Es wird ein Waldgarten

Das Waldgartenbuch hat mich wirklich neugierig gemacht. Und irgendwie habe ich ja auch schon so etwas angefangen. Also wird es jetzt ein Waldgarten.

Der Beginn eines neuen Gartenprojektes

Und doch stimmt das nicht ganz. Begonnen hat das Projekt genau genommen schon vor vielen Jahre. Damals im Januar 2016 kamen vier Apfelbäume bei mir an. Das war der Beginn.

Und auch das stimmt wieder nicht ganz. Denn als Apfel-Bäume würde ich die veredelten Pflänzchen alter, teils unbekannter Sorten, wirklich nicht bezeichnen. Die Geschichte dazu ist wirklich sehr interessant und lohnt sich, nachgelesen zu werden. Vor beinahe sechs Jahren schrieb ich sie nieder. Lest doch einmal von den “neuen Apfelbäumen für’s neue Gartenjahr” und seht selbst, warum “Bäume” nicht der richtige Begriff ist.

Auf der Suche nach neuen Flächen für meinen Selbstversorger-Kartoffelanbau begann ich also im letzten Jahr mit dem Mulchen der Fläche zwischen meiner Obstbaumreihe.

Rasenschnitt, Heu, Häcksel und Teichpflanzen wie die Wasserpest, sind zum Mulchen ausreichend vorhanden. Angeblich bereitet man so, ohne Maschineneinsatz, den Boden für etwa den Kartoffelanbau vor.

Im Gemüsegarten bin ich eingefleischter und überzeugter Mulcher und hatte das Gefühl, es könnte klappen. Den noch jungen Obstbäumen, deren Baumscheiben ich schon immer mulchte, dürfte es auch gefallen, nicht mehr in Konkurrenz mit dem hohen Gras um Wasser und Nährstoffe stehen zu müssen.

Wenn künftig meine gezielt angebauten Pflanzen auch so kräftig wachsen wie dieses Gras oder Quecken oder was es ist, dann kann ich mich glücklich schätzen. So viel steht schon jetzt fest. Der immer wieder und wieder aufgeschichtete Mulch – wenn erst einmal verrottet- trägt dann noch seinen Teil zum Wachstum der Quecken bei.

Wenigstens ist der plötzlich nach der Weihersanierung erschienene Ampherknöterich nicht auf meiner Waldgartenfläche, nur daneben. Dort am Weiher, beim Knöterich, habe ich übrigens im Frühjahr auch meine Sommerlinde gepflanzt. Deren Blätter sollen ebenfalls einen guten Salat ergeben. Sie steht ein paar Meter nördlich vom Waldgarten und gehört ab sofort auch zu diesem Projekt.

Ich seh’ den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Im Sommer diesen Jahres kaufte ich mir ein Gartenbuch. Ein für mich zwar nicht unbekanntes, aber sehr fremdes und neues Thema. Es war der jetzt ins Deutsche übersetzte Klassiker von Martin Crawford “Einen Waldgarten erschaffen – mit der Natur arbeiten um essbare Pflanzen anzubauen”.

Ich war von der ersten Zeile an begeistert, fing Feuer. Der Mann hat Ahnung und Erfahrung in der Praxis, der träumt nicht nur von Waldgärten und schreibt dann darüber, der hat sie (erschaffen). Selbst wenn ich keinen Waldgarten anlegen würde, hätte ich doch gärtnerisch dazu gelernt, meine Horizont drastisch erweitert und meinen Blick auf Garten, Gemüseanbau, Wildkräuter und viele Zusammenhänge deutlich verändert und geschärft.

Und doch, wo ist hier der Wald in meinem neuen Projekt? Sehe ich doch den Wald vor lauter Bäumen nicht? Bäume sind ja viele außen herum. Auch über diese speziellen habe ich im Buch viel gelernt und betrachte sie nun ganz anders.

Aber erst einmal zurück zu den Bäumen im Waldgarten. Natürlich kann man keine Gemüseselbstversorgung in einem Wald mit vielen Bäumen anfangen. Der Begriff irritiert hier leider. Irritierte mich auch bis zu diesem Buch!

