kürbis, Zucchini, Patisson, Weißkraut, Tomaten und Paprika habe ich nun auch gepflanzt. Die Erde war nach wie vor leicht feucht, aber noch zu trocken, dass neu gesetzte Pflänzchen angehen könnten. Daher habe ich ein paar Kannen Wasser runter geschleppt und die Gemüse angegossen. Jetzt stehen sie schon gesund im Beet und versorgen sich selbst mit Wasser.

Übrige Buschbohnen und Erbsen säte ich dazwischen und eine Reihe Bienen-Weiden-Saatmischung am Rand. Das Gesäte habe ich nicht angegossen, weil der Brunnen noch defekt war (Ventil im Inneren ist gebrochen) und ich nicht die Wasserkannen vom Garten herunter schleppen wollte. Mittlerweile keimt alles durch die Restfeuchte unterm Mulch.

Volker durfte auch wieder einmal bastlerisch aktiv werden. Der Holztisch für die Schwengelpumpe war über die Jahrzehnte verrottet. Jetzt hat Volker einen neuen konstruiert. Die Pumpe geht jetzt, dank Ersatzteil auch wieder. Kostenloses Wasser pumpt sie aus dem Dorfweiher.

Weiherwasser ist wie bei Aquaponics auch gleich Dünger

Eigentlich ist es nicht nur eine Wasserpumpe sondern nebenbei auch eine Düngerpumpe. Das Karpfen-Weiherwasser ist das der reinste Dünger, wenn man sich erst einmal mit biologischer Pflanzenernährung und Mikroorganismen beschäftigt hat. Durch die Algen, die Mikroorganismen und gelöste Stoffe kommt beim Gießen dieses Wasser gleich auch Nahrung für die Pflanzen, die direkt von den Wurzeln aufgenommen werden kann und Essen für die Mikroorganismen in den Boden.

Im Kleinen wird so ein System als Aquaponics in allen Medien beschrieben und angewendet. Hier habe ich ganz natürliches Aquaponic. Nur, dass meine Pflanzen nicht in langweiliger Hydrokultur wurzeln, sondern im Boden.

Kann ich all dem Mulch auch meine Gemüse sähen?

Bisher habe ich vom Pflanzen oder (Kartoffeln-)stecken in den Mulch gesprochen. Vieles im Garten wird ja aber direkt vor Ort gesät. Geht das mit dem ganzen Mulch im Beet und wie macht man das dann?

Klar geht es! Und wieder spare ich mir eine Menge Arbeit, die ansonsten irgendwie zum Gärtnern dazu gehörten. Und wieder bin ich meinem Ziel näher, einen Garten zu haben, Methoden zu kennen, mit denen ich auch noch garteln und mich selbst versorgen kann, wenn ich älter und nicht mehr so kräftig oder ausdauernd sein werde wie heute.

Ich unterscheide zwei Methoden, die Saat ins Beet zu bekommen.

Aussaaten im Mulchbeet mit Bodenbearbeitung

Einmal im zeitigen Frühjahr ab März und dann zum Zweiten, weiter im laufenden Jahr.

Im Frühjahr liegt noch restlicher Mulch vom Herbst in den Beeten. Laub, Ernterückstände, Häckselmaterial oder abgestorbener Gründünger. Viel ist zu der Zeit nicht mehr übrig und so brauche ich das Verbliebene nur mit einem Rechen zu entfernen. Es wird neben dem Beet zwischengelagert. An Stellen, wo der Boden noch nicht so locker ist, gehe ich jetzt das ganze Beet mit der Grabegabel durch. Reinstechen, Gabel nach hinten, also zu mir zu bewegen, dass der Boden leicht angehoben wird, Gabel zurück bewegen und senkrecht raus ziehen. Mit Umgraben hat das nichts zu tun! Es soll lediglich verfestigte Strukturen aufbrechen und Luft in die Erde bringen. Umgegraben habe seit Jahre nicht mehr!

