Das lohnt sich nicht für uns! Und Rosenkohl schmeckt ja doch eklig. Geschichten vom schwarzen Lord.

Es ist nun bereits der 19. Januar und der Winter holt zu seinem großen Auftritt aus. Kalt ist es auf einmal geworden. In der Nacht waren sieben Kältegrade und es geht weiter bergab. Schnee haben wir nicht, aber dafür etwas Anderes, auch ganz Wundervolles. Die Sonne scheint jetzt wieder den ganzen lieben langen Tag vom blauen Himmel. Und lang ist der Tag tatsächlich. Etwa eine halbe Stunde länger, als noch an Heilig Abend.

Heute morgen, es ist Samstag, fährt der Lord am Heimweg vom Wochenendeinkauf bei den Karpfenweihern vorbei. Es hat sich wieder, durch hilfreiche Spenden netter Mitmenschen, eine schöne Menge trocken Brot angesammelt. Das wird bis zum Frühjahr in der Angelhütte gelagert. Dann freuen sich die Karpfen wieder über die Leckerbissen von der Wasseroberfläche. Der Lord nutzt das schöne Wetter und die kalte Ruhe für einen kleinen Spaziergang. Dabei lässt er seinen Gedanken freien Lauf.

Das bisschen Gemüse für uns zwei

Wieder ist es ein Satz, den er gerade in einem Gespräch im Laden aufgeschnappt hatte. „Des bissla Gmias was wir essn, des kömmer kaaafn aa, des lohnt si fia uns zwaa garnet, des o zu baun“ (Das bisschen Gemüse, das wir essen, können wir auch kaufen. Das lohnt sich für uns zwei gar nicht, es an zu bauen)

Ja, ja wie oft hört der Selbstversorger auch draußen am Land, diesen Ausspruch. Willkürlich irgendwo oder direkt im Gespräch mit ihm, wenn Freunde oder Bekannte des Sommers in seinem üppigen Gemüsegarten stehen.

Die Aussage enthält zwei Punkte, die den Lord immer wieder traurig stimmen. Das ist einmal das selbstzerstörerische Verhalten der Mitmenschen nur „a bissl a Gmias“ zu essen. Ist das nicht langsam ins Allgemeinwissen übergegangen, dass es mehr sein muss, wenn Körper und Geist gesund bleiben sollen? Ja klar die geforderten 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag findet auch der Lord sehr unrealistisch oder gar unmachbar. Vor ein paar Jahren noch hat er sich genau damit viel befasst. Wie ist es anderen Menschen bei zu bringen, wie viel Obst und vor allem Gemüse pro Tag oder pro Woche zu empfehlen sind.

Noch heute sinniert er öfter über seinen eigenen Lebensstil und diese Mengenangaben. Lebt er so ungesund? 5 Portionen am Tag bekommt er nie zusammen. Dann aber überlegt er sich, welche Mengen an Obst und Gemüse er Jahr für Jahr erntet, verkocht und konserviert. Und da bleibt bis zur nächsten Saison nicht viel übrig. Weggeworfen sollte nämlich nichts werden, von seinen wertvollen Ernten.

Nein 5 Portionen am Tag sind es nicht, aber wenn jeder diese Menge an Gemüse und Obst in der Qualität zu sich nehmen würde, sollten die Krankheiten doch weniger werden. Wenn es stimmt, dass eben diese pflanzlichen Lebensmitteln so wichtig für die Gesundheit sind.

Wohlbefinden durch Essen?

Für das Wohlbefinden sind sie es auf alle Fälle denkt sich der Lord und kommt gerade am kleinen Bänkchen vorbei. Dort sitzen sie im Sommer, abends nach dem Füttern de Karpfen und beobachten das muntere Treiben der Fische, die sich die leckeren Semmel und Brotscheiben laut schmatzend von der Wasseroberfläche holen. Wohlbefinden durch essen empfindet er also auch bei sich um so deutlicher, je unwohler es ihm bei anderem Essen oftmals geht. Zum Beispiel wenn der Lord einmal auswärts isst.

