Frühlingserwachen im Landgarten

Das Gartenjahr begann mit einem Wechselspiel der Temperaturen. Nun wird es aber immer deutlicher, der Frühling lässt sich von den Umständen nicht länger unterdrücken…

Fast vierzig Grad Temperaturunterschied – ein erstes Quartal der Superlativen

Die ersten drei Monate des Jahres sind vorüber. Wer hätte gedacht, dass die Temperaturen derart wechseln können. Oft im Abstand von nur wenigen Tagen hatten wir alles von +24°C bis -17°C. Auf viel zu warm folgte viel zu kalt. Scheinbar geht das aber noch immer so weiter.

So oft habe ich noch nie die Pflanzen eingepackt und ausgepackt, umgeräumt und gesichert.

Bei allem Hin und Her zeichnet sich aber so langsam doch ein Trend ab. Es wird Frühling. Die Johannisbeeren treiben aus und es blühen gelbe Blüten in der Landschaft und im Garten. Mein persönliches phänologisches Zeichen, dass nun mit der Arbeit im Gemüse-Garten begonnen werden kann. Dennoch habe ich gerade wieder Vliesschichten verteilt. Die kommende Woche werden wieder Nachttemperaturen von bis zu -6 Grad kommen. Da muss man vorbereitet sein.

Jetzt aber will ich erst einmal in den Frühlingseindrücken der vergangenen Tage schwelgen. Lange genug habe ich hier nichts aktuelles zeigen wollen. Zwar hatte ich viel zu tun, waren die Arbeiten und der Garten aber noch recht langweilig. Fast nichts Fotogenes lief mir vor die Linse.

Und doch, es wird Frühling!

Somit beginne ich mit der bisher letzten Kältewelle um den 19. März diesen Jahres.

Das sollen aber die letzten Schneebilder für heute sein. Jetzt wird es erst mal Frühling.

Noch ist nichts opulent. Viele Blüten sind klein, jedenfalls niedrig am Boden und man muss oft in die Knie gehen, sie zu bewundern.

Die Blüten der Lenzrosen.

Manche Blüten wiederum sind zwar nicht klein, dennoch muss man für sie auf die Knie gehen. Sie blicken immer irgendwie beschämt nach unten. Nur ein Blick von unten nach oben zeigt ihre wahre Schönheit. Oder man biegt ein wenig die Blütenstängelchen, dass sie in die Kamera blicken. Die Rede, ihr ahnt es sicher, ist von den Lenzrosen und auch der Nieswurz.

Insektenfutter im Naturgarten.

Und ganz egal, ob die Blüten nun zum Boden oder gen Himmel blicken. Hummeln, Wildbienen oder gar die riesige Holzbiene taumeln brummend vor Glück über den lecker gedeckten Tisch. Ich gebe mir Mühe, ständig mehr solcher Leckereien in meinen Naturgarten zu bekommen. Gerade zeitig im Frühjahr ist das gar nicht einmal so leicht. Wie gut, dass die riesigen Haselnusssträucher wohl auch etwas zu Fressen liefern, wenn sie blühen. Jedenfalls summt und brummte es dann reichlich darin.

Schneeglöckchen und Krokusse stecke ich jährlich zusätzliche und dennoch sieht man kaum etwas davon. Es sind einfach noch zu wenige. Andere Frühblüher, wie die Winterheckenkirsche, liefern jetzt lecker Futter, sollten aber viel früher blühen. Es ist einfach zu lange zu kalt bei uns, als dass hier wirklich früh nennenswert geblüht wird. Dennoch fliegen die Insekten auch schon zeitig im März und ich bin immer ganz traurig, dass sie noch nicht wirklich etwas finden in meinem Garten.

Gleichwohl erkenne ich von Jahr zu Jahr ein Plus an frühen Blühern, die mich und die Bienen erfreuen. Hier komme ich zum nächsten Stichwort, dem Blackboxgardening. Das bedeutet, selbst aussähende Stauden, Frühlingsblüher oder Wildblumen im Garten gewähren lassen.

Blackboxgardening, wohin man sieht.

Da gibt es bei mir schon sehr viele und ich habe etliche weitere zur Ansiedlung gepflanzt. Vielleicht bekomme ich noch viel mehr solche treuen Gesellen, die überall im Garten auftauchen und die keine Pflege von mir benötigen. Jetzt im Frühjahr sind besonders schön, die sanft-grünen Blüten der Walzenwolfsmilch. Eine in den Garten gesetzt und bald sind sie überall.