Wenn die Erde dann noch recht grob-schollig ist, gehe ich kreuz und quer mit dem Sauzahn durch. Danach reche ich alles eben und ziehe zum Beispiel eine Saatrille mit der Handschaufel. Dahinein kommen Erbsen, Möhrensamen, Mangoldsamen, Spinat, Feldsalat, Radieschen, Schnittkohlarten oder Ackerbohnen. Um ein paar Beispiele zu nennen. Jetzt wird die Rille wieder mit der Handschaufel zugefüllt und mit der Faust oder der Schaufel „fest“ geklopft. Für mich hat sich das Festklopfen bewährt. Wenn ein kleiner Möhrensamen in die Saatrille fällt und dann mit lockerer Erde bedeckt wird, kann es sein, dass er in einer winzigen „Höhle“ liegt. Auf einem Krümel Erde und über ihm Luft, weil die lockere Erde nur lose angefüllt ist. Wie soll er jetzt ausreichend Wasser zum Keimen erhalten? In der Natur keimen auch vor allem die herunter gefallenen Samen, die guten Erdkontakt und damit Wasser haben und die nicht zu tief liegen. Daher ist es auch ratsam die Saatrille vor dem Sähen ein wenig fest zu klopfen, dass der kleine Samen nicht in eine Spalte kullert und dann zu tief liegt.

Wenn die Saat so in die Erde gebracht ist und die Reihen daneben auch bepflanzt oder eingesät sind, verteile ich den beiseite gelegten Mulch vom Herbst wieder zwischen die Reihen. Oder auf die Reihe, wenn noch nichts gesät oder gepflanzt ist.

gepflanzter Salat und gesäter Spinat und Radieschen im Frühjahr. Man sieht noch den restlichen Mulch vom Herbst auf dem Beet verteilt liegen.

Aussaat im Mulchbeet ohne Bodenbearbeitung

Während der Saison, kann ich diese Methode nicht anwenden, da meist nur noch eine Reihe im Beet frei und der Rest schon bewachsen ist. Da würde ich zu viel zertreten oder mit der Gabel kaputt machen.

Hier mache ich es mir noch einfacher beim Sähen. Ich schiebe den Mulch, meist Rasenschnitt, entlang der künftigen Reihe bei Seite.

Mulch beiseite schieben und Saatrille ziehen, dann sähen. Hier Kohlrüben.

Da langen 15 cm. Dann ziehe ich meine Saatrille, wie oben beschrieben, sähe und verschließe die Rille. Ebenfalls, wie oben beschrieben. Der Mulch bleibt daneben liegen und die Saatreihe bleibt frei.

Nach dem Sähen die Saatrille verschließen, Erde leicht fest klopfen und gut angießen.

Bei Trockenheit regelmäßig gießen und nach wenigen Tagen oder nach vielen Tagen, wie bei Möhren oder Pastinaken, keimt das Gemüse. So werden etwa Buschbohnen gesät, Radieschen, Möhren, Erbsen, Kohlrüben oder andere Saaten im Mai und Juni.

wenige Tag nach dem Sähen keimen die Kohlrüben bereits

Der Mulch links und rechts der offenen Erde in der Saatreihe hält Feuchte im Boden und die Samen keimen leichter.

Im Mulchbeet keimt weniger Unkraut

Eine interessante Beobachtung mache ich immer wieder bei der Sommer-Saatmethode. In der offenen Erde der Saatreihe keimt extrem viel Beikraut (Baumspinat, Melde, Miere, Franzosenkraut, Löwenzahn, Wolfsmilch und was es eben so gibt. Dort wo Mulch liegt kommt nur ab und zu ein Pflänzchen durch, das leicht entfernt werden kann. Die Bodenbearbeitung in der Saatrille und der offen Boden fördert also auch das Keimen des Unkrautes, nicht nur des Gemüses. Würde ich ohne Mulch das ganze Beet, vor der Saat, bearbeiten und offen lassen, hätte ich großflächig das Unkraut. So war es auch bei mir, vor dem Dauermulch. Aus diesem Grund ist bei mir immer die ganze Fläche gemulcht. Die noch freien Reihen werden ebenfalls mit organischem Material bedeckt, bis ich sie benötige.