Waldgarten kann auch gewerblich genutztes Land zwischen Baumreihen mit Ertrag zum Verkauf am Markt sein. Sehe ich im Holz meinen Ertrag, kann der Garten darunter mit schattenliebenden Wildpflanzen natürlich auch genutzt werden. Schwerpunkt wird das Holz sein. Will ich Gemüse und Kräuter ernten, Knollen und Wurzeln sowie Obst, dann wird es kein dichter Wald sein können.

Waldgarten sind Bäume, darunter Wild-Kräutern, dazwischen mit viel Sonne, Gemüsebeete, Gemüseäcker, oder einzelne Gemüsepflanzen. Das hängt von der Größe der Fläche ab. Hier kommt wieder die Obstbaumlebensgemeinschaft aus der Permakultur mit ins Spiel. Naja, das Rad erfindet eben niemand wirklich neu.

Soll heißen, wenn man im Reihenhausgarten ein paar Säulenäpfel hat und drunter statt Rasen, Rindenmulch oder Schotter, lieber ein paar Erdbeeren anbaut, Schnittlauch, vielleicht ein paar niedrige Stauden oder Bodendecker, dazu etwas Salat oder Kohlrabi, dann ist das nicht nur eine Obstbaumlebensgemeinschaft sondern auch ein Waldgarten.

Es sind Bäume mit im Spiel. Es kommt auf diese Gemeinschaft an, auf die gezielte Auswahl der Pflanzen. Die einen bringen essbaren Ertrag. Andere locken Insekten zur Bestäubung an. Viele sammeln Stickstoff aus der Luft für die ganze Gemeinschaft oder holen aus den Tiefen unter der gemütlichen Versammlung wichtige Mineralien nach oben.

Was im Reihenhausgarten etwa eine Erbse oder Hornklee besorgen, erledigt im großen Waldgarten vielleicht eine Erle: Stickstoff aus der Luft binden und und den anderen Pflanzen zur Verfügung stellen. Ja tatsächlich sammeln Erlen mit Mikroorganismen an ihren Wuzeln Stickstoff aus der Luft. Erlen haben wir wie Unkraut um die Weiher. Zu weit weg, um meinen Äpfeln oder Pflanzen darunter zu nützen. Und doch. Die Erlenhecke aus dem letzten Blog-Beitrag liefert mir stickstoffreichen Häcksel. Auch das Laub im Herbst ist stickstoffreicher als das von Bäumen ohne diese Eigenschaft.

In meinem eigentlichen Garten habe ich übrigens so eine kleine Obstbaumgesellschafft. Am Zaun mit den anderen Apfelbäumen von 2016. Dort ist eine Spalierbobstreihe zusammen mit Beerenobst entstanden. Unterpflanzt mit vielerlei anderen Kräutern, Gemüsen und Stauden. Darüber berichte ich immer wieder einmal in meinen Beiträgen.

Also zusammengefasst heißt es: Waldgarten heißt nicht Garten im Wald.

Wie sieht das also bis jetzt mit meinem Waldgarten aus?

Drei Obstbäume stehen dort. Eine Fränkische Hauszwetschge, ein Hendunger Schneeapfel und ein vom Veredler als Albert bezeichneter Apfel der nicht näher bestimmt werden konnte.

Zwei Weißdornbüsche liefern Nahrung und sind Lebensort für zahlreiche Insekten und Kleintiere.

Dahinter, man sieht kaum mehr was vor lauter Brennesseln, liegt ein Benjes-Wall. Unmengen Erlen, Schnittgut davon und sonst Astzeugs fällt jährlich an. Das schlichten wir seit Ewig immer hier entlang der Grenze auf. Es sackt zusammen und wird überwuchert. Eigentlich dachte ich, es wachsen einmal Heckenpflanzen daraus empor. Vögel rasten auf den hochstehenden Ästen, koten dabei ins Gehölz und daraus keimen dann Heckenpflanzen. Die Keimen auch, aber überall und nicht eine Einzige aus dem Benjeswall. Was da aber alles an Leben drin und drunter ist, will ich vielleicht gar nicht so genau wissen.

