Vom Pessimismus, der Hoffnung und einem Birnbäumchen

Birnbaum Garden Pearl

Der schwarze Lord ist ein ewiger Pessimist, heisst es. Er selbst sieht sich aber durchweg als positiven Menschen. Da kommt die Unterhaltung mit dem weißen Lord gerade recht.

Der Frühling lockt in den Garten

Nach einem bemerkenswert harten Wintereinbruch im Februar kam mindestens so heftig und schnell der Frühling. Temperaturen von zwanzig Grad und herrlicher Sonnenschein. Dass sich der schwarze Lord da nicht mehr drinnen aufhält, ist selbstverständlich. Und wie viel Spass macht bei so einem Wetter das Aufräumen im Garten. Die Vorbereitungen auf die Saison sind in vollem Gange und machen große Fortschritte.

Heute wurde sogar ein kleiner Baum gepflanzt. Es ist eine Birne und sie steht im leicht erhöhten Staudenbeet bei der Hausterrasse. Ein Birnbaum im Blumenbeet? Genau, das ist schon richtig so. Der Lord hat die langen und dunklen Wintermonate für Recherchen und Träumerein in den Katalogen genutzt und – neben anderen Obstzwergen – diese Birne erstanden. Was für einen schönen Namen sie trägt: „garden pearl“. Noch viel interessanter ist ihre letztendliche Wuchshöhe. Das Bäumchen wird gerade einmal eineinhalb Meter hoch. Und während andere Menschen frühjahrsblühende Sträucher in die Staudenbeete setzen, macht der Lord das mit einem Obstbaum. Der blüht ebenso schön und trägt auch noch essbare Früchte.

Und dann noch eine Birne. Das ist an eben diesem Platz im Garten von besonderer Bedeutung. Stand doch dort bis vor wenigen Jahrzehnten ein riesiger Wildbirnenbaum. Wie groß derlei Pflanzen werden können, ist sicher bekannt. Er war alt und ein Sturm fällte ihn der Länge nach in Nachbars Garten. Nun, das Problem wird der neue Birnbaum, ein paar Meter weiter südlich gesetzt, nicht bereiten.

Zufrieden mit seinem Tagwerk schlendert der Gärtner also durch seinen Landgarten und läßt sich schließlich draußen vor dem Eingangstor auf der leuchtend blauen Bank nieder. Den Blick Richtung Dorf, den großen Weiher und die untergehende Sonne gewendet. In Gedanken vertieft erschrickt er mächtig, als etwas großes und weißes von links Hinten knapp an ihm vorbei fliegt. Puh. Es war nur ein Huhn der Nachbarin, das draußen vor deren Grundstück die dickeren Würmer in der Wiese vermutet und regelmäßig dem laut quäkenden Chef, ihrem Hahn, davon läuft.

Viel gemächlicher kommt nun von rechts in federnden, kleinen Schritten, aber strikter Zielgebung eine Katze der Nachbarin vorbei. Den Blick stur in Richtung Zuhause gerichtet.

Der Lord in Feierabendstimmung und diversen Gedanken nachhängend folgte der eleganten Erscheinung ein wenig mit den Augen und bemerkte zuerst gar nicht, was nun wieder von unten vom Dorf her auf ihn zukam. Auf einmal stand er da, der weiße Lord.

Genau genommen, die gerade sehr rege Phantasie unseres schwarzen Landlords beiseite lassend, handelte es sich allerdings eher um den Pfarrer auf seinem Abendspaziergang.

Schwarzer und weißer Lord kommen ins Gespräch.

„Hallo und guten Abend, begann dieser die Unterhaltung. Ich wollte sie nicht erschrecken. Sie sind in Gedanken vertieft? „

„Ja, entschuldigen sie, ich habe sie in der Tat gar nicht bemerkt. Mir gefiel die Katze, die hier vorbei kam und ich war versunken in ein paar Gedanken, bei denen ich einfach nicht weiter komme. „

„Wollen sie mir von ihren Gedanken berichten? Vielleicht kann ich ihnen weiter helfen, bot das Gegenüber seine Aufmerksamkeit und Zeit an. „

Der Lord erzählte nun so kurz dies bei so weitreichenden Gedanken möglich ist dem anderen Lord davon, wie er es nicht verstehen kann, warum er immer wieder und wieder als Pessimist, also als etwas durchweg Negatives, bezeichnet wird. Dass er sich doch glücklich schätzen soll und nicht immer alles schlecht sehen darf.

