Von richtigen, falschen und zufälligen Orten im Septembergarten.

War der September im Ziergarten ähnlich erfolgreich, wie im Gemüsegarten? Was bereitete Freude und was eher nicht? Eine Betrachtung zu richtigen und falschen Stauden an richtigen und falschen Plätzen, aber auch von ganz zufällig richtigen Orten.

Gartengenuß im September

Im Bericht über den Gemüsegarten habe ich ja schon die Wetterlage im September beschrieben. Endlich warm und immer noch trocken. Was macht das mit den Stauden? Habe ich “die richtigen Stauden” an der “richtigen Stelle”?

So viel kann ich jedenfalls verraten. Wenn “die Richtigen” an der “richtigen Stelle” stehen wird der Gärtner massig belohnt für seine Aufmerksamkeit den Stauden gegenüber.

Altbekannte Schönheiten in den Staudenbeeten

Schauen wir auf das große Staudenbeet vor dem Gemüsegarten.

Von Anfang an im Beet stehen die Herbstastern und die Rosen Jacques Cartier in Rosa und in Weiß. Gepflanzt im März 2013. Die Rosen gekauft und die Astern an anderer Stelle im 2011 übernommenen Garten ausgegraben. Sie waren die einzigen Blüten im Jahr und im Garten. Die Astern sind unwahrscheinlich gesund, robust und zuverlässig. Sie haben mich noch kein Jahr im Stich gelassen. Weil sie sich immer weiter ausbreiten, habe ich mittlerweile auch wieder an anderen Stellen Abkömmlingen von ihnen. Auch selbst aussähen tun sie sich. Sie waren, unbewusst, meine ersten Blackboxstauden, so zu sagen.

Ein Jahr später kamen ein paar Phloxe dazu. Damals noch im cottage-garden Traum verhaftet, setzte ich drei Stauden mit ins Beet.

Nun gut, sie stehen da noch immer, die Horste sind mächtig gewachsen, aber sie gehören zu den Stauden, die nicht am rechten Platz stehen. Zur Blüte im Sommer waren sie noch wunderbar an zu sehen und zu riechen. Aber die Blüte ist kurz. Vorher und Nachher steht buschiges Grün beziehungsweise folgendes “Grün” ganz vorne im Beet.

Für vielleicht 3 Wochen Pracht und 49 Wochen “naja” oder schlimmer, ist mir der Platz zu schade. Phlox braucht sehr viel Wasser und das kann er bei mir nicht bekommen. Trotz Tropfbewässerung. Selbst in einem Jahr wie 2021 mit Regen im Sommer reicht es ihm nicht.

Der Entschluss ist gefasst, sie kommen im Herbst raus und werden ersetzt mit richtigen Pflanzen für diesen Standort.

Denn ja, es gibt Stauden die mögen es dort und blühen über viele, viele Wochen. Zum Beispiel die direkten Nachbarn vom Phlox: Kaukasusgamander und großer Reiherschnabel. Beide im ersten Sommer und daher noch etwas zögerlich gewesen in der Entwicklung. Aber mittlerweile blühen sie prächtig.

Hoffnungen in den Staudenbeeten.

Zögerlich ist ein gutes Stichwort. Da fallen mir sofort meine heiß erwarteten Staudensonnenblumen ein. Also Sonnenblumen im Herbst sind herrlich. Mir gelingen sie aber, bis auf zwei oder drei Sommer, niemals. Egal welche ich säte und vorzog, es wurde nichts. Dann stieß ich auf Staudensonnenblumen. Genial, kein jährliches Vorziehen und von Jahr zu Jahr mehr gelbe Sonnen von ganz von allein im Beet. Die muss ich haben.

Gesagt getan. Im Herbst 2020 wanderten in zwei Staudenbeete je eine Staude. Sie sollen sich gut ausbreiten im Beet und so wollte ich den Geldbeutel schonen. Dann habe ich in den ersten Jahren eben noch wenige Blüten.

Und über wenige Blüten würde ich mich schon freuen. Im Frühjahr warte ich auf den Austrieb meiner Sonnenblumen. Eine Staude spitzt aus dem Boden und zieht sich sofort angewidert auf nimmer Wiedersehen zurück.