So trocknet der nicht bewachsene Boden nicht aus, wird nicht vom Regen zugeschlemmt und verdichtet, es keimt kein Unkraut, das Bodenleben bleibt aktiv und durch das Verrotten des Materials ist schon einmal eine erste Ladung Pflanzenfutter (Dünger) im Boden, wenn die neuen Gemüse dort einziehen. Erfahrungen mit Mulch und Hagel habe ich im Blog auch schon einmal beschrieben.

Wird so der ganze Gemüsegarten gemulcht?

Die Antwort ist einfach: Ja!

Mulchen im Gewächshaus

Auch im Gewächshaus ist so bald wie möglich im Jahr eine Mulchschicht aufgebracht. Vorher ist alles bewachsen mit Feldsalat, Spinat, Winterkopfsalat und anderen Gemüsen/Gründüngern.

Der Mulch im Gewächshaus sorgt für einen steten Humusaufbau. Der Boden ermüdet nicht wie es sonst leicht im Gewächshaus der Fall ist. Vor allem wenn es nur von Mai bis September für Tomaten, Paprika, Chili oder Gurken genutzt wird und im restlichen Jahr der Boden jämmerlich vertrocknet herum liegt. Bodenleben kann hier nur schwer gedeihen.

Mulchen bei Erdbeeren

Beerensträucher werden genauso mit dem Mulch versorgt und selbstverständlich auch die Erdbeeren. Hier unterscheide ich zwischen der Erntezeit im Mai bis Juli und den Rest des Jahres. Der allgemein bekannte Mulch aus Stroh oder Holzwolle ist wirklich gold wert. Die Früchte liegen nicht am Boden und faulen weniger, bleiben sauber. Sind die Pflanzen dann abgeerntet, fülle ich auch hier immer wieder Grasschnitt oder Häckselgut mit hohem Grünanteil zwischen die Reihen. Das bringt den Stickstoff, der dem Stroh oder der Holzwolle fehlt und ohne den die Erdbeerpflanzen kümmern würden. Stroh und Holzwolle bekomme ich übrigens mittlerweile aus dem Verpackungsmaterial, als das es immer häufiger verwendet wird. Für mein Erdbeerbeet langt das immer aus.

Ich habe es eben schon erwähnt. Gerade Mulchmaterial aus saftig grünem Material hat beim Verrotten auch eine gute düngende Wirkung. Mein Kräuterbeet bekommt ausser dem Mulch mit Rasenschnitt überhaupt keine zusätzliche Düngung. Starkzehrer wie Kohl, Sellerie, Lauch, Gurken,Meerrettich und so weiter benötigen natürlich eine zusätzliche Düngung. Die besteht bei mir aus regelmäßigen Gaben von verdünnter Brennesseljauche. Die gieße ich alle ein oder zwei Wochen während der Wachstumsperiode. Ganz, wie ich dazu komme.

Kann ich nur Rasenschnitt zum Mulchen verwenden?

Ein paar Worte noch zu dem Mulchmaterial selbst. Am einfachsten ist natürlich der ohnehin regelmäßig anfallende Rasenschnitt. Anstatt ihn mühsam zu entsorgen, gar in den Wertstoffhof zu fahren, kann man ihn als Mulch verwenden. Das geht nicht nur im Gemüse- und Obstgarten, sondern auch in den Staudenbeeten. Wer konsequent mulcht, wird schnell merken, dass der sonst so lästige Rasenschnitt bald nicht mehr ausreicht und man mehr Rasenfläche benötigen würde. Theoretisch kann man natürlich alle anfallenden organischen Materialen, auch Küchenabfälle (pflanzlich, ungekocht) als Mulch aufbringen. Das sieht mir aber zu unordentlich aus, wenngleich es Menschen gibt, die das so machen.