Ist der schwarze Lord ein ewiger Pessimist?

„Schauen sie,“ führt der Lord seine Rede fort, „ich freue mich gerade sehr über mein erfolgreiches Tagwerk. Ich habe einen Baum gepflanzt, obwohl vielleicht die Sommer weiter heiß und dürr bleiben. Ich genieße meinen Garten und die Zeit darin. In den Topfplatten sind schon zig der ersten Gemüsesamen ausgebracht und im Gewächshaus habe ich trotz etlicher harter Frostzeiten diesen Winter, viel Salat und andere Gemüse gepflegt. Die kann ich bald schon ernten. Sagen sie selbst, ist das die Gedankenwelt und Handlungsweise eines Pessimisten? Hätte der nicht vor den ersten Frösten oder gar den Superfrösten vor ein paar Tagen seine Pflanzen aufgegeben? Es würde doch ohnehin nichts bringen. Warum da noch Vlies darauf decken und noch eine zweite Lage und die anderen Pflanzen alle in die Gebäude räumen? Würde ein Pessimist das machen? Und übrigens, mein Handeln war erfolgreich und alles hat überlebt. Bin ich nicht eher positiv gestimmt? Also ein Optimist? „

„Da haben sie vollkommen Recht, wie aber kommen die anderen Menschen dann auf die Idee, sie als Pessimist zu titulieren?“

„Das kann ich ihnen, so glaube ich, sagen. Diese Reaktionen kommen immer dann, wenn ich etwa im Sommer mir Sorgen um die immer zunehmende Trockenheit mache. Dass ich befürchte, die viele Arbeit im Frühjahr, zum Beispiel mit dem Gemüse, könnte umsonst gewesen sein, wenn die Pflanzen verbrennen oder vertrocknen und nicht wachsen können. Oder wenn ich über diverse Schädlinge wie Nacktschnecken oder Erdflöhe schimpfe, die mir großen Schaden an den Pflanzen anrichteten. Oder oft hatte ich Sorge, viele Terminarbeiten im Garten nicht zu schaffen, weil ich wegen der Arbeit damals kaum Zeit übrig hatte.“

Nach noch einigen weiteren Beispielen legte der Pfarrer beinahe erschrocken die Stirn in Falten. Ihm war nicht wirklich bewusst, was es bedeutet, so eine großen und gepflegten Landgarten in Schuss zu halten und erfolgreich ausreichend Gemüse für die Selbstversorgerei zu ernten.

„Das klingt wirklich ernst und manches auch besorgniserregend, welche Schwierigkeiten sie für den Garten umschiffen müssen. Aber wenn das seit so vielen Jahren so ist, wenn das wohl auch für einen Garten üblich ist, sie aber dennoch weiter gärtnern, gar mit viel Erfolg, wie ich immer wieder sehe, dann muss ich sagen, sind sie kein Pessimist. “

Bei dem Stichwort Erfolge setzt der Lord sofort ein. Denn ja, er hat sie, aber eben nur, weil er die Dinge, die ihn und seinen Garten gefährden, sieht, vorher sieht und dann entsprechend handeln kann und das auch tut. Die Erfolge kommen auch, weil er die Übel nicht einfach hinnimmt, sondern sich , seine Haltung, sein Handeln und seine Vorstellungen vom Garten anpasst.