Die andere spitzt auch aus dem Boden, scheint auch, warum auch immer, angewidert und verharrt bockig und schmollend weit unterhalb des Girsch-Gewuchers im Beet. Monat für Monat muss ich sie immer wieder und wieder daraus befreien. Sie bleibt klein.

Die Verschwundene habe ich ersetzt. Ich will sie unbedingt und eine Chance muss ich ihr noch geben. Wird das auch nichts, dann ist für Sonnenblumen wohl doch nicht der “richtige Platz” in meinem Garten.

Was für eine Anstrengung, sie in den Herbst zu bekomme und nun seht selbst. Haben sich die Mühen nicht gelohnt? Helianthus decapetalus ‘Triomphe de Gand’ ist ihr voller Name und sie steht im Staudenbeet bei den Phloxen. Gleich mehrere Knospen hat sie und ich schaue täglich, wann sie aufgehen.

Und sie blühen so wunderschön. Ich bin begeistert. Sie sollen gerne und viel wuchern, sich mit den Astern verbrüdern und ineinander wachsen. Das wird irgendwann einmal ein Bild, wow.

Die nachgekaufte Staude steht im Beet im Vorgarten und soll sich dort ebenfalls mit Astern verbünden.

Die Aster wird hier nicht die althergebrachte hohe Bauerngartenaster sein, sondern die Wildaster “Ezo Muraksaki” deren Blütenfarbe mich vom ersten Anblick an, im Onlinekatalog der Staudengärtnerei , verzückte. Auch sie soll ja ganz schön rum kommen später einmal im Beet. Genau mein Ding. Nur bis das so weit ist. Sie ist auch im Herbst 2020 gepflanzt und scheinbar vom Garten oder dem Wetter seither ebenso angewidert wie die Sonnenblumen. Sie wächst nicht und wird immer weniger statt mehr, dann reiße ich mit dem Giersch auch noch einen der wenigen Triebe ab. Das freute mich wirklich! Denn der Trieb riss mit einem Auge unten am Herz der Pflanze ab. Ich steckte ihn in Erde und er bewurzelte. Nun habe ich schon zwei Wildastern die angeblich freudige Wucherer sind. Ich lass mich mal überraschen. Die ersten Blüten jedenfalls sind genau wie vorgestellt und werden sich herrlich mit den Sonnenblumen machen.

Mir macht die ihr benachbarte Staudensonnblume dennoch ein wenig Gedanken. Ist das wirklich die gewünschte “Triomphe de Gand” wie im Staudenbeet? Ich kann es nicht glauben. Bestellt hatte ich wieder die Triomphe aber entweder die im Vorgarten (linkes Bild) ist die “Triomphe de Gand” und im Staudenbeet steht eine unbekannte Sorte (rechtes Bild). Oder es ist umgekehrt. Gibt es unter meinen Lesern versierte Staudenkenner, die dieses Rätsel lösen können? Ich freue mich über Meinungen zu dieser Frage.

Ähnlich gelb aber mit viel kleineren, dafür aber wahnsinnig zahlreichen kleinen Sonnen, blüht der Oktober Sonnenhut. Gepflanzt im Herbst 2020. Untergegangen im Frühjahrsgewucher im Beet und in meinem Gedanken. Und auf einmal war er da – und ich überrascht.

Ehrlich, ich hatte keinen Gedanken mehr an ihn, wusste nicht einmal was es ist und fand ihn dann in meinen Bestellungen vom letzten Jahr. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Angeblich auch eine selbstaussähende Staude im Blackboxgarten. Wünschen würde ich es mir, denn seine Blüte erstreckt sich wirklich über Wochen, wenn nicht Monate. Die einzelnen Blütchen scheinen überhaupt nicht abblühen zu wollen und so sieht er auch ganz ohne Pflege ständig perfekt gestylt aus.

Schattengarten in voller Blüte

Meine erstmaligen Versuche mit Schatten-Blüten sind der volle Erfolg. Scheinbar habe ich hier auch den “richtigen Platz” gefunden. Die Stauden hatte ich schon, wollte ich schon lange und muss nun mit ihnen Leben. Aber was kann ich machen, dass sie auch mit mir leben können und wollen? Fuchsien und Begonien in einem Garten mit überall “nur Sonne”?