Besonders witzig fand ich jetzt das Leberblümchen unter dem Brunnentrog. Sitzen seine Vorfahren ja eine Etage höher, hinter dem Trog. Auch rings um die Nieswurz und Lenzrosen wimmelt es von Sämlingen.

Blackboxgardening unter der Korkenzieherhasel. Narzissen, Veilchen in Flieder und Lila, Krokusse und Schneeglöckchen genau wie der hübsche rose-blau-Farbene Schneeglanz haben sich allein dort eingefunden. Die Schneeglöckchen und Krokusse, die hier blühen sind immer die ersten im Jahr.

Das Unkraut im Topf – nichts für schwache Gärtnernerven.

Hat man erst einmal diese selbstaussähenden Genossen im Garten, funktioniert die Verbreitung im Handumdrehen. Für alle Beikrautbeseitiger wird das Folgende wohl der wahre Horror sein. Für mich ist es das Paradies.

So habe ich dieses Jahr endlich einmal begonnen, meine Frühlingsausaaten nicht in sterile und überdüngte Fertigerde zweifelhafter Herkunft zu sähen und dann zu pflanzen. Maulwurfhügelerde und reifer Kompost gesiebt sind eine wundervolle Alternative. Im Kompost sind natürlich Unmengen Samen meiner Blackboxfreunde. So sieht es unter den Paprika schon richtig nach Wildnis aus. Werden die Beikräuter zu groß, rupfe ich sie aus. Bis dahin ist es Mischkultur im Topf. Mischkultur heißt auch, Wildkräuter zu lassen. Und dann gehen natürlich da auch so hübsche Stauden wie die Katzenminze auf. Zwei herrliche Sämlinge habe ich so ganz ohne Mühe und Kosten für mein neues Gartenprojekt.

Gelbe Blüten im Garten – mein phänologisches Startsignal.

Ja der Gemüsegaren sollte auch noch erwähnt werden. Und weil Beerensträucher treiben und es gelb blüht im Garten, lege ich los.

Die vorgezogenen Ackerbohnen sind ausgepflanzt, weitere ins Beet direkt gesät.

Gesät im Freiland sind Möhren, Mairüben, Radieschen, Melde und Spinat. Der Meerrettich und unter zwei Lagen Vlies ganz frühe Kartoffeln, sind gesteckt. In Topfplatten keimen Salate, Kohl oder Kohlrabi und Petersilie.

Der Knoblauch und die Wintersteckzwiebeln stehen seit Herbst in den Beeten.

Seit Februar ziehe ich meine Paprika im Keller unter Kunstlicht. Sie haben schon viele Knospen. Die kürzlich gesäten Tomaten sind gekeimt. Ebenso zwei Sorten Basilikum und Sellerie.

Die Kartoffeln, die noch nicht gesteckt sind, treiben an der Sonne weiter vor.

Im Gewächshaus sind ein paar ganz Frühe und im Permakulturprojekt an den Karpfenweihern habe ich ein paar weitere verbuddelt. Das glaube ich aber, wird noch nichts. Ödland mit Rasenschnitt abdecken und es wird ein Beet in das dann Kartoffeln gesetzt werden, halte ich im Moment noch für eine schöne Träumerei. Vielleicht überrascht mich die Natur aber ja und es wird was mit den Kartoffeln dort. Ich habe ein paar Saatkartoffeln zu viel, wegen der Mindestbestellmengen pro Sorte. So kann ich damit experimentieren. In eigenen Experimenten gewonnene Erfahrungen sind immer sehr wertvoll.

Projekt Weihersanierung

Zwei unserer diesjährigen Projekte haben die letzten Tage auch einiges an Zeit und Aufmerksamkeit erfordert. Wobei das noch das Geringste war. Reden wir lieber nicht von dem Schmerzen in allen(!) Muskeln des im Winter vollends verweichlichten Gärtnerkörpers! Und das trotz massiver Arbeits-Unterstützung durch die unterschiedlichen Maschinen.

Einmal haben wir es endlich in Angriff genommen, den kleinen Karpfenweiher zu sanieren. Sanieren zu lassen. Seit Jahren steht er brach, weil undicht und zugewachsen. Jetzt ergab sich durch die Arbeiten beim Nachbarn, dass der große Bagger vor Ort ist. Der hat unseren kleinen Weiher ordentlich umgeräumt. Dazu mussten erst die Erlen außen herum entfernt werden. Das haben auch gottseidank hilfreiche Hände uns abgenommen. Die passende Ausstattung mit dem benötigten Gerät muss eben auch vorhanden sein.

