Mein Gemüsegarten im August

Vorsicht, es wird gemüsig! Im August fängt es endlich an zu wachsen und zu Reifen. Bisher hatte ich ja in diesem komischen Jahr 2021 nicht die Bezeichnung Selbstversorger verdient.

Jetzt geht’s endlich los, ich glaubte schon gar nicht mehr daran.

Der August im Jahreslauf war die letzten Jahre immer ein Einschnitt. Dürre, elende Hitze und 13 Stunden Sonne am blauen Himmel. Dagegen kamen keine Bewässerungen an, kein Mulch. Die Gemüse hingen und lagen verwelkend und von Schädlingen malträtiert in den Beeten. Dieses Jahr ist anders, bisher nicht wirklich gut-anders und so gebe ich nicht viel auf den neuen Monat.

Anders wird er. Über die hälfte der Tage bleiben die Tagestemperaturen deutlich unter 20 Grad. Es regnet häufig. Das ist Anfang und Ende von diversen Gemüsen. Schauen wir uns die Details an:

Tomaten 2021

Ja genau, eine eigene Überschrift für die Tomaten 2021. Die letzten Jahre waren wie oben beschrieben. Ein Traum für Tomaten, das einzige Gemüse, das solches Wetter will. Heuer haben wir also endlich weder Dürre noch Hitze und wer lässt einen das zu aller erst spüren? Ihr ahnt es, oder habt es selbst erfahren: die Tomaten.

Angefangen hat es sehr hoffnungsvoll, dann hingen sie voller Früchte und man konnte ernten.

Aber halt! Nicht so schnell, denn so einfach war es wirklich nicht.

Sie wuchsen prächtig und sie hingen voller Früchte. Die wurden aber ewig nicht farbig, blieben grün. Und als die Farbe in sie kam, kam gleichzeitig mit gnadenloser Härte die Braunfäule. Da half nichts. Kein Mulch, kein Spritzen in regemäßigen Abständen (Fermentierte Pflanzensäfte, Milchsäurebakterien). Die Fäule fraß sich gnadenlos die Pflanzen empor. Und wenn man meinte, die Früchte sehen noch gut aus, so täuschte man sich. Schon am nächsten Tag, mit beginnender Röte sah man die Schäden.

Bereits im August musste ich daher etliche Stöcke komplett entsorgen. Mit nicht einer einzigen geernteten Tomate. Die angeblich gegen die Fäule toleranten Sorten halten noch durch, sind aber auch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Ich entferne laufend alles befallene Laub und Früchte. Ein paar werden dann doch reif, aber die Pflanzen werden fast täglich auf Grund meiner Abschneidelaune weniger.

Was ich beobachten kann sind die Cocktailtomaten, die noch am ehesten weiter machen mit reifen und auch verwertbare Früchte bringen. Im Gewächshaus habe ich auch vier Pflanzen und selbst die zeigen erste Krankheitszeichen.

Jedenfalls reicht die Ernte für ein wenig Tomaten-Sugo für den Winter.

Und doch gibt es Erfolge im Gemüsegarten.

Also so ein Tomatenjahr hatte ich ja gar noch nicht. Frustrierend. Gut, dass es aber auch Erfolge zu verzeichnen gibt. Überraschende Erfolge.

Gurken! Seit ich den Garten habe versuche ich im Sommer knackige Gurken zu haben. Ein oder zwei, dann rafft der Mehltau und die Viren die Gurken dahin. Freiland oder Gewächshaus, am Boden liegende oder hoch geleitet. Snackgurken, Salatgurken, Schlangengurken, Einlegegurken, Netzgurken, Zitronengurken und und und. Was ich alles probierte. Gurkenpflanzen waren dem Tod geweiht, sobald sie ausgepflanzt waren. Und dieses Jahr? Eigentlich zu kalt für Gurken, aber ich ernte ohne Unterlass. Im Freiland und im Gewächshaus. Herrlich, so viele köstliche, saftige, knackige Gurken für die Küche zur Verfügung zu haben.

Nicht nur die Gurken überraschen mich. Auch die Möhren. Gleiche “Erfolgsgeschichte” wie bei den Gurken. Jahr für Jahr der gleiche Misserfolg. Dann fand ich endlich eine Sorte, die irgendwie immer ganz gute Erträge brachte, die Pfälzer Gelbe. Dieses Jahr hatte ich von der Sorte eigentlich kaum nennenswerte Erträge. Gut, dass ich weiter ausprobiere und eine neue Sorte im Katalog bei Bingenheimer fand. KS-MOG-TH-Purp heißt sie. So neu, dass die Sorte (samenecht) noch keinen Namen hatte.

Scheinbar war sie nicht nur bei mir sehr erfolgreich. Im aktuellen Katalog hat sie nun einen Namen und ist gottseidank wieder im Sortiment. Sie heißt jetzt Soletta.