„Sehen sie, Herr Pfarrer. Anfangs wollte ich einen Garten im englischen Cottage-Stil. Alle Stauden die ich also pflanzte, fraßen die Schnecken oder sie verdorrten. Dann pflanzte ich Neue. Nicht die selben sondern welche, die mir gefielen und, ganz wichtig, die von Schnecken nicht gemocht werden. Die gibt es nämlich sehr wohl. Wenn so eine Staude dann auch noch Trockenheit verträgt, musste sie quasi in meinen Garten. Ob sie wollte oder nicht. Und sie wollten. Vielen gefiel es so sehr, dass sie sich überall selbst aussäten. Die witzigsten Pflanzengesellschaften und Blüten-Farbkombinationen entstanden von ganz allein. Weil ich es als so schwierig empfand, überhaupt etwas hier zum Wachsen zu bringen, lies ich diese meist stehen, auch wenn der Standort nicht immer für mich praktisch war. So blühte es überall im Garten auch wenn ich wenig Zeit für den Ziergarten hatte und es trocken war. Mittlerweile weiß ich gar, dass diese Art zu Gärtnern einen eigenen Namen trägt. Blackboxgardening nennt sich das. Auf dieses Pferd setze ich zunehmen mehr, also Pflanzen mit den genannte Eigenschafte und zusätzlich selbst aussähend und sich vermehrend. Der Erfolg gibt mir recht. An besonders schwierigen und extrem trocken Stellen im Garten begann ich Schottergärten mit einheimischen, jedenfalls hübsch bunt blühenden Stauden für meine Auge und die Nahrung der Insekten an zu legen. Statt der in Hobbygärtnerkreisen verpflichtenden Hostasammlungen, die Schatten und Wasser benötigen, sowie die Laibspeise von Schnecken sind, habe ich eine Sammlung winterharter Kakteen. “

Weder Pessimist, niemals Optimist. Der Lord ist aber…

Der weiße Lord wartete schon ganz ungeduldig auf das Ende des Redeflusses vom begeisterten schwarzen Lord, um ihm zu sagen, dass er eines auf keinen Fall ist, ein Pessimist. Allerdings, so fährt er mit einer kleinen Pause fort, auch niemals, wie dieser meinte, ein Optimist.

Das erschreckt und wundert unseren schwarzen Lord in seiner enthusiastischen Ausführung seiner Gartenerfolge. „Was bin ich denn dann? Das müssen sie mir jetzt aber wirklich verraten!“

„Ja, sie haben keinerlei Optimismus. Sie sind ein Mensch, erfüllt von Hoffnung! Hoffnung wiederum hat mit Optimismus nichts gemein.“

Der Lord ist zwar ein wenig erleichtert, immerhin scheint er ja etwas Positives zu sein. Dennoch kann er mit der Aussage des Pfarrers noch nicht wirklich etwas anfangen, was die folgende Erklärung rasch ändert.

“ Sehen sie,“ beginnt der Pfarrer seine Ausführungen “ Optimismus heißt schlicht weg: Rosarote Brille. Ein Optimist lässt sich selbst von Fakten (ihr trockener Boden, die Schnecken oder andere Hindernisse) nicht beeindrucken. Er setzt seine rosarote Brille niemals ab. Der Optimist glaubt immer, dass Es sich schon einrichten wird und gut ist, wie es ist.“

„Genau das verlangen diese Menschen ja auch von mir. Ich sei quasi zu immerwährendem Freuen über den Garten verpflichtet. Sorgen und Probleme werden übertüncht von dieser stumpfsinnigen Pflicht zur Heiterkeit ob meines Geschenkes vom Schicksal oder vom Leben. Ich freue mich, bin dankbar. Wenn ich aber nichts unternehme, mich um mein Geschenk nicht kümmere und sorge, werde ich nicht lange etwas zum erfreuen darin haben. Wer würde von einer Mutter verlangen, sich einfach nur zu freuen, dass sie ein Kind hat und ihr untersagen, sich zu sorgen und zu kümmern. Gefahren ab zu wenden und für seine Gesundheit und sein Wohl zu kämpfen? Wäre ich also ein Optimist, was ich wohl irrtümlicher Weise glaubte zu sein, würde ich mich nur freuen, egal was kommt? Ich hätte nicht im ganzen Garten Bewässerungssysteme installiert, weil ich neben dem Garten auch das Geschenk eines ergiebigen Brunnens am Grundstück bekam. Ich hätte meine Pflanzenauswahl nicht angepasst. Mich einfach nur gefreut, weil das schon alles gut gehen wird?“

„So ist es“ grinst der Pfarrer “ Terry Eagleton, Literaturthoeretiker seines Zeichens, sagte einmal: der Optimist sei an seine Heiterkeit gekettet, wie der Galeerensträfling an sein Ruder“.

Als Optmist wäre das Leben leichter, aber niemals besser.