Ich fand hinter dem Carport und unter der Eiche einen Platz. Mittags scheint die Sonne kurz darauf, ansonsten kommt sie da nie direkt hin. Fuchsia “white knight’s pearl “, Fuchsia magellanica var. gracilis und das Japanschiefblatt, begonia grandis in weiß und rosa mit der geschenkten Hortensie. Thematisch passend, aber vollkommen winterhart, ist der Tüpfelfarn.

Herbstliche Impressionen:

Zum genussvollen Betrachten hier noch ein paar Impressionen aus dem herbstlichen Garten. Gut dass immer das Smartphone mit Kamera in der Hosentasche parat ist. Wo ich gehe und stehe finde ich immer schöne Anblicke, Einblicke oder Ausblicke. Meist werde ich darauf aufmerksam, weil just in dem Moment die Sonne perfekt steht und die Szene stimmungsvoll ausleuchtet. Dann muss sofort fotografiert werden. Wartet man zu lange oder ist doch zur “falschen Zeit” am “richtigen Platz”, dann ist es eben nur ein Dokumentationsfoto, zu Erinnerung in dunklen Stunden an die vielen vielen schönen Momente im Gartenjahr. Wie hier die Herbstchrysantheme Clara Curtis. Einmal mit und einmal ohne perfekte Sonne.

Schottergärten

Einer der schönen Ausblicke – man kann schließlich nicht immer nur einzelne Blütchen fotografieren, egal wie schön sie sind – haben wir hier. Der Besucher kommt vom Vorgarten hoch in den oberen Garten und blickt auf die neue Pergola und den mediterranen Schotter-Garten.

Und nein, ich habe keinen Vorzeigegarten für den die Menschen Eintritt bezahlen. Daher steht da auch einmal störend im Bild ein großer Plastikblumenkübel hinten vor dem Staudenbeet.

Der Blumentopf hat die angemessenen Maße, eine Bananenstaude zu beherbergen. Jahrelang war sie darin. Weil das Gewicht ganz angemessen zur Größe passte und wir noch etliche so schwer zu transportierende Kübel haben, experimentierte ich ein wenig. Im Herbst kam die abgeschnittene Banane nicht wie jedes Jahr ins viel zu enge “Palmenhaus” sondern blieb in der nicht isolierten Scheune stehen. Ein Ableger dieser Staude steht schließlich seit vielen Jahren im Staudenbeet im Vorgarten und überlebt. Vielleicht genügt der Schutz der Scheunenwände (dünne Bretter) ja aus?

20 Grad unter Null kamen und die Banane trieb im Frühjahr nicht aus. Aber der Kübel kam raus aus der Scheune. Sehr sehr schwer mit nasser Erde gefüllt. Wir stellen ihn in die Sonne zum Trocknen, dann kann er auch leichter entleert werden. Aber Sonne und 2021 sind irgendwie Gegensätze.

Der Topf wird nicht leichter und stört den ganzen Sommer dort am Weg. Gut, dass er nicht austrocknete. So erlebten wir, dass die Banane doch noch aus trieb. Weil ich aber definitiv keine weiteren Bananen mehr haben möchte konnte ich nette Bekannte beglücken. Ich versprach ihnen im Herbst kleine Stauden für ihren Garten und hielt dieses Versprechen jetzt ein. Nun ist der Kübel aber mittlerweile wirklich ausgeleert.

Das Gegenteil vom Schattengarten ist der mediterrane Platz mit dem neuen Schotterstreifen außen herum. Hier im Halbrund wachsen ausschließlich essbare Küchenkräuter und eine Palme.

Im Schotterstreifen unterhalb der Pergola wächst etwas Essbares aber überwiegend Zierendes. Nach Anfangsschwierigkeiten auf Grund des späten Pflanztermins, hat sich aber alles ohne Verluste gut eingewachsen.

Den zweiten Herbst erlebt der auch gut eingewachsenen Schottergarten am Gartenzaun.

Der Zufall als Gärtner

Immer wieder erwähne ich den Blackbox-Garten. Als Zufalls-Garten im Garten könnte man ihn auch bezeichnen. Und in jedem Beitrag zeige ich Beispiele, was sich wo selbst hin gesät hat.

Diesmal sind das eine weiße Witwenblume. Sie wuchs mit der eigentlich käuflich erworbenen Glockenblume im Töpfchen aus der Staudengärtnerei. Die Glockenblume kam im Frühjahr nicht wieder, dafür habe ich nun an deren Stelle diese Witwenblume. Von ihr habe ich sonst nur die dunkel-brombeerroten Blüten in den Beeten.