Von zuhause ist er nur noch Natürliches, wenig Verarbeitetes aber handwerklich liebevoll Zubereitetes gewohnt. Künstliche Aromen und Geschmacksverstärker kommen da nie vor. Auch keine Kunstprodukte von Fleisch oder Käse. Letzthin etwa sah er in einer Kühltheke große Shrimps in leuchtender Farbe. Die Verpackung verriet, dass sie künstlich aus Fleischresten (von Shrimps) und Farbe und so weiter geformt und angemalt wurden.

Wie sehr merkt man dann doch in der auswärtigen Küche, was so alles ganz alltäglich im Essen drin sein muss. Manchmal bizzelt es direkt auf der Zunge, ein anderes mal spürt man es im Bauch noch Stunden danach oder am nächsten morgen. Es kommt auch vor, dass für Stunden ein blöder Geschmack im Mund vorherrscht oder winzige Bläschen, gefüllt mit Flüssigkeit und brennend, sich im Mund breit machen. Diese negativen Auswirkungen fühlt der Lord an sich immer häufiger, je länger er für sich und die seinen nur das natürliche Zeugs zubereitet. Und da ist dann Wohlbefinden im Essen enthalten.

Für mich lohnt sich das nicht, das bin ich mir nicht wert.

Also mahl ehrlich. Das bisschen Gemüse also. Und was war noch mal der zweite Punkt, der ihm immer wieder bitter aufstößt? Es ist die Sache, dass sich etwas für „nur einen Selbst, nicht lohnt“.

Was ist das für eine Lebenseinstellung? Sollte man nicht gerade für sich alle Anstrengungen in Kauf nehmen? Sollte man um sich selbst nicht maximal kümmern?

Was wohl viele Mensche nicht wissen oder sich einfach nicht bewusst machen, ist der Spruch: „Du bist, was du isst“. Und das ist jetzt zu einhundert Prozent wörtlich zu nehmen. Unser Körper besteht aus Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett, vielen anderen Baustoffen, Mineralien, Pflanzenstoffen und auch Vitaminen. Ja, was glauben die Menschen denn, wo das her kommt? Genau und zu 100% aus dem Essen. Von der Luft und der Liebe allein haben noch die Wenigsten lange überlebt.

Unsere Haut, die Haare, die Nägel, die Knochen und Muskeln, das Gehirn und die Augen, das Herz oder der Magen. Alles einfach alles ist aus dem Zeugs aufgebaut, was wir über die Nahrung in uns hinein stopfen.

Das Essen für unser Essen

Und nicht nur wichtig ist, was wir in uns stopfen. Auch was in unser Essen zu Lebzeiten hinein gestopft wurde ist entscheidend. Kunstdünger und Pestizide ins Gemüse oder Fischabfälle in das Rind auf unserem Teller. Ist eine Kuh ein Fleischfresser? Genau so ist es ja auch schließlich mit den Karpfen vom Lord. Sie fressen, was sie im Weiher finden und wofür sie gemacht wurden. Als Leckerli, wie bei uns Schokolade oder Gummibärchen oder Chips bekommen sie getrocknetes Brot und Semmeln, die sonst weggeworfen würden. Auch ein wenig Getreide wird zugefüttert. Aber nicht der wabbelig machende Mais! Die Karpfen wachsen langsam und wären sicher bei Mastfutter schneller groß und zum Verkauf oder Verzehr bereit. Der Lord aber verkauft nicht, verzehrt nur und da ist es nicht wichtig, ob die Fische langsam und natürlich wachsen und damit vielleicht ein Jahr länger brauchen. Die Qualität ist sehr gut, schmackhaft, nicht zu viel Fett. Es sind eben echte Slow-Food-Bio-Karpfen und was sonst noch als Auszeichnung daran hängen könnte. Oder anders, es sind halt Karpfen, die natürlich aufwachsen. Schließlich werden wir auch diese Nahrung wieder in uns integrieren und daraus bestehen und damit funktionieren.