Brennesseln sind das erste Gemüse im Frühjahr, später Jauche-Grundlage für den Gemüsgarten und Futter für die Raupen vom Tagpfauenauge.

Ein paar Malven für zarte Blätter im gemischten Salat oder bunte Blütendeko auf dem Salat gibt es. Topinambur lässt sich von Quecken nicht beeindrucken. Gerade blüht er, liefert Nahrung für Insekten und im Winter dann für die Wühlmäuse. Oh ja, da ist ein Problem. All zu viel blieb im letzten Jahr nicht übrig für mich, die Mäuse waren einfach schneller.

Herbsthimbeeren und ein Stachelbeerstrauch, der süße dunkelrote Beeren hatte, stehen in gebührender Entfernung unter den Bäumen. Die Winterheckenzwiebel hat den Mulch nicht überlebt.

Gründünger wollte ich testen auf kleinen Flächen, vom Mulch befreit. Pustekuchen, Gras und Quecken waren schneller. Einzig ein Fleckchen mit Waldstaudenroggen gibt es. Leider viel zu dicht gesät.

Mulchfolie – meine neue Hoffnung.

Ihr merkt schon, dem großen Mulch-Wunder zur Urbarmachung von Wildnis, kann ich noch nicht wirklich viel abgewinnen. Es ist wohl genau diese Wildnis, an der es scheitert. Habe ich im Schrebergarten ein Fleckchen ohnehin schon halb kaputten Rasen und mulche das ein paar Monate, werde ich herrliche lockere Erde zum Gemüseanbau bekommen. Mulche ich verbuschende Wildnis draußen in der freien Landschaft, erhalte ich nur gedüngte und noch wuchsfreudigere Wildnis.

Im Schuppen habe ich da aber doch noch diese luft- und wasserdurchlässige, schwarze Mulchfolie. Was, wenn ich die über die Wildnis lege? Ist die Zeit lang genug, kann auch die Quecke das nicht überleben, denke ich. Und dann lese ich genau dies als Methode, um im Waldgarten neue Flächen für Wild-Gemüse zu kultivieren. Na dann besteht ja wirklich noch Hoffnung. Und wenngleich mein Waldgarten im Moment weder aus Garten noch aus Wald besteht, der Anfang ist gemacht, die Marschrichtung ist vorgegeben und ich bin motiviert.

Es bleibt spannend und wen es interessiert, wie es weiter geht, der verfolgt am Besten weiter meinen Blog.

4 Antworten auf „Es wird ein Waldgarten“

  1. Hallo, schön wieder von dir zu lesen,wo war dein Blog oder du verschwunden ?Oder lags an meinem Internet?
    Jedenfalls ein interessantes Thema .
    Liebe Grüße
    Jeannine

    1. Hallo Jeannine,
      es lag nicht an deinem Internet, ich brauchte dringend eine Blog-Pause. Jetzt hole ich alles nach seit den letzten Berichten. Hat für mich den Vorteil gerade im perfekten Novemberwetter vom Sommer und den Blumen und dem Garten schwärmen zu können.
      Liebe Grüße Achim

      1. Jedenfalls freut es mich dass du wieder schreibst. Das trostlose Bild wenn ich auf deinen Blog klickte gab mir so ein mulmiges Gefühl.
        Also wieder bis auf weiteres. 🙂
        Jeannine

        1. Hallo Jeannine,
          das freut mich so sehr, dass du dich freust, dass es hier wieder weiter geht. Nun das Bild war tatsächlich eines was im Plugin zur Verfügung stand und passte so sehr zu meiner Stimmung, dass ich es einfach nahm. Nun ist es leider draußen fast so, wie damals auf diesem Foto, aber in mir sieht es wieder so aus, wie auf den Fotos, die ich gerade poste. Also dann, freu dich auf weitere berichte und ich freu mich, wenn du mir treu bleibst.
          Viele Grüße der Achim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.