Wir machten uns dann die nächsten Tage über die Stämme her. Winter wird es bestimmt auch wieder einmal und da brauchen wir immer reichlich Brennholz. Dank des Erlen-Unkrautes haben wir da gottseidank immer ausreichend Nachschub.

Nachdem wird den Mönch im Weiher wieder frei gemacht haben, konnten wir gleich den „Stöpsel“ stecken und Wasser einlassen. Schön war auch zu beobachten, dass sich der Weiher, dank der Quellen unter ihm, schon von selbst langsam mit Wasser füllte. Nach Ostern wird wieder gefischt und die vorhandenen Fische verteilt.

Und meine Linde habe ich nun auch gepflanzt. Sie steht jetzt oberhalb des Weihers und kann, wenn ihr Boden und Standort zusagen, zu einem stattlichen Baum heran wachsen. und das Bild der Landschaft dort über Jahrhunderte prägen.

Projekt Schottergarten

Abschließend komme ich noch zu meinem seit dem Herbst heiß ersehnten Herzensprojekt im Garten.

Hitze und Dürre sind mein Schicksal. Der Rasen braun und die Pflanzen verwelkt. Was kommt da noch anderes in Frage, als den äußerst robusten und widerstandsfähigen Schotter in die Beete zu setzen. Der welkt wenigstens nicht. Begleitet von Granit, Beton und Stahl ergibt das sicher auch bei der Hitze und Dürre unserer Sommer ein ganz passables Bild.

Ich muss grinsen. Vielleicht habe ich jetzt den einen oder anderen vorurteilsbehafteten Schottergartenverteufler verscheucht. Wir haben bereits im vergangene Jahr den Vorgarten mit viel Schotter und Steinen befüllt und was soll ich sagen. Es war der artenreichste, blütenerfüllteste und bunteste Gartenteil in den glühend heißen und trockenen Monaten. Eine Freude für die Insekten. Womit wieder einmal gezeigt wurde, dass vorschnelle Ablehnung und Verunglimpfung egal von was oder wem, ohne weitere Details zu kennen, oft in die Hose gehen kann.

Natürlich wird Schotter und Beton oder Stahl in den oberen Garten einziehen, aber natürlich zusammen mit den passenden Stauden und Kräutern. Ich habe ja einen Garten und keinen Steinbruch.

Es wird einen Laubengang für unsere Erquickung geben, gestützt durch naturbraune rostende Stahlträger und Holz. Überrankt wird das alles mit Weinreben und einem Blauregen. So hat auch die Werkstatt und der Partyraum hinter dem Laubengang nicht den ganzen Tag die volle Wucht der Sonne zu ertragen und darin bleibt es vielleicht etwas angenehmer temperiert.

Das Schotterbeet umrundet den mediterranen Platz mit den Kübelpflanzen. Hier kommen weitere hitze- und dürretolerante Pflanzen, vor allem Kräuter, dazu. Natürlich werden auch meine ebenfalls in diese Kategorie passenden winterharten Sukkulenten sich weiter dort sonnen dürfen. Ihre neue Pflanztreppe aus übrigen Paletten eignet sich jedenfalls bestens als Sonnenterasse.

Jetzt ist erst einmal der Oberboden abgetragen. Der Graben wird mit Schotter, Split und eventuelle etwas Sand gefüllt. Wenn die Stahlträger da sind, wird betoniert und damit der Rasen draußen bleibt, kommt analog den Wegen im Garten, eine Kante aus Granitpflastern außen herum. Viele Pflanzen habe ich schon, manche werden verpflanzt, etliche sind frisch gekeimt im Gewächshaus oder wie die Katzenminze noch bei den Paprika im Keller. Manches wird hier und da vom Blackbox-Garten umgesiedelt in den neuen Bereich. Und ich hoffe, dass sich etliche neue hier auch im restlichen Garten verteilen. Vielleicht trotze ich so mit meinem Garten den Dürren in jedem neuen Jahr.

Die Hanfpalme, die seit Jahren die Winter im beheizten Kübel draußen verbringt, haben wir ausgepflanzt. Leider brauchen wir das mit der 35 Jahre alten Washingtonia, die mit Heizkabeln, Cocosmatten und Heizkübel in der Scheune den Winter verbrachte, nicht mehr zu machen.

Damit endet die Zusammenfassung der letzten beiden März-Wochen. Wie ihr seht, es wird Frühling. Langsam aber unaufhaltsam. Seien wir neugierig, was das Jahr noch so alles für uns auf Lage hat.