Ernterückstände wie Radieschenblätter, Salatblätter, Zwiebelgrün, Möhrengrün, Kohl- oder Rhabarberblätter und vieles mehr wird gleich an Ort und stelle zwischen die Reihen oder die Pflanzen gelegt.

Bei mir im Garten fallen im Früh-Sommer immer wieder Holundertriebe an. Der wächst wild zwischen der Hecke und ich schneide die dann langen und noch weichen Triebe ab. Sie kommen direkt in die Beete oder als Trittpolster zwischen die Beete.

Auch der Beinwell wuchert derart, dass ich ihn immer wieder bodeneben abschneide. Die Triebe kommen im ganzen der Länge nach zwischen die Reihen. Dazu eignen sich ebenfalls hervorragend die hohen Brennesseln, die im Ganzen in die Beete gelegt werden können. Beinwell und Brennessel liefern guten Stickstoff als Dünger für das Gemüse. Das dauert ein paar Tage und sie sind so zerfallen, das man sie gar nicht mehr erkennt.

Wermut, der sich überall ausgesät hat, muss immer wieder abgeschnitten werden. Wieder lege ich die Zweige in die Reihen. Übrigens soll ja dessen starker Geruch die Möhren, Zwiebel oder Lauchfliege abhalten die Nutzpflanzen ausfindig zu machen. Der Geruch vom Holunder vergrämt Wühlmäuse. So hat dieses Mulchmaterial wieder noch einen zusätzlichen Nutzen.

Wer all das nicht in ausreichendem Masse zur Verfügung hat, der kann immer noch zwischen die Reihen und auf leere Flächen Gründünger sähen. Phacelia und Buchweizen keimen auch bei trockenem und heißem Wetter. Beide sind zarte Pflanzen und rasch abgezupft, wenn sie größer sind. So liegen sie wiederum als Mulch in den Reihen. Spinat gibt viel Blattmasse und dann abgerupft eine schöne Mulchschicht.

Kommt im Sommer dann der Heckenschnitt, wir der bei mir gehäckselt und als Mulch verwendet. Das Gleiche mache ich mit dem ständig anfallenden Staudenschnitt.

Vorsicht bei Mulchmaterial mit hohem Anteil holzigem Materials.

Häckselmaterial mit viel holzigen Anteilen kann ich – nach mehrmaliger sehr schlechter Erfahrung – ausdrücklich NICHT empfehlen!

Hier muss penibel darauf geachtet werden, ausreichend Stickstoff zu zu führen. Im Biogarten heißt das Brennesseljauche oder Blutmehl. Ansonsten binden die Bodenorganismen jeden verfügbaren Stickstoff im Boden zum Verrotten des holzigen Materials. Die Pflanzen in diesem Mulch müssen zwangsläufig kümmern, kränkeln oder sterben ab. Zum Einstieg in den Mulchgarten empfehle ich daher ausschließlich stickstoffhaltiges , grünes Material zu verwenden.

Und wie so ein Mulchgarten oder die Ernten daraus dann etwa im Juni aussieht, zeigen die folgenden Bilder.

8 Antworten auf „Eine Hand voll Mulch im Beet ist nicht wie eine Hand voll Kunstdünger an den Pflanzen.“

  1. Hallo Achim.
    Danke für die genauen Ausführungen zum Thema und die erklärenden Bilder. Sehr schön aufgebaut.
    Diese Anbaumethode habe ich vor 30Jahren bei Marie-Luise Kräuter kennen gelernt und immer wieder angewendet. Ich freue mich, dass diese tolle Anbaumethode immer noch oder wieder überzeugte Anhänger hat. Es motiviert mich, meinen geplanten neuen Gemüsegarten gleich so aufzubauen. Es kostet auch nicht so viel Kraft, die Bodenlebewesen zur Hilfe zu holen, als ständig zu hacken und zu giessen.
    Mit freundlichen Gartengrüssen, Angela.