„Das ist ein sehr gutes Bild von diesem stumpfen und ewig gleichen , enthusiastischen Freuen der Optimisten. Naja, einfacher wäre es schon gewesen als so ein optimistischer Charakter. Ich hätte mir viel Aufwand erspart. Die ganzen Recherchen zur Bewässerung, und den passenden Pflanzen. Das Vertiefen in die Bodenpflege, der dann die Feuchtigkeit besser speichert. Das Lernen über die Wintergemüse. Gerade mit der Methode habe ich viele Gemüse länger und früher im Jahr. Im aller zeitigsten Frühjahr frischen Salat aus dem Garten war immer ein Traum. Ich habe mich in den Anbau auch im Winter und damit zeitigen Frühjahr eingearbeitet, probiert, verbessert. Ich hab mein Gewächshaus jetzt 12 Monate im Jahr in Benutzung und ernte somit sicher 10 Monate im Jahr frisches Gemüse. Trotz der ganzen Schwierigkeiten. Wäre ich nur ein Optimist, hätte ich das alles nicht gemacht, oder? “

„Und das, ganz genau das ist die Hoffnung, mein Freund und Gärtner. Optimisten wie Pessimisten lassen nichts anderes zu, als ihre eigene, immer einfarbige rosa oder graue Weltsicht. Sie freuen sich oder sie grämen sich, aber eines tun sie nie: um sich blicken, erkennen, wahrnehmen und handeln. Die Hoffnung dagegen ist etwas anderes. Hoffnung bedeutet Wissen, sie muss analysieren und sie ist eines: immer unzufrieden mit der Situation. Und ich glaube das ist es. Sie sind auch immer unzufrieden mit der Situation, wollen etwas verändern. Ändern zum Guten. Die Unzufriedenheit allerdings wird ihnen wohl dann als Pessimismus vorgehalten. Vielleicht sind diese anderen ja Optimisten. Die kennen nur ihre heile, rosa Welt. Sie nehmen die Realität nicht in ihrer Komplexität war, blenden wichtige Teile aus. Sie kämen nie auf die Idee zu verändern. Daher verstehen sie Ihre Haltung und ihre eigentlich positive Unzufriedenheit nicht. Es ist ja eine Unzufriedenheit mit negativen Dingen. Und was gibt es Positiveres, als diese Dinge ändern zu wollen. Wieder ein Beleg, dass es wahre Hoffnung ist, was sie erfüllt.“

Der Lord freut sich. Denn genau das ist er in der Tat. Er liest ständig in den unterschiedlichsten Quellen, informiert sich und lernt. Er lernt aus seinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen genau wie er aus den Mitteilungen anderer in all den Publikationen, Fachliteratur und sonstigen Texten oder Unterhaltungen. Immer getrieben von der Hoffnung, alles für alle noch besser zu machen in seinem Garten. Für sich, die Natur, die vielen Tiere und auch Pflanzen, die in seinem Paradies wohnen.

„Ja und ich kann nicht still das sitzen und warten, dass Es sich schon richten wird. Das ist mir zu wenig, das ist zu ungewiss. Meistens richtet es sich eben nicht von selbst. Ich kann als Mensch zwar auch nicht alles richten, aber, so glaube ich, ich muss aktiv werden, anfangen, dann, nur dann hilft mir Gott. Und plötzlich richtet Es sich doch. „

Schillers Sehnsuchts-Gedicht: vielleicht ist es Hoffnung, nicht Sehnsucht?

Der Pfarrer, sichtlich erfreut, den Lord so gut eingeschätzt zu haben und ihm klar gemacht zu haben, was er nun wirklich ist, betont es abermals:

„Das ist Hoffnung. Hoffnung, wie sie im Lehrbuch steht. Und, haben sie nicht erst kürzlich, unbewusst genau davon in ihrem Blog bei der Interpretation des Schiller-Gedichtes geschrieben? Steht da nicht: du musst glauben, du musst wagen, den die Götter leihn kein Pfand? Ja, ich gestehe, ein Fan ihrer Texte, Gedanken und wunderschönen Bilder aus dem Garten zu sein. Und wenn ich unsere Unterhaltung hier und heute so verfolge, könnte statt Sehnsucht auch Hoffnung über dem Gedicht stehen.“

Der sichtlich geschmeichelte Lord erwidert nur: “ Glauben – oder hoffen? – und dann wagen. Rein in den Nachen, das Boot und ab ans andere Ufer zu den ersehnten grünen Hügeln. “