Optisch ein Traum und geschmacklich auch. So liebe ich die Möhrenernte. Und warum wasche ich sie? Hätte ich einen Erdkeller zum Lagern, dürften sie natürlich so erdig ins Lager. Sie müssten sogar. Da ich aber keine Möglichkeit zur Möhrenlagerung habe, werden sie gleich geputzt und eingefroren. Daher spüle ich sie gleich im Garten vor.

Viel Freude empfinde ich auch beim Anblick der Sellerie-Sommerlauch-Reihe.

Weißkraut und Blaukraut im Gründünger

Das Blaukraut, das ich ja direkt in den Zottelwickenurwald pflanzte wächst. Das Weißkraut, welches ich auch in den Gründünger hinein pflanzte auch. Und falls es jemandem auffällt. Ja es ist nicht nur Blaukraut und Weißkraut. Lila Blumenkohl und ein Rosenkohl haben sich auch mit eingeschmuggelt.

Erste Köpfe wollen sich formen oder sind schon erkennbar.

Neben dem Weißkraut war eine Reihe Frühkartoffeln da habe gleich wieder Gründünger gesät. Dort ist es im Herbst zu Dunkel wegen dem Schatten der Scheune. Neues Gemüse wächst da nicht, also bedecke ich den Boden und tue ihm gleichzeitig was Gutes. Unkraut kommt da übrigens auch nicht hoch im Gründünger.

Kohl und Salate im Mulchbett, pardon: MulchBEET.

Die nächsten beiden Kohl-Beete habe ich nicht direkt in einen Gründünger gepflanzt.

Beim ersten handelt es sich um das Beet der Frühkartoffeln, das ich dann mit deren Laub und der Rasenschnittsilage mulchte. Ich habe berichtet. Grünkohl, Endivien und Zuckerhut stehen hier einig nebeneinander und wachsen prächtig.

Im zweiten Beet standen vorher die Ackerbohnen. Ihre Ernterückstände (Pflanze, Schoten) kam sofort wieder als stickstoffreicher Mulch auf das Beet. Die stickstoffangereicherten Wurzeln der Bohnen bleiben im Boden und verrotten dort.

Oben drauf, direkt in den mit Rasenschnitt ergänzten Mulch setzte ich ein paar Pflanzen vom Red-Russian-Kale, ein paar Salate und den Catalogna Aurelia, den italienischen Löwenzahn, der aber ein Zicchoriensalat ist. Beide dienen mir als Basis meiner täglichen grünen Smoothies, da dauernd neue Blätter gebildet werden. Der Catalogna schmeckt gar nicht so bitter, wie angegeben. Dennoch ist bitter in ihm zu schmecken.

Dazu kommt noch eine Reihe Kohlrüben. Die werden zur Zeit ihrer Aussaat ins Beet immer bereits beim Keimen von den Erdflöhen zerstört. Also probierte ich , sie in der Topfplatte vor zu ziehen. Bei allen Pflanzen, bei denen nicht die Wurzel selbst -gerade und lang- geerntet werden soll, habe ich da gute Erfahrungen. Vielleicht auch bei der Kohlrübe. Ich liebe sie sehr, da sie sich gut und lange lagern lässt und sehr gut schmeckt.

Im Nachbarbeet stehen noch ein paar fast erntereife Möhren. Übrigens genau die oben erwähnte Pfälzer Gelbe. Daneben habe ich ein paar Kohlrabi gesetzt.

Als die Möhren draußen waren kamen noch Radicchio Treviso und als Samen Winterrettich und Radieschen dazu.

Bevor ich den Gemüsegarten also wieder verlasse, blicke ich noch einmal freudig auf das nun bilderbuchhafte Wachstum in den Beeten zurück und freue mich auf eine gute Ernte.

Vor dem Gemüsegarten am mediterranen Platz steht noch etwas in Sachen Selbstversorger. Mein neuer Apfelbaum im Blumentopf, der Zwergapfel mit dem passenden Namen: Gullivers. Stolz trägt er seine ersten Früchte.

Wir sind Naturgarten und haben es verdient

Was natürlich auch erwähnt werden muss im Monat August 2021:

Ich habe endlich die Plakette und Urkunde. Ich habe nun einen zertifizierten Naturgarten. Über die Zertifizierung, über Natur und Garten habe ich schon etliche Beiträge verfasst. Einer fehlt noch. Die einzelnen Kriterien und wie ICH sie in MEINEM Garten erfülle. Der Bericht wird wieder umfangreicher und folgt in den nächsten Monaten. Dann mit links zu allen Berichten der kleinen zusammengehörenden Serie. Um ein wenig Geduld bitte ich bis dahin noch.

Und wer freut sich mit mir über die Auszeichnung? Für wen mache ich das alles, was ich mache, damit es ein natürlicher Garten, ein Biogarten wird? Für mich und aber auch für diese hier:

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