Wenn irgendwo ein Haus oder eine Brücke einstürzt, weil beim Bau Billigmaterialien, anstelle der Qualitätsware verbaut wurde, schüttelt man gern den Kopf über die Verantwortungslosigkeit. Das ist doch jedem klar, dass das Bauwerk dann nicht hält. Aber selbst ist man es nicht wert, sich aus den hochwertigen Materialien auf zu bauen? Und nicht nur der Aufbau benötigt hochwertige Materialien. Wird der teure Automotor mit billigem oder second-hand-Öl geschmiert, wird er nicht lange seine Leistung bringen. Auch beim Benzin gibt es Unterschiede für die Leistung. Aber in sich selbst hinein füllt man zum alltäglichen Betrieb des Motors, also seines Körpers und Geistees, nur Mist und Schund und erwartet Hochleistung oder überhaupt reibungslosen Betrieb? Mehr lohnt sich ja nicht?

Ergebnis des Winter-Gedanken-Spazierganges

Also selbst, wenn wir die Frage nach der tatsächlich benötigten Menge an Obst und Gemüse pro Tag einmal unbeantwortet lassen. Die Qualität des Zugeführten sollte immer die beste sein, die man bekommen kann. Auch wenn es „nur für sich allein “ oder nur „für uns zwei“ ist.

Klar ist es tatsächlich auch möglich, sich gutes Obst und Gemüse zu kaufen, statt es selbst an zu bauen. Nicht jeder hat schließlich die Möglichkeit. Dann sollte es aber von hoher Qualität und, wenn möglich, „bio“ sein. Aber das ist teurer. Auch gute Butter, gutes Mehl, gute Sahne, guter Käse sind teurer und nicht bei der Billigmarke der Discounter zu erhalten. (Kleiner Tipp, vergleicht einmal die Inhaltsstoffe einer dieser extrem-Billig-Marken mit vielleicht einer Bio-Marke und wenn es nur Discounter-Bio ist. Schaut auf die wertvollen Inhaltsstoffe wie etwa Eiweiß oder Fett beim Frischkäse. Und auf anderes, wie Wasser, billig und nicht nötig für das Lebensmittel. )

Der Lord denkt dabei sofort an ein Erlebnis der vergangene Woche. Für eine geschäftliche Kochveranstaltung kaufte er Rosenkohl. Er und auch sein Partner lieben ihn. Haben allerdings immer den aus dem eigene Garten. Bio-Rosenkohl, langsam gewachsen, nicht überdüngt. Kleine süßlich aromatische Kügelchen.

Nun war es wie gesagt eine geschäftliche Veranstaltung, in der weniger das Kochen als die Produkte dazu im Vordergrund standen. Oft wird dabei leider viel Essen übrig bleiben und nicht gegessen. Hier greift dann auch der Lord hin und wieder zur Discounter-Billigmarke. So auch beim Tiefkühl-Rosenkohl. Den teureren Marken-Rosenkohl legte er aus dem Wagen wieder in die Gefriertruhe. Dann kam der Koch-Abend, der Rosenkohl wurde gedämpft und, ohne schlechtes zu denken, schob der Lord sich so eine Kugel in den Mund. Lecker ist doch so ein frisch gedämpfter Rosenkohl. Aber oh Gott, was war das? Jetzt endlich versteht auch der Lord die Menschen, denen es immer vor Rosenkohl graust. Für die dieses Gemüse die Höchststrafe ist.

Nein, aber mal ehrlich, dieser Kohl schmeckte schlicht scheußlich. Scharf nach Kohl, ohne weitere Aromen und auch noch bitter. Also das ist so überhaupt nicht der Rosenkohl-Geschmack, den der Lord von zu Hause kennt. Er jedenfalls schiebt es auf die Billigmarke, in der ja auch nur billig-Ware stecken kann. Sicher überdüngte , vom Kunstdünger aufgeblähte und mit anderen Giften bespritzte armselige Pflanzen lieferten die Röschen. Unfassbar, Rosenkohl schmeckt (manchmal) tatsächlich scheußlich.