„Das zeichnet einen Hoffenden aus“ ergänzt der weiße Lord. „Sehen sie, ein Optimist freut sich auch über das Boot. Er steigt vielleicht auch ein, aber dann treibt der reißende Strom ihn ab, flussabwärts, immer weiter fort. Der Hoffende dagegen, sieht die ewig jungen Hügel und genauso sieht er den reißenden Fluss. Dessen Wellen sind gehoben , dass die Seele ihm ergraust. Sie mein Freund sehen die Wellen und die Strömung, sie sehen, dass der Fährmann fehlt und sie selbst steuern müssen. Dass sie sich nicht einfach freuend treiben lassen dürfen, sondern alle Anstrengungen unternehmen, das ersehnte Ufer zu erreichen. Sie umschiffen die Gefahren, seien es Flöhe, Schnecken oder Dürren. Weil sie ins Boot gestiegen sind und rudern, das alles im Blick habend, darum erreichen sie ihr Ziel. Ihr Hoffen und Streben wird belohnt durch das Wunder, das sie trägt.“

„Ich gelange zu den Hügeln, ja. Allerdings: ewig jung und ewig grün. Das ist Wirklichkeit gar nicht mehr mein Geschmack. Ich liebe die Abwechslung die ewigen Rhythmen, unsere Jahreszeiten, das Wachsen und Gedeihen, das Fruchten, Blühen und Reifen, genau wie das Vergehen und dann den Neubeginn. Mir gefallen neuerdings auch die trockenen und steinigen Hügel. Meine Stein- und Schotterbeete. Die sind so bunt, so lebendig, so vielfältig. Sie passen zur Zeit und zu meinem Garten. Sie passen zu mir. Dagegen erscheinen mir, die von mir ehemals präferierten englischen Cottage-Beete geradezu plump und vor allem den veränderten Umständen, genannt Klimawandel, nicht mehr passend. Vielleicht ist das einfach nur Optimismus, solche Beete und Stauden heut zu Tage, sich in den Garten zu holen. Die rosarote Brille verhindert, das zusehen, was sich verändert hat, was nicht mehr zu dieser Gestaltung passt. „

Hoffnung sieht die Abgründe und handelt.

„Und ihr Erfolg gibt ihnen Recht. Ein Grund, sich zu freuen. Lassen sie mich noch kurz zur Hoffnung an sich etwas bemerken. Der hoffende Mensch macht es wie sie, er analysiert, kalkuliert das Für und Wieder, die Erfolgsaussichten. Und er bezieht daher auch immer die Möglichkeit des Scheiterns mit ein. Weswegen sie wohl leichtfertig als Pessimist verrufen werden. Was sie beileibe nicht sind. Diese Kategorien von Optimismus und Pessimismus werden ihnen nicht gerecht, können einen Hoffenden nicht beschreiben. Der Hoffende sieht wohl die Abgründe und Schwierigkeiten. Des Flusses Wellen sind gehoben, dass die Seele ihm ergraust. Nur so wird einem hoffnungserfüllten Menschen erfolgreiches Handeln möglich. Der Optimist dagegen sieht überhaut keine Veranlassung zum Handeln. Er ist mit Freuen beschäftigt. Der Hoffende hat diese Unzufriedenheit mit seiner Situation, die ihn antreibt. Wie im Gedicht , dieses Tales Gründe, die der kalte Nebel drückt. Und er sucht Lösungen: könnt ich doch den Ausgang finden. Ein Pessimist würde gar keinen Ausgang suchen wollen, weil er weiß, dass es diesen nicht geben kann. Und der Optimist würde sich wieder einmal freuen. In seinem nebligen Tal, aber mit der herrlichen Aussicht auf die schönen Hügel.“

Hoffnung ist flexibel und immer real, nie utopisch.