6 Antworten auf „Frühlingserwachen im Landgarten“

  1. Hallo Achim,
    bei dir hat es besser geklappt mit der Maulwurfshügelerde. Man muss sie also mischen, wenn sie so lehmig ist.
    Ich habe als Blackboxpflanzen in der Maulwurfshügelerde eine Brennnessel und eine Knoblauchsrauke, schön, oder? 😉
    Viele Grüße
    Elke

    1. Hallo Elke,
      ich las immer von Kompost und Sand mit der man sie mischen sollte. Sand hatte ich keinen. Also nur Kompost und Maulwurferde. Die Blackboxkeimlinge kamen bei mir natürlich aus dem Kompost. Lauter alte Bekannte….

      Liebe Grüße Achim

  2. Lieber Achim,
    Der Laubengang wird toll aussehen. Ich liebe ja Blauregen, aber ich kenne von Omas Garten auch seine Kraft. Er schafft erstaunliche Dinge. Aber glücklicherweise macht es ihm dann auch nichts aus, wenn man ihm mit der Säge zu Leibe rückt und der Schatten im Sommer ist es wert. Das versuche ich auch immer, dem Gatten klar zu machen. Der immer noch meint, man dürfe nicht zu viele hohe Sachen in den Garten pflanzen, weil es dann zu schattig werden könnte.
    Bei uns ist es gerade wieder kühler und ich hoffe, der nach Ostern angesagte Schnee entpuppt sich doch als Regen…
    Liebe Grüße und frohe Ostern!
    Steffi

    1. Hallo Steffi,
      ja das glaube ich auch. Wird allerdings ein paar Jahre dauern. Und ich bin doch so ungeduldig…. Ich habe einen herrlich fliederfarbenen Blauregen gefunden, der auch noch duftet und ganz hervorragend zum Grün der Wand dahinter passt. Pflanzen habe ich schon alle, müsste nur der Bau weiter gehen. Und ja, mir war das auch nicht bewußt, aber wir haben überhaupt nichts im Garten, was Schatten macht und so scheint 14 Stunden im Sommer die Sonne vom seit Jahren immer wolkenfreien Himmel. Das ist nicht angenehm, oft nicht aus zu halten und für die Pflanzen auch nichts. Daher der Hausbaum, der aber leider vielleicht kaputt geht, weil ich nicht wusste was er hat und daher nichts unternahm. Ihm geht oder ging die ganze Rinde ab. Die Sonne hat ihn gnadenlos verbrannt. Wenn wir jetzt wieder von vorne anfangen müssen mit Hausbaum, wird das gar nie mehr was mit Schatten im Garten…..
      Liebe Grüße und noch schöne Feiertage wünscht der Achim

  3. Es ist eine Freude die Bilder aus deinem Garten zu sehen, sehr motivierend.
    Bei mir darf auch alles wachsen, besonders die Vogelmiere, der Gundermann, Löwenzahn und Giersch, Gänseblümchen haben es mir angetan, sie dürfen im Wildkräutersalat nicht fehlen. Nur wenn ich Platz für eine Pflanze brauche, mache ich das was gerade im Weg steht weg. Meine Vermieter selbst seht jätefreudig finden meine Art zu gärtnern, einen Sauladen

    1. Hallo Andrea,
      Sauladen ist schon eher böse, Unordnung, Leben, wildes Wachsen ist eher passend, eben natürlich. Allerdings zugewuchert und verwildert ist dann auch nicht meines. Es soll schon auch so aussehen, als würde sich jemand drum kümmern. Vielleicht ein wenig romantisch vernachlässigt, vielleicht beschreibt das den Eindruck am besten. Ordnungsfanatiker bekommen aber auf jedenfall hektische Flecken wenn sie meinen Garten sehen. Ich freu mich über fast alles Leben, dem es bei mir gefällt. Giersch ausgenommen, der wuchert derart, dass er eine Gefahr für alles andere ist und so dann der ganze Garten nur aus ihm bestehen würde. ABer dennoch habe ich noch keine Möglichkeit gefunden ihn zu reduzieren. Die anderen Wildkräuter, die eh nicht vermeidbar sind, benehmen sich ja, sie lassen mir auch mal meine Beetfläche und ich lasse ihnen ihre. Nur der agressive Giersch bildet sich ein, alles für immer in Beschlag nehmen zu dürfen.

      Ich wünsche dir schöne frühlingshafte Gartentage in deinem Sauladen und viel Freude an allem was wächst.

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