REFRESH YOUR GARDEN – eine Gartenbuch-Rezension

Wie hauche ich einem (eingewachsenen) Garten wieder neues Leben ein? Nick Bailey begleitet im Buch „REFRESH YOUR GARDEN“ Ulmer-Verlag, den Gärtner dabei Schritt für Schritt. Egal ob neu erworbener Garten oder lange benutzter Familiengarten.

Garten-Pflanzen-Mensch, eine Beziehung im Wandel

Für den englischen Autor, Moderator und Landschaftsbauer Nick Bailey ist Garten „unablässige Weiterentwicklung“ wobei zwischen den Pflanzen, dem Garten und seinem Menschen ein „vielschichtiges, ganz persönliches Beziehungsgeflecht“ entsteht.

Wandel und Beziehung sind wichtige Begriffe, wenn das Buch richtig verstanden werden soll. Das kann der Wandel durch die Beziehung sein. Der Mensch wechselt etwa, was bei Verkauf oder Vererben der Fall sein kann. Oder der Mensch ändert seine Bedürfnisse an den Garten oder Vorstellung von dem Garten. Der Wandel kann genauso von der Veränderung in der Umwelt hervorgerufen werden. Denken wir an schattenwerfende Neubauten in der Nachbarschaft oder den Klimawandel.

Selbst wenn der Mensch im Garten nichts mehr macht, wandelt sich der Garten zurück zu Natur. Bailey sagt von sich selbst, dass er seit über 3 Jahrzehnten Gärten davor bewahrt, den Schritt zurück zur Wildnis zu gehen. Das alles fußt also auf einem Grundverständnis vom Garten als bewusst vom Menschen strukturierter, gestalteter und indidvidualisierter Fläche mit Pflanzen und festen Elementen. Es geht hier nicht um das heute so verbreitete und absichtlich geförderte Verwildern von gestalteten Gärten im Rahmen irgendwelcher Vorstellungen von Naturschutz.

Das Mammutprojekt der Gartenerneuerung Schritt für Schritt

Einen so gewachsenen, vielleicht sogar zum Teil verwilderten Garten wieder zu beleben ist umfangreiches Projekt. Hier kommt das Buch „REFRESH YOUR GARDEN“, übersetzt aus dem Englischen und erschienen im Ulmer-Verlag gerade recht.

Wie bei solchen Aufgaben üblich, ist es hilfreich das Unterfangen in einzelne Schritte und die wiederum in sinnvolle Abfolgen zu unterteilen.

Bestandsaufnahme im Garten

So geht es also auch im Buch zuerst um die Bestandsaufnahme im Garten. Das Kennenlernen von Lage, Bodenbeschaffenheit und Struktur oder seinen Pflanzen. In Kurzportraits werden gängige Sträucher oder Stauden und Zwiebelpflanzen beschrieben. Zur Hilfe bei der Bestandsaufnahme im Garten.

Sehr schön ist hier der Abschnitt mit der Überschrift „Wildkraut oder Gartenpflanze“. Gerade im eingewachsenen Garten findet der Gärtner massig keimende Pflanzen in den Beeten. Was ist nun der Sämling einer schönen Staude und sollte erhalten bleiben? Was ist lästiges Beikraut und kann entfernt werden? Die Fotos der Beete mit den Sämlingen gefallen mir besonders und sind sicher manch einem (neu)Gärtner sehr hilfreich.

Die Gartenerfrischung

Nach der Identifizierung werden gerade Sträucher und Gehölze näher betrachtet. Gibt es Krankheiten oder Schädlinge, die eine Widerbelebung sinnlos machen? Können gezielte Schnittmaßnahmen sie wieder zu ansehnlichen Blickfängern im Gesamtkonzept werden lassen? Gerade bei blühenden Sträuchern oder Rankgewächsen ist der Verjüngungsschnitt korrekt durch zu führen. Hier findet man gute Anleitungen dazu.

Den Garten bewusst gestalten.

Eine für meinen Geschmack etwas zu kurz gefasste Übersicht über verschiedene Gartenstile kann dem Gärtner ebenfalls helfen, sein Konzept für den Garten in eine konkrete Richtung zu lenken. Hier ist sicher noch weitere, spezialisierte Literatur von Nöten.

Überhaupt kann natürlich ein einzelnes Buch bei derart großen und umfangreichen Projekten nicht jeden Schritt, jede Tätigkeit oder Entscheidung detailliert aufführen und erklären. So wie auch nicht in jedem Garten jedes Thema bei der Umgestaltung akut sein wird. Bailey reißt hier sehr viel an und beschreibt das dann aber sehr fachlich und praxisbezogen. Oftmals genügen, gerade einem eher erfahrenen Gärtner, solche Kurzbeschreibungen. Alles andere ergibt sich daraus. Genügen diese nicht, hat man genügend Stichworte für eine weitere und konkrete Recherche zu dem Thema. Daher mag ich persönlich solche Bücher, die mir einen Überblick verschaffen und ich dann selbst weiter in der für mich in Frage kommenden Richtung lesen werde. Gleichwohl ist die Anleitung konkret genug, um erste Schritte sofort zu beginnen. Die Entschlossenheit und Kraft eines Beginns soll ja nicht ausgebremst werden.

