Mildes Wetter lässt Wintergemüse gedeihen.

Jetzt im Herbst muss das Garteln noch nicht zu Ende sein. Sähen, pflanzen und bald ernten von frischem Gemüse geht auch noch im Oktober.

Nachdem ich Anfang Oktober hier das Buch „Ernte mich im Winter“ vorgestellt habe, packt mich das Wintergemüsefieber.

Meine Samenbestände durchforstete ich nach noch brauchbaren und für die späte Saat geeigneten Sämereien. Weitere wurden sofort bei den Saatgutlieferanten geordert.

Was schon im Beet war an Wintergemüse wurde mit anderen Augen betrachtet und mit viel Liebe versorgt und umhegt.

Vom Zuckerhutsalat, den ich zum ersten Mal, schon vor meiner Wintereuphorie, anbaute, weiß ich jetzt, dass er noch lang im Beet stehen kann. Er ist frostfest und so muss ich mich mit der Ernte nicht beeilen.

Der Palmkohl Nero di Toscana wird schon beerntet. Er ist nicht winterfest, aber ein paar Grad hält er aus. Genug Zeit also noch, um ihn portionsweise, wie gewohnt, ein zu frieren.

Der Broccoli hat mit Regen und kühleren Temperaturen ein wahres Wachstumswunder vollbracht. Erste Blütenknospen zeigen sich.

Mein Endivien lässt mich ein wenig bangen. Er sollte weiter sein, wächst aber zügig unter dem Vlies. Auch bleibt das Wetter mild und schön, so dass er bestimmt noch zu erntefähiger Größe heran wächst.

Schon immer handhabe ich das mit ihm so, wie es in den Wintergemüsbüchern empfohlen wird. Wenn im Dezember noch welcher im Beet steht und die Fröste oder Dauerregen kommt, grabe ich die erwachsenen Pflanzen aus und setze sie im Gewächshaus wieder ein. Dort bleiben sie frisch, bis sie schließlich geerntet werden.

Ein paar kleine Pflänzchen fand ich noch zwischen dem Broccoli, wohin ich sie mangels freier Beetfläche setzte. Sie wuchsen noch fast gar nicht. Weil er Feuchtigkeit im Winter von Oben nicht mag, wie ich gelesen habe, handelte ich jetzt kurzentschlossen. Die kleinen Pflanzen grub ich aus und setzte sie schon jetzt ins Gewächshaus. Dort können sie jetzt in Ruhe wachsen, geschützt vor zu viel Feuchte von Oben.

Die Wintersteckzwiebeln sind im Gewächshaus so weit, wie auch im Freien.

Am 11. Oktober säte ich im Gewächshaus Rucola, diverse Asiasalate und Radieschen. Die sind alle schön aufgegangen und können jetzt in Ruhe vor sich hin wachsen. Im Winter kann ich dann Blätter von ihnen als Salatbeigabe ernten.

Mein Winterkopfsalat ist dieses Jahr eher ein Reinfall. Nur ganz wenige, winzige Pflänzchen hatte ich erst jetzt zur Verfügung. Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben und so stehen sie jetzt ausgepflanzt im Gewächshaus und im hölzernen Frühbeetkasten.

Ach so ja, wer sich übrigens fragt, was das für Steine überall im Gewächshaus und dem Frühbeet sind. Ganz zu schweigen von den schwarzen Pipelines im Treibhaus. Das sind Wärmespeicher, die später, wenn es kälter wird von Bedeutung werden. Die Steine sind Beton-Pflastersteine, die wir von den Wegen übrig haben. Die Schläuche kann man extra zu dem Zweck im Gartenhandel erwerben. Sie sind mit Wasser gefüllt. Betonstein und Wasser heizen sich tagsüber auf und geben nach Sonnenuntergang die Wärme wieder an die Umgebung ab. Gleiches tut das Wasserfass im Gewächshaus. Gerade wenn dann bei starkem Frost noch ein Vlies über den Kulturen liegt (daher die entsprechenden Vorrichtungen im Gewächshaus) bringen diese Wärmespeicher einen spürbaren und sichtbaren und messbaren nutzen. Der Boden im Gewächshaus friert fast nie zu. Die Pflanzen wachsen weiter.

Im neuen Frühbeetkasten aus Aluprofilen säte ich gleich Anfang Oktober auch Asiasalat, Radieschen und Kresse. Sie wachsen prima. Ein wenig zu arg sogar, wegen der hohen Temperaturen und der Sonne.

Der ebenfalls dort gesäte Feldsalat keimt gerade in winzigen Pflänzchen.

Eine Petersilie stand im Beet an der Stelle, wo jetzt das Frühbeet steht. Sie wächst im geschützten Klima gerade prächtig. Den ganzen Sommer hatte ich keine solch prächtige Petersilie.