Alle vier Weiher hat der Lord mittlerweile langsam umschritten. Der Spaziergang nähert sich dem Ende und auch mit den Gedanken ist er so weit durch. Schade, dass viele Menschen es sich nicht Wert sind, gutes zu essen. Und erstaunlich, wie schlecht Rosenkohl schmecken kann. Die armen Menschen die immer nur diesen vorgesetzt bekommen und nie einen wirklich gut schmeckenden, milden aromatischen Kohl.

Jetzt jedenfalls fährt er erst einmal heim. Nachdem die Einkäufe verstaut sein werden, gibt es heute eine schnelle Gemüsesuppe. Eigene Kartoffeln, ein paar eigene Möhrchen aus dem Tiefkühler und eine Pastinake aus dem Sand im Keller kommen hinein. Der Stabmixer wird es zur warmen, cremigen Konsistenz eine Suppe aufwerten. Und zur Krönung oben auf kommt ein Würstchen, gerade beim Dorfmetzger gekauft. Ein einfaches Gericht und doch werden die jedem Lebensmittel eigenen Aromen sich in einem Geschmacksfeuerwerk vereinen. Keine Lippe wird brennen, kein Bauch grummeln und der „Motor“ wird ruhig schnurrend seine Dienste leisten. Immerhin stehen nachmittags im Garten ein paar Aktivitäten an.

Begleiten werden ihn dabei die ersten Blüten das Jahres:

2 Antworten auf „Das lohnt sich nicht für uns! Und Rosenkohl schmeckt ja doch eklig. Geschichten vom schwarzen Lord.“

  1. Lieber Achim,
    Jetzt hab ich Hunger und Lust auf so ein leckeres Süppchen mit Wienerle. Überhaupt, Klasse, deine Fränkische Einlage…..ich höre das Fränkisch so gerne. Du hast das so wunderbar geschrieben und diese Sprüche kommen mir so bekannt vor….das bissl Gemüse.
    Nein, eingefroren Rosenkohl find ich mehr als scheußlich. Ich frag mich auch im Supermarkt immer, warum muss der im Knoblauchsland denn aus Holland kommen? Es schafft doch nicht jeder immer auf den Markt. Da hab ich gleich Parkplatzprobleme ( Erlangen). Ich hab mich so gefreut, dass unser Röttenbacher Supermarkt neuerdings Rosenkohl aus Bamberg und Kartoffeln sogar Bio aus dem Nachbarort anbietet. Ich schaffe auch nicht die 5 am Tag….aber das, was ich esse, bitte möglichst lecker und ohne Chemie.
    Toller Artikel, Achim…;-)
    LG Sigrun

    1. Hallo Sigrun, und? schon lecker Süppchen gekocht? Freut mich sehr, wenn dir der Text gefallen hat. Und es tut gut, wenn andere auch immer diese Sprüche hören. Naja sind halt auch viel zu allgemein vorhanden. Leider. Ich esse sonst auch oft eingefrorenen Rosenkohl. Mein eigener allerdings. Die sind nicht sooo winterhart und gefroren nicht erntbar, daher ernte ich, die Erfahrung lehrte mich das, vor Weihnachten ab und friere sie ein. Der schmeckt aber auch aufgetaut noch super lecker. Allerdings hatte ich 2018 herrlichen Rosenkohl, der aber keine Röschen hatte. Wegen der Hitze und dürre wohl sind die jetzt noch erst Johannisbeeer-groß also nicht zu gebrauchen. Ja das ist doch schon mal ein gutes Ziechen finde ich, dass man selbst in Supermärkten immer mehr frisches und regionales Gemüse findet, sogar schon alte und seltene Sorten, wie bei L…. der hat jetzt tatsächlich BIOLAND Gemüse und Produkte im Sortiment, was mich wahnsinnig überrascht hat, aber mal positiv überrascht. Auch schön!
      Also liebe Grüße denn, der Achim

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