„Ich danke ihnen von Herzen Herr Pfarrer. Sie haben mir wirklich die Augen geöffnet, ich bin jetzt wirklich weiter mit meinen Gedanken. Ich bin kein Pessimist und schon gleich kein Optimist. Ich will auch niemals ein Optimist sein. Das wäre mir zu flach, zu wenig vielschichtig und zu einseitig und nicht bunt genug. Nicht real genug, dafür aber einfach nur langweilig. Das wäre niemals ich. Ich sehe mein Ziel, ich sehe die Hindernisse auf dem Weg dorthin oder ich sehe Gefahren und Ungerechtigkeiten. Ich navigiere um sie herum oder entferne sie, fast immer zum guten Ergebnis. Ich hoffe auf das Wunder, das mich in mein schönes Wunderland trägt. Gleichzeitig weiß ich wohl, was möglich ist – auch wenn man ein Wunder dafür benötigt. Das Unmögliche wäre nie mein Ziel. Zum Beispiel die grünen Hügel bevölkert von romantisch verklärten weißen Einhörnern. Also passe ich Ziel und Weg an, taste mich Schritt für Schritt voran. Im Garten hatte ich erst schneckenresistente Pflanzen, dann welche die auch die Trockenheit mögen. Dann merke ich dass die sich gern selbst inszenieren und die Gesellschaften gern auf steinigen, warmen Hängen wohnen. Diese Hänge sind nun mein Ziel. Dafür steige ich in den Nachen und hoffe auf ein Wunder, das mich trägt.“

Hoffnung will verändern.

Der Pfarrer kommt noch einmal auf die der Hoffnung innewohnende Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation zu sprechen. „Sie fühlen bestimmt auch immer diesen inneren Drang, die Welt zu verbessern. Und bestimmt haben sie, als vermeintliche Pessimist, oft das Beispiel mit dem halb vollen Glas zu hören bekommen. Ja der Optimist sieht es halb voll. Sie aber sehen, dass sie selbst zwar Wasser haben, andere aber nicht. Menschen in anderen Ländern oder nur ihre Pflanzen vor der Haustüre. Der Optimist freut sich über sein Wasser, der Pessimist ärgert sich über den Verlust des halben Inhaltes. Sie aber, der Hoffende, brauchen Aktion, Revolution. Sie wollen die Situation verändern. Wissen sie, Hoffnung ist eben der Wunsch nach Veränderung der Situation, etwa ihres vertrocknenden Gartens, und auch der ganzen Welt. „

„Stimmt, daher zeige ich immer wieder, wie man mit der Natur gärtnern, ernten und genießen kann nicht, gegen sie. Zeige, wie man etwa Kreisläufe im Garten schafft mit Kompost und Mulch, statt wertvolle Rohstoffe zu Entsorgen. Wie wertvoll eigenes Gemüse ist, nachhaltig und gesund. Ich zeige was man daraus macht, dass man nichts verschwenden muss. Will anregen aktiv und bewusst im Rhythmus der Natur, deren Teil wir sind, zu leben. Damit der Natur und unserer Zukunft etwas Gutes getan wird. „

“ Ich sehe, wenn sie das nächste Mal als Pessimist degradiert werden, macht ihnen das nicht mehr so viel aus. Sie wissen, was sie wirklich sind und wie viel mehr Wert sie sind, als jeder Optimist, der sie laut deren Meinung lieber sein sollten. “ Klopft sich der Pfarrer ein bisschen stolz, dem Lord geholfen zu haben, auf die Schulter.

Die Gegenspielerin der Hoffnung:

„Optimsmus und Pessimismus, Hoffnung und…? Was ist eigentlich der Gegenspieler der Hoffnung? Gibt es den oder die? “ Fragt sich der Lord gerade.

„Klar“ kontert der Pfarrer „Antagonist der Hoffnung ist immer die Furcht. Der Optimismus kennt nur die rosa Welt. Der Pessimist nur die Graue. Dagegen sieht der Hoffende immer neben dem Gelingen auch den Misserfolg. Die Furcht kennt nicht nur die Gefahren, sie weiß dennoch, dass ein Erfolg möglich ist. Wie die Hoffnung das Scheitern einschließt, beinhaltet die Furcht auch das Gelingen. Sie ist wie die Hoffnung eben vielschichtig. „

Die Hoffnung bringt den Hoffenden voran.