Wo überall Samen aufgehen und sich ohne irgendein Zutun Pflanzen entwickeln, erstaunt mich Monat für Monat im Gartenjahr.

Hier ein Sedum, das in einem Stein im Steingarten wächst.

Oder ein Zymbelkraut im betonierten Trockenstreifen am Haus.

Überhaupt habe ich den Eindruck, je trockener, steiniger und unwirtlicher, ja unvorstellbarer ein Ort ist, desto freudiger wächst dort irgend etwas. Manchmal wirklich direkt aus Steinen hervor. Daher hoffe ich sehr auf meine Schottergärten, dass sie sich wundervoll zu wachsen.

Hoffen und Glück haben sind Eines. Mitspielen ist das Andere. Schon die ganze Saison renne ich als “Samen-Fee” durch den Garten und verteile überall die jeweils reif gewordenen Samen von dafür geeigneten Stauden. Auf dass das kommende Jahr sehr bunt und vielfältig wird.

Aber ich habe nicht immer alles gleich verteilt sondern auch gesammelt. So sieht das jetzt aus und kommt allesamt noch in die Beete.

Wen es also interessiert, was – und ob etwas – aus dieser “Samenbombe” entstehen wird, der darf mich gerne regelmäßig hier im Blog besuchen. Ich freue mich jedenfalls über regen Besuch und Austausch in den Kommentaren.

4 Antworten auf „Von richtigen, falschen und zufälligen Orten im Septembergarten.“

  1. Hallo Achim,
    der Oktober-Sonnenhut blüht im Berggarten in Hannover noch vor zwei Wochen, also schon ein November-Sonnenhut. Die kleinen Blüten mit der dicken schwarzen Mitte finde ich auch so schön.
    Hoffentlich kommt meine ‘Lemon Queen’ nächstes Jahr wieder und blüht noch mal so schön.
    VG
    Elke

    1. Hallo Elke, der Name ist wirklich irreführend, hat er doch bereits im August angefangen zu blühen. Jetzt in den Matsch und Eis und igitt ist aber definitiv Schluss mit Blumen und allem ansehnlichen im Garten. Endzeitstimmung vor Sonnenwende, Zeit der Einkehr. Liebe Grüße Achim

  2. Hallo Achim,
    wenn ich sehe, was Du für einen Blütenzauber im September hattest, kann ich nur neidlos erblassen. Du investierst viel Zeit in den Garten und das sieht man auch. Ich hatte dieses Jahr nur Augen für den Gemüsegarten, den Rest habe ich wegen anderer Tätigkeiten ein wenig schleifen lassen. Alles ist ins Kraut geschossen, selbst der Magerstandort im Vorgarten bedurfte nun des gründlichen Durchgreifens. Du hast das eindeutig besser im Griff, ich gelobe Besserung! Allein schon dadurch, das ich das Bloggen einstelle 😉
    LG Karen
    LG Karen

    1. Hallo Karen,
      schön, von dir zu hören. Oh ja die Zeit und der Gemüsegarten (sicher hast du den Bericht darüber, vor diesem Beitrag, gelesen). Gemüse braucht ungleich mehr Zeit und Arbeit als alles andere im Garten. Und daher brauche ich bei den Stauden auch welche, die mit sich selbst klar kommen und meine Aufmerksamkeit nicht andauernd wünschen. Und das Bloggen, ja das braucht halt auch viel Zeit und wenn es nur für die eigenen Freude ist, ohne dass was anderes dabei rum kommt, dann überlegt man sich natürlich, ob die Zeit sinnvoll investiert ist. Ich hatte im Sommer ja auch eine dringend benötigte Blogpause, aber ich merkte, dass mir das Bloggen fehlte und ich muss eine Lösung finden. Gerade hole ich alles seit Mai auf und bin immerhin schon im September fertig. Bald bin ich wieder up to date und kann noch einige andere Themen mir annehmen. Mein SChottergarten, ähnlich deinem Magerstandort, wucherte heuer auch mehr als mir recht war, lag wohl an der vermehrten Flüssigkeit, die ihm zur Verfügung stand. WAs macht dein Wintergemüse 😉 Im nächsten Bericht hier werde ich über meines (Stand Oktober) berichten. Ich wünsche dir eine schöne Zeit und sende viel Grüße der Achim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.