Der erste Winterportulak ist ausgepflanzt.

Weiterer Portulak nebst Feldsalat braucht noch ein paar Tage, dann setzte ich ihn auch im Gewächshaus in den Boden.

Wer übrigens jetzt auch noch etwas sähen möchte und ein Gewächshaus hat, vielleicht auch ein Frühbeet, wie die abgebildeten oder gar ein Hochbeet mit Frühbeetaufsatz oder wenigstens einem Vliestunnel, der kann auch jetzt noch sähen.

Folgende Saaten sind Ende Oktober noch möglich:

  • Asiasalate (bis Mitte November)
  • Erbsen (hier werden dann nicht die Schoten gegessen, sondern die fingerlangen jungen Triebe. Also eher dicht und flächig sähen)
  • Garten-Kresse, die ganz normale und bekannt Kresse also
  • Rucola (bis Anfang November
  • Babyleaf Salate
  • Spinat
  • Feldsalat
  • Knoblauch- oder Zwiebegrün kann man noch bis Anfang November stecken. Im Topf im Haus eigentlich den ganzen Winter. Dabei wartet man nicht auf die Ernte der Zwiebel oder Knolle, sondern erntet als würzige Salatbeigabe die grünen und jungen Triebe von Knoblauch und Zwiebel.

Sogar Blüten habe ich im Gewächshaus. Dort steht noch immer im Topf der Ableger einer Herbstchrysantheme, den ich versehentlich bei Beetarbeiten abgebrochen hatte.

Wie schön bunt es im restlichen Garten ist, zeige ich euch gern in ein paar Herbsteindrücken vom Landgarten. Herbst-blues jedenfalls ist für mich ein Fremdwort, das steht fest.

11 Antworten auf „Mildes Wetter lässt Wintergemüse gedeihen.“

  1. Lieber Achim,
    ich finde dein Wintergemüsefieber sehr inspirierend und ansteckend (und deinen Blog richtig toll! Ich fand dich dank Saras Postings wieder und freue mich).
    Junge Erbsentriebe klingt ja spannend- stelle ich mir lecker vor, auf die Idee kam ich noch nicht!
    Ich hab‘ kein Gewächshaus, aber im Freiland ging es bei mir auch ganz gut mit Kohl. Blaukohl, Rosenkohl und Palmkohl hatte ich schon mal da bis etwa Dezember (dieses Jahr aber nicht). Das Hochbeet kann ich für Feldsalat mit einem alten Fenster zudecken und wenn es massig schneit im Jan/Feb kann ich innen Paprika und Andenbeeren säen. Dein Beitrag geht aber noch viel weiter und das find‘ ich klasse. Der Palmkohl ist sehr chic, eine hübsche Sorte. Der Zuckerhutsalat wirklich ansprechend aus! Hoffe er schmeckt so gut wie er ausschaut! Und sogar mit Bewässerung und Wärmesteinen. Da kann ja fast nix mehr schief gehen. Die Idee find ich super, ich kenne die Grabkerzen gegen den Frost oder Kerze im Tontopf, aber da braucht’s halt auch immer ’ne Flamme die brennen muss.
    Dann sage ich mal Danke für den schönen Rundgang! Jetzt hab‘ ich irgendwie Hunger. Selbstgezogen in richtiger Gartenerde schmeckt es halt am besten. Dir einen schönen und guten Wochenstart, Bianca

    1. Hallo Bianca, danke für dein Kompliment. Wenn du inspiriert wirst von den Wintergemüseaktionen, dann freut mich das besonders. Ich würde gern mehr Menschen von mehr Gemüse in mehr Monaten im Jahr anstecken. Erbsentriebe habe ich selbst noch nicht probiert, aber auch schon an anderer STelle gelesen. Ich habe noch ein paar übrige Erbsensamen von der normalen Frühlingsausasat, die stecke ich diese Woche gleich noch ins Gewächshaus. Schaden kann es ja nichts und die jungen Triebe sollen schmecken wie die Erbsen selbst. Also einfach mal probieren. Auch der Zuckerhut ist mein erster, er soll bitter sein, und man soll ihn schneiden und in warmes Wasser legen, dann verliert er das Bittere. Aber ich selbst mag eigentlich bitter, aber Volker nicht. Daher muß ich sehen, wie bitter er wirklich ist. Endivien soll man ja auch so behandeln, das war bisher bei meinem aber nie der Fall, dass er ent-bittert werden müsste.
      So Kerzen im Gewächshaus verwende ich schon auch, im Frühjahr in kritischen Nächten. Aber wie du sagst ist eben immer offene Flamme. Zudem brauchen die Gemüse jetzt im Winter ja nicht wirklich eine Heizung, eher einen Temperaturschwankungsausgeleich zwischen Tag und Nacht und einfach so eine minimale Abstrahlung wie meine Wärmepuffer abgeben bringt wirklich was, auch messbar mit dem Thermometer. Da ich das ja schon seit Jahren mache, habe ich da auch Erfahrungen sammeln können und weiß, dass es hilft. DAher mache ich mir die Mühe das im Herbst rein zu räumen und im Frühjahr wieder raus.