Hilfreich hier im Buch sind auf alle Fälle die Pflanzenvorschläge für spezielle Begebenheiten die man oft in den Gärten wieder findet. Sei es eine trockene Südmauer oder die schattige Nordmauern. Welche Pflanzen, kann man am Fuße einer Hecke verwenden oder als Raumteiler einsetzen? Auch die Designtipps zu Farbe und Proportion, zur Materialverwendung oder optischen Tricks sind immer wieder und für jeden Garten von Nutzen.

Hilfsmittel für uns Laien in der Gartenplanung

Gerade für eine generelle und strukturelle Planung gefiel mir die Idee von Transparentpapier über den Fotos des zu gestaltenden Bereiches. Auf dem Papier kann man zeichnerisch vorwegnehmen, was man gedanklich überlegt hat. Und es genau so schnell wieder verwerfen, ohne immer eine ganz neue Zeichnung anfertigen zu müssen. Bleistift und Radiergummi helfen, die Pläne immer besser der vorhandenen Grundlage an zu passen.

Weil auch in unserem seit etwa 60 Jahren bestehenden Garten immer wieder etwas weiter zu entwickeln ist, habe ich das gleich für ein neues Projekt genutzt. So soll vor den Nebengebäuden eine Pergola für Wein errichtet werden und der dahinter liegende mediterrane Platz an Umfang gewinnen.

Ein lohnendes Gartenbuch für alle die…

Für mich hat sich das Buch jedenfalls schon gelohnt.

Und wem könnte das Buch noch gefallen?

Auf alle Fälle ist das Buch gedacht für Menschen mit einem Garten, der schon länger besteht. Wobei es nach Bailey egal ist, ob „sie schon ihr ganzes Leben lang gärtnern oder gerade erst beginnen“. Auch kommt es nicht darauf an, ob das ein Garten in der Stadt oder ein kleiner, verwunschener Park auf dem Land ist.

Manches, so meine ich, kann man sich auch zu Nutze machen, wenn man einen eingewachsenen und leicht verwilderten Schrebergarten bekommt und den „auffrischen“ möchte. Oder Gärtner, die nur einen oder mehrere Bereiche oder Problemzonen ihres Gartens verändern möchten. Manchmal ist eine Verjüngung und Erfrischung ja nicht überall nötig.

Ich denke, das Buch ist auch für Menschen, die Altes und Ehrwürdiges, Gewachsenes schätzen und doch nicht in der Vergangenheit verankert sind. Menschen die die ganz besondere Atmosphäre eines eingewachsenen Gartens erkennen und erhalten wollen.

Für Menschen die gärtnern und gestalten wollen, ihr Paradies nach ihren Bedürfnissen und ihrem Geschmack bewusst gestalten.

Wie wir unseren Garten seit fast 10 Jahren „refreshen“.

Somit ist es ein Buch für Menschen, die die Arbeit im Garten nicht scheuen und es angehen wollen. Denn Arbeit macht so ein Projekt anständig und das über Jahre hinweg. Ich weiß das! Wer sich einmal ansehen will, was bei einer Refresh-Aktion alles gemacht werden kann oder muss, dem empfehle ich meinen Blog hier oder meinen Beitrag von vor zwei Jahren. Unser Garten und wie er entstand, was er wurde und was wir daraus (bis jetzt) gemacht haben.

4 Antworten auf „REFRESH YOUR GARDEN – eine Gartenbuch-Rezension“

  1. Hallo Achim,
    die Idee vom Laubengang, mit Wein berankt, finde ich toll. Das passt dort auf jeden Fall gut zu den vorhandenen mediterranen Pflanzen.
    Einen alten Garten zu refreshen finde ich eine spannende Aufgabe. Das hatte ich bisher nur einmal bei meinen bisherigen Gärten.
    LG Sigrun

    1. Hallo Sigrun, ja das Klima gibt mehr und mehr die Art der Bepflanzung vor. Es wird auch wieder Schotter/Split geben mit der passenden Bepflanzung. Auch das wird im Buch behandelt, dass man seinen Garten und das (Klein) oder (Mikro)Klima darin sehr gut kennen sollte und wie man es beobachten kann .Ich habe ja mittlerweile 10 Jahre Erfahrung in meinem Garten und kann das mittlerweile gut einschätzen. Vielleicht schaffen es ja ein paar Bilder hier in den Blog.

      Liebe Grüße, Achim

  2. Hallo Achim,
    genauso habe ich es damals auch gemacht, als unser neu erworbener Garten umgestaltet werden musste: Foto mit der Perspektive aus der oberen Etage ausgedruckt und mit Transparentpapier drauf rum gemalt. So geht es wirklich am besten.
    Hoffentlich finden sich viele Neu-Gartenbesitzer, die das Buch beherzigen und nicht alles einfach mal schnell rausreißen, was schon da ist. Denn eingewachsene Bäume, die Schatten spenden, sind gar nicht hoch genug zu bewerten in diesen Hitzesommern.
    VG
    Elke

    1. Hallo Elke, und ist dein Garten dann so geworden, wie du es gezeichnet hast? Das Buch ist wirklich sehr interessant, man findet auch für den eigenen Garten, den man vielleicht schon Jahre versorgt dieses und jenes Hilfreiche. Ich jedenfalls habe nun schon die Wisteria brachybotrys Okayama bestellt. Mit den zwei schon seit 2 Jahren vorhandenen Weinreben gibt es nun keine Ausrede mehr. Der Laubengang muss errichtet werden in 2021. Ich sag ja, für mich hat sich das Buch schon gelohnt 😉
      Viele Grüße, der Achim

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