„Eine wirklich interessante Angelegenheit das Ganze. Und wenn ich es recht überlege, so habe ich seit jeher die Hoffnung in mir. Sehr viel Hoffnung. Sie ist es, die mich mein ganzes Leben antreibt. So sehr treibt, dass ich diese Haltung, die ich jetzt beim Namen nennen kann, in der Tat oft verfluchte. Wünschte, sie würde mich in Ruhe lassen. Aber sie wäre ja keine Hoffnung, hätte sie das je getan. Und ich weiß, was damit gemeint ist, wenn einer sagt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Stirbt sie wohl jemals? Wie oft im Leben war ich in Situationen oder Zeiten wo alles zu viel war, kein Ausweg in Sicht. Immer, immer, immer habe ich mir gedacht – habe ich gehofft – dass es wieder besser wird. Dass es anders wird. Immer bin ich irgendwie aktiv geworden wo andere in Passivität verharren. Habe alles abgearbeitet, habe das erledigt, was eben anstand. Egal wie sehr mir die Seele dabei ergrauste. Und das tat sie oft. Und immer wurde es wieder anders und auch besser. “

„Handeln hilft wirklich und die Hoffnung oder eben der Glaube, dass die Götter wohl kein Pfand leiht, aber doch für dieses oder jenes tragende Wunder sorgen. „

„Aber Herr Pfarrer, das aus ihrem Munde? “ schmunzelte der scharze Lord. Sicher zitierten sie lediglich Herrn Schiller, als sie von „den Göttern“ sprachen“ Der Pfarrer musste lachen, wollte den Lord aber gerade nicht in seinem Gedanken unterbrechen:

Was einen Hoffenden vernichten kann:

„Handeln ja, das muss ich wirklich. Wie schlimm waren die Zeiten und Situationen, wo ich nicht handeln durfte, nicht handeln konnte. Das Übel sehen, den Strom, die Wellen. Das gefühlt der ergrausten Seele zu haben. Auch vielleicht schöne Hügel erahnend, aber mit gebundenen Händen zur Passivität, zum Aushalten gezwungen. Das ist für einen Hoffenden schier zerstörend. So stark ist der innere Antrieb zur Veränderung und Revolution oder einfach nur zu Aktion, dem Versuch etwas zu ändern. „

Weil die Frühlingssonne nur noch knapp über den Wald hinter dem großen Weiher blinzelt und damit die Temperaturen auch sinken, macht der schwarze Lord dem Weißen einen Vorschlag.

„Haben sie noch ein wenig Zeit. Ich genieße wirklich sehr unsere Unterhaltung. Wir könnten rein gehen, ich mache ein Kanne herrlichen, selbst gepflückten Rosen-Garten-Tee. Auf dem Weg nach oben zeige ich ihnen noch mein neues Birnbäumchen. Wir kommen direkt daran vorbei. „

Der Pfarrer findet ebenso Gefallen an der anregenden Unterhaltung und folgt der Einladung gerne. Ein paar Stufen sind es nach oben zum Eingang. Auf diesen fällt dem schwarzen Lord der nächste Gedanke ein:

„Eine Hoffnung ohne die gleichzeitige Furcht, also nicht ihr Antagonist, sondern ihr Bestandteil , wäre das nicht so was wie Optimismus? Man muss doch das Übel, die Abgründe und Stromschnellen wahrnehmen und fürchten, sonst kann man darauf nicht reagieren. Die Angreifer auch seiner eigenen Hügel (Trockenheit, Ungeziefer, Zeitgeschehen etc.) fürchten und erkennen ermöglicht doch erst das Handeln. Initiiert es? Ist die Furcht gar eine treibende Kraft in der Hoffnung? „.

3 Antworten auf „Vom Pessimismus, der Hoffnung und einem Birnbäumchen“

  1. Hallo Achim,
    egal, wie hoffnungslos das Wetter wieder werden wird dieses Sommer, man pflanzt und macht ja trotzdem. Nicht aus Optimismus, sondern weil es vielleicht doch ein Ausnahmesommer wird mit einem Regenschauer mehr. Ich glaube zwar nicht dran, aber dann kann ich nur positiv überrascht werden.
    Viele Grüße
    Elke

    1. Hallo Elke, und weil es eben nicht einfach nur Optimismus ist, bereiten wir uns ja auch immer mehr darauf vor, falls wieder kein Regen kommt. Bewässerungen bei mir, hattest du nicht mal so wasserspeicherndes Zeugs für in den Boden getestet? Deine Regentonnen immer parat, jeden Tropfen auf zu fangen und Pflanzen zu wählen die damit zurecht kommen. Schön und einfach mal wieder entspannt wäre natürlich ein Sommer mit warmen Regenschauern und Gewittern (und keinen Unwettern, die ja immer mehr kommen) .
      Also lassen wir uns, hoffentlich positiv , überraschen. Viele liebe Grüße, Achim

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