    1. Hallo Angela,
      oh ja die Kräuter und der Biogarten. Damit bin ich aufgwachsen und heute redet niemand mehr darüer, weil alle nur noch über Permakultur reden. Es muß eben immer ein anderer, moderner Begriff her. Allerdings sind die Ideen der Permakultur genau mein Ding, leider gibt es fast niemand der es so betreibt und darüber informiert. Ein einziger Hof in Frankreich wird immer genannt und der ist perfekt. Ansonsten sind die die immer Permakultur schreien eher die die keine Lust auf Gartenarbeit haben, alles verkommen lassen und dann sagen , es ist ein Naturgarten. Viele denken von mir auch sicher, dass ich nur zu Faul zum Arbeiten bin, aber wie du sagst, man muß sich nicht unnötig Arbeit machen. Genau das denke ich auch. Ganz ohne geht es aber auch nicht, denn Arbeit fällt nach wie vor genug an, das kannst du mir glauben.
      Viel Spass beim BIO-garteln und schöne Tage wüncht der Achim

  2. HOi Achim
    Toller Beitrag 🙂
    Darauf den wuchernden Holunder auch zu vermulchen bin ich bisher noch gar nie gekommen – super.
    Ich schneide heute Abend gleich mal wieder eine Menge „Unkraut“ weg und leg alles war noch keine Samen hat wieder auf die Beete.
    Erntereste lasse ich schon lange direkt so im Beet.
    Hebs guet

    1. Hallo Pascale das freut mich, wenn ich dir eine weitere Idee für Mulchmaterial geben konnte. So lange die Triebe noch saftig und weich sind geben Sie ein gutes Mulchmaterial. Ich zerschneide sie nicht mal, einfach abschneiden und ins Beet legen. Die zerfallen rasch. Niemals unnötig Arbeit machen.😉 liebe Grüße, Achim

  3. Lieber Achim,
    Vielen Dank, dass Du das Thema Mulchen nochmal aufgenommen hast und so detailliert erklärt hast. Man kann nicht genug darüber wissen, denke ich. Man wirft oft viel zu unachtsam weg und macht sich keinerlei Gedanken über die Wiederwertung wertvoller Rohstoffe- so auch im Garten.
    Liebe Grüße
    Steffi

    1. Liebe Steffi,
      genau das ist es mit dem Wegwerfen und den Rohstoffen. Alles an organischem Material, das dem Garten entnommen wird und im Müll landet, muß später wieder als teurer Dünger eingekauft werden. Das will ich mir ersparen und pflege konsequent die Kreisläufe, wie in der Permakultur . Ich sehe in allem wertvollen Dünger und Humus und käme gar nicht auf die Idee etwas davon in der braunen Tonne oder über den Wertstoffhof zu entsorgen. Nur wenn ich Wurzelunkräuter mit Wurzeln jäte oder Unkraut, das bereits aussamt, das kommt in die Tonne. Das ist aber nicht sehr viel und so ist die Biotonne bei uns fast immer leer und muß nicht zur Abfuhr nach draußen gestellt werden.
      Liebe Grüße und schöne Zeit im Garten wünscht der Achim

  4. Lieber Achim,
    wieder so ein informativer und toller Post!
    Ich habe meine beiden Gemüse Hochbeete nun auch endlich gemulcht. Nachdem ich gestern noch mal neu eingesät habe.
    Die Rauke, der Spinat und der Mangold ist ja nun gerade abgeerntet und gegessen oder eingefroren. Nun kommen noch mal Radieschen, Paprikapflänzchen sind schon drin und noch mal Rauke. Und natürlich deine noch blühenden Heckenzwiebeln. Davon haben wir übrigens immer mal schon genascht. Lecker auf Quarkschnitte. Nun bin ich gespannt, wie sich alles macht im Rasenschnitt 🙂
    Liebe Grüße von der Urte

    1. Liebe Urte, das finde ich toll, dass du es auch einmal mit dem Mulchen probierst. Du wirst die Vorteile schon bemerken, wenn du es konsequent machst. Und toll, wenn die Winterheckenzwiebel schon am Tisch gelandet ist.

      Liebe Grüße, der Achim

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