      Dir also auch eine schöne Woche und fröhliches Wintergärtnern, wünscht der Achim

      1. Herzlichen Dank Achim, das werde ich probieren! Bin jetzt auch echt neugierig auf den Zuckerhut! Mit bitter komme ich auch ganz gut klar. Mein Stiefvater zog immer bis spät ins Jahr riesige Endivienköpfe (so groß bekam ich sie nie). Wenn sie in die Küche kamen, lag teilweise noch Schnee auf den Blättern. Den schnitten wir in feine Streifen und wässerten ihn noch kurz. Dazu nur noch Kräuteressig/Öl, Salz Pfeffer, den liebte ich und konnte ihn in rauen Mengen essen. Das schafft kein Kopfsalat. Nochmals vielen Dank, ich habe dich verlinkt und werde dir folgen und freu mich sehr auf deine Berichte. Viele liebe Grüße und eine schöne Woche, Bianca

        1. Hallo Bianca,
          gut, Endivien habe ich eigentlich jedes Jahr, aber riesige Köpfe bekam ich dabei nie. Ist aber auch ehrlich gesagt nicht so schlimm, lieber ein Kopf eine Mahlzeit, als dass man den geernteten Kopf dann für ein paar Mittagessen verwendne muß. Ernte und verzehre lieber immer frisch. Ich mache ich immer ein Dressing aus gekochten Kartoffeln zum Endivien oder gleich einen „verheirateten“ Salat. Also in den (fränkischen) Kartoffelsalat Endivien fein mit rein geschnitten.

          Liebe Grüße, der Achim

          1. Hallo Achim, wieder so ein toller Tipp (Endivie mit Kartoffeln), ich sage nochmal danke und wünsche eine tolle Oktoberwoche! Viele liebe Grüße, Bianca

  2. Hallo Achim,
    na, ich sehe schon, der Herr Palme hat dich nachhaltig beeindruckt. 😉 Finde ich gut, hoffentlich hast du viel Erfolg mit dem Wintergemüse.
    Also, wenn du was aus dem Kalender haben willst, sag bescheid, ich kann sowieso nicht alles aussäen.
    VG
    Elke

    1. Hallo Elke, das kannst du laut sagen, seine Wintergartenidee hat mich voll gepackt. Auf Erfolg hoffe ich natürlich auch. Was sind es denn für Samen im Kalender? Möhren habe ich gesehen und eine gestreifte Tomate. Was sind die andren Monate, oder was kannst du nicht verwenden und gibst es ab?

      Liebe Grüße, der Achim

      1. Hallo Achim,
        das sind folgende Samen:
        Samenfolge: Spargelsalat Chinesische Keule, Tomate Green Zebra, Tomatillo Mix, Chinesische Gemüsemalve, Basilikum Rotblättrig, Radicchio Giulietta TT, Mairübe Golden Ball, Kopfsalat Trémont, Feldsalat Coquille de Louviers, Kerbel Verena, Karotte Jaune du Doubs, Rotkohl Amarant KS
        VG
        Elke

        1. Hallo Elke, vielen Dank für die Information. Radicchio und Spargelsalat klingen interessant, da ich sie auch im Wintergartenbuch gefunden und wie den Spargelsalat zum ersten Mal gesehen habe. Wenn du da ein paar Samen übrig hast würde ich mich in der Tat darüber freuen.

          Liebe Grüße und eine schöne Zeit wünscht der Achim

          1. Hallo Achim,
            das muss ich mir aufschreiben, damit ich es mir merken kann bis es soweit ist. Der Spargelsalat kommt ja als erstes dran. Sollten wir uns in Dennenlohe sehen, bringe ich den mit. Und jetzt schaue ich mal in meinem Wintergemüsebuch, ob ich was zum Spargelsalat finde.
            VG
            Elke

          2. Seite 88 ff im „frisches Gemüse im Winter ernten“ Buch. 😉
            Dennenlohe würde ich jetzt noch nicht versprechen wollen, bin ja leider kein Autor und daher in der eingeschworenen Clicke eher nur belächelt als willkommen. Aber es gibt ja noch den Postweg. Kannst du vielleicht von den Glückskleerübchen im Gegenzug etwas gebrauchen? Habe da schöne Brutknöllchen und die kannst du sogar, wie ich diesen Sommer , im Topf kultivieren. Sie blühen schön und die Wurzeln kann man essen.
            Schöne Gartentage und viele Grüße